"Willst Du nicht mal aufhören, fremdbestimmt zu sein?"

Errol Marklein hat so viel wie kaum ein Zweiter in der Rollstuhl-Szene bewegt. Er gehörte zu den Pionieren im Rennrollstuhl und Rennbike und war als Spitzensportler fast 30 Jahre lang erfolgreich. Sein Name ist eng verbunden mit der Entwicklung des modernen und adaptiven Aktivrollstuhls durch die Firma Sopur, heute ein Unternehmensbereich von Sunrise Medical.

Ähnlich wie Steve Jobs, der in etwa zur gleichen Zeit die Computerbranche mit dem Apple Macintosh revolutionierte, ist Errol Marklein ein wortgewaltiger Visionär, der dem Rollstuhl ein menschenfreundlicheres Antlitz verliehen hat.

Doch bei allem Erfolg ist er in Sport und Beruf immer ein Teamplayer geblieben, stets authentisch und fähig zur Selbstkritik, ein begnadeter Motivator und Moderator auch in konfliktgeladenen Situationen. Errol Marklein, der im nächsten Jahr 50 wird, lebt zusammen mit Ehefrau Ulla und Tochter Uma in Heidelberg und arbeitet als Marktstratege bei Sunrise Medical in Malsch. Seine internationale Sportkarriere hat er im Oktober 2006 beendet. Aus diesem Anlass traf sich HANDICAP-Chefredakteur Gunther Belitz mit Marklein, um eine atemberaubende Geschichte Revue passieren zu lassen.

Errol Marklein
Errol Marklein

Der erste Rennrollstuhl entsteht im Schweinestall

1980, kurz nach den Spielen von Arnheim, stellten sich Hugo Sorg und Erich Purkott beim Rollstuhlsportverein Heidelberg-Schlierbach vor. Die beiden Unternehmer betrieben unter dem Namen Sopur eine Schmiede und fertigten vornehmlich Gitterroste, Treppengeländer und Gartentore. Den Sportlern präsentierten sie nun mit dem "Ergotronic 9000" einen neuartigen Rollen-Ergometer, der auch mit dem Rollstuhl benutzt werden kann. "Da haben Fußgänger mal wieder was gemacht", dachten viele Sportkameraden abschätzig, aber Errol begriff sofort, dass man mit diesem Gerät nicht nur wetterunabhängig trainieren, sondern dass es auch als Mittel zum Zweck dienen kann, den Rollstuhl zu perfektionieren. Schon am nächsten Tag stand er bei Sopur auf der Matte und sagte: "Der Beckenbauer spielt doch auch nicht in Badeschlappen." Nur wenige Wochen später erblickte mit dem Track der erste echte Rennrollstuhl Europas das Licht der Welt in der Purkottschen Schmiede, einem ehemaligen Schweinestall. Die weitere Entwicklung des Rennrollstuhls ist schnell erzählt, wurde von Sopur entscheidend mit geprägt und von Markleins sportlichen Erfolgen flankiert: Ab 1983, Errol ist schon Weltmeister und Weltrekordhalter, werden die Laufräder leichter und größer; ab 1985 kommen richtig große Vorderräder und der ergonomische Sitzkäfig in Mode; ab 1986 werden die Füße immer mehr nach hinten verlagert, um eine dynamischere Sitzposition zu erzielen; ab 1987 setzen sich dreirädrige Rennmaschinen mit nur einem Laufrad durch, ein Jahr später gewinnt Errol mit einer solchen Konstruktion bei den Paralympics in Seoul sechs Goldmedaillen. Ein Lenkmechanismus für die Kurvenvorgabe im Stadion wird schließlich seit 1989 integriert. "Seitdem hat sich bis auf das Längenwachstum gar nicht mehr viel beim Design von Rennrollstühlen geändert", sagt Errol Marklein.

Text: Gunther Belitz

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