Michael Kröner – im Rollstuhl durch das Sportstudium

Michael Kröner lächelnd
Zur Zeit absolviert Michael Kröner ein Fernstudium an der Open University Business School (Foto: Michael Kröner)

Michael Kröner sitzt seit einem Autounfall 1992 im Rollstuhl wegen einer Verletzung des T3-Wirbels. Von seiner Behinderung  lässt sich der heute 36-Jährige nicht behindern: Er fährt erfolgreich Skirennen, Handbike und hat 2001 als erster deutscher Student mit einer Gehbehinderung sein Sportstudium an der Deutschen Sporthochschule abgeschlossen.

Aus einem Rollstuhlmagazin hatte Michael Kröner erfahren, dass es in Köln an der Deutschen Sporthochschule auch für behinderte Menschen möglich ist, ein Sportstudium zu absolvieren. Nach einem Eignungstest und Eingnungsgesprächen wurde er schließlich als erster querschnittgelähmter Student zugelassen.

Viel Unterstützung im Studium

Während dem Studium bekam er Unterstützung von seinen Dozenten und Kommilitonen, vor allem aber von dem damaligen Rektor Prof. Dr. Joachim Mester. Da Michael Kröner bereits vor dem Studium im Behindertenspitzensport tätig war, kannten ihn manche Dozenten und Studenten bereits, die selber im Behindertensport involviert waren.

Leistungssport betrieb Kröner schon vor seinem Unfall. So war es nur eine Frage der Zeit, bis er sich dem Sport wieder zuwandte. Dennoch dauerte es drei Jahre: „Ich wollte zunächst nicht so recht, da ich nicht wieder ganz von vorne beginnen wollte“, erzählt der Sportbegeisterte. Doch die Sehnsucht nach den Bergen und dort mit Freunden und Familie zusammen zu sein, ließ ihn nicht los und so besuchte er schließlich seinen ersten Skikurs.

Auf Erfolgskurs

Zwei Jahre später, 1997, nahm er wieder an einem Wettkampf teil. Im gleichen Jahr wurde er Deutscher Meister, 1998 startete er bei den Winter Paralympics in Nagano, Japan, und wurde Achter im Super-G und Neunter im Slalom. 2002 holte er in Salt Lake City Bronze. Der Paralympionike schwärmt: „Die Freiheit, Geschwindigkeit und die Befriedigung nach der körperlichen Arbeit sind die Punkte, die mich am Sport begeistern.“

Klar, dass da Wintersport allein nicht ausreichte. 2000 stieg er bei Sunrise Medical in Malsch bei Heidelberg als Unterstützung im Produktmanagement ein. Dort lernte er das Handbike-Team SOPUR kennen und kam so schließlich zum Handbiken, über das er später auch seine Diplomarbeit verfasst hat.

Nach seinem Abschluss an der Deutschen Sporthochschule 2001 wechselte er schließlich ins europäische Produktmanagement bei Sunrise Medical. Die Firma hat sich auf Medizintechnik und moderne, sportliche Rollstühle und Handbikes spezialisiert. Zurzeit absolviert Kröner ein Fernstudium an der Open University Business School.

Michael Kröner im Handbike
Kröner liebt am Sport die Freiheit, die Geschwindigkeit und die Befriedigung nach der körperlichen Arbeit (Foto: Michael Kröner)

Erfolg erarbeitet

Doch der Erfolg ist Michael Kröner nicht in den Schoss gefallen. Auch er hatte nach seinem Unfall als 18-Jähriger mit Problemen zu kämpfen. „Mein größtes Problem war es sicherlich, meine neue Rolle als Mensch mit einer Behinderung zu finden, mich zu definieren, mein Selbstwertgefühl als auch mein Selbstbewusstsein aufzubauen und zu schätzen.“

Dies ist  ihm allerdings erst rückblickend klargeworden. Damals, als Teenager, empfand er die baulichen Hindernisse als größtes Problem. Die Treppen in der Schule, in der Discothek und in der Sporthalle sowie in seinem Elternhaus machten ihm die Rückkehr in sein altes Umfeld schwer, als er nach sechs Monaten die Rehaklinik verlassen konnte.

Seelische und bauliche Anpassungen

Das Elternhaus wurde durch einen kleineren Umbau auch für seinen Rollstuhl zugänglich . Auch in der Schule wurden schnell Anpassungen für den Frischbetroffenen gemacht: „In der Schule wurde unter großartiger Unterstützung der Schulleitung, des Lehrerkollegiums und der Mitschüler immer ein Weg gefunden, mich zu integrieren.“

Man wählte Klassenräume aus, die er ohne Probleme erreichen konnte und auch im Sportunterricht wurde alles individuell auf ihn abgestimmt. Für beide Seiten war das eine neue Situation, die sie aber zusammen gemeistert haben.

Ziel von damals erreicht

Damals, als Michael Kröner noch im Krankenhaus lag, setzte er sich zum Ziel, sein Abitur zu schaffen und neue Freizeitaktivitäten zu finden, die ihm Spaß machen würden. Beide Ziele hat er längst erreicht. „Man soll einfach alles ausprobieren – keine Angst vor Neuem haben und so keine Grenzen akzeptieren“, gibt Kröner seinen Mitmenschen auf den Weg.

Text: MPL - 07/2010

Fotos: Michael Kröner