Beat Thöni: Halt aus tiefen Wurzeln

Seit einem Schwingerunfall 1960 war Beat Thöni querschnittgelähmt. Er meisterte sein Leben mit Zuversicht und viel Kraft.

Für die Fahrt mit dem «Schäsli» von Wyler auf den Brünig darf der 5-jährige Beat auf dem Kutscherbänkli Platz nehmen. Er ist in Vorfreude gespannt und zupft nervös an der kurzen Sonntagshose. Auch die Mutter hat sich festlich herausgeputzt und sieht in der Sonntagstracht hinreissend aus.

Der Vater macht keinen Hehl daraus und drückt seiner hübschen Bernerin gutgelaunt ein herzhaftes Müntschi auf die Wangen. - Eine rundum ganz und gar nicht alltägliche Situation an diesem August-Morgen im Jahr 1938. In wenigen Stunden beginnt der Brünigschwinget; Vater Thöni ist Kampfrichter. Wohlgefällig betrachtet er den Knaben neben sich, der Jüngste von drei Söhnen, murmelt etwas wie «zukünftiger Kranzschwinger», nimmt die Zügel auf und setzt mit energischem «Hüüü-ä» die Pferde in Trab.

Das Schwingen ist seit Generationen Tradition in der Familie - das darf man mit Fug behaupten. Die Leidenschaft für den Schweizer Nationalsport hat tiefe Wurzeln, und diese werden mit Stolz gepflegt. So wird kämpferisches Sich-Messen für Beat von frühester Kindheit an zur Lebenseinstellung.

Mit Talent gesegnet

Der Vater beobachtet unauffällig, jedoch sehr aufmerksam die ersten Ringkämpfe der Haslitaler Jugend und stellt bald fest: «…der Beat, das gitt e Schwinger». Seine Begabung ist offensichtlich und bald im ganzen Gadmen-Tal bekannt. Als 12-Jähriger schafft er es beim Buebeschwinget erstmals in den Schlussgang.  Zwar verliert er diese Runde, nicht aber den Kampfgeist. Aus dem jugendlichen Nachwuchstalent wird ein kräftiger, breitschultriger junger Mann, mit mächtigen Händen, markanten, schönen Gesichtszügen und einem gutmütigen, gewinnenden Lächeln. Ein Gesicht, das man - einmal gesehen - nie mehr vergisst. Bald schon gehört der sympathische Naturbursche zu den «Bösen» und braucht keinen Gegner mehr zu fürchten. Kränze, Glocken und Trophäen schmücken die gute Stube. Eine grosse Schwingerkarriere hat offensichtlich ihren Lauf genommen. 

Von einer Sekunde auf die andere...

Am 7. August 1960 steht Beat Thöni am traditionellen Brünigschwinget im Schlussgang. Sein Gegner ist kein Geringerer als der mehrfache Schwingerkönig Karl Meli. Das Publikum fiebert mit. Die knisternde Spannung ist fast greifbar. Die beiden Männer keuchen im Kampf. Sie schenken sich nichts, sind sich ebenbürtig in Muskelkraft, Geschicklichkeit, blitzschneller Reaktion, wo es um Sekundenbruchteile geht. Wer wird den ersten Fehler machen? Unversehens - nach einem kräftigen Schwung - stürzt Beat Thöni mit Wucht direkt auf den Kopf. Es kracht in der Wirbelsäule: Ein Geräusch, das er nie mehr vergessen wird. Sein kräftiger Körper fällt dumpf ins Sägemehl“ und bleibt liegen. Das zunächst aufwallende Raunen der Zuschauer stirbt abrupt ab. Unheimliche Stille trägt die stumme Frage: «er steht doch sicher gleich wieder auf...?» Beat Thöni tut es nicht mehr. Er wird es nie mehr tun - das weiss er mit so schlagartiger Gewissheit, dass er selber darüber erschreckt.

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