Für ein erfolgreiches Auslandsstudium mit Handicap: der HEAG

(Screenshot: HEAG)
HEAG ist eine informative und hilfreiche Website für alle Studierenden mit Behinderung (Screenshot: HEAG)

Auslandsstudium gefällig? „Mission Impossible“ mit Ihrer Behinderung, denken Sie? Nicht unbedingt - mit dem Higher Education Accessibility Guide soll „Barcelona für ein Jahr“ in realistische Nähe rücken.

Sicherlich dürfte diese Filmkomödie, in der es um eine internationale Studenten-WG in Barcelona geht, manchen jungen Menschen ein paar Semester an einer ausländischen Hochschule schmackhaft gemacht haben. Das gilt auch für StudentInnen mit Handicap.

Aber wenn selbst hierzulande für einen behinderten Studenten die Zugänglichkeit zu einer hochschulischen Ausbildung nicht überall gegeben ist, wie könnte man dann das Studium im europäischen Ausland überhaupt schaffen? Solche Gedanken beschäftigen viele behinderte StudentInnen. Oft nicht zu Unrecht.

Studieren im Ausland ohne Hindernisse

Doch noch öfter sind diese Gedanken überflüssig. Denn es gibt sehr wohl Universitäten außerhalb Deutschland, die das Etikett „barrierefrei“ glatt verdienen würden – laut den Informationen aus dem „Higher Education Accessibility Guide", kurz HEAG genannt. Er soll „Studieninteressierte und Studierende mit Behinderung und chronischer Krankheit bei ihrer Recherche zu einem Studienaufenthalt im Ausland unterstützen“.

Infos zum Auslandsstudium mit Behinderung gebündelt

Dort kann sich der interessierte Student beispielsweise darüber informieren, wie das Hochschulsystem des Wunschlandes aussieht, auf welche Hilfsmittel er dort als behinderter Student einen Anspruch hat und wer die relevanten Ansprechpartner sind. Bis auf wenige Länder sind diese Informationen bereits vollständig abrufbar.

Seit Januar 2010 können zudem online Informationen rund um Zugänglichkeit der Universtätsgebäude abgerufen werden sowie sind Kontaktdaten der jeweiligen Behindertenbeauftragten veröffentlicht. Die Daten werden im zweijährigen Turnus aktualisiert.

Aufruf an alle Universitäten und Hochschulen

Dazu hatte die Bundesarbeitsgemeinschaft Behinderung und Studium e.V. (BAG), die für die deutschen HEAG-Einträge zuständig ist, alle Hochschulen aufgefordert, das elektronische Formular mit vierzig für behinderte Studenten relevanten Fragen auszufüllen.

Die Beantwortung dieser Fragen ermöglicht es behinderten Studierenden weltweit, beispielsweise folgende Informationen über die Freie Universität Berlin einzuholen: „Am Studienort existieren spezielle Wohnmöglichkeiten für (behinderte) Studierende“ und die dortigen Hörsäle sind mit Induktionsschleifen ausgestattet. Einzig die Frage zu „individuellen Angeboten zur Lernunterstützung und Förderung der Studienkompetenz“ wird verneint.

Landkarte in denen die HEAG vertreten ist. (Screenshot: HEAG)
Für insgesamt 28 europäische Länder kann auf für behinderte Studenten relevante Informationen zugegriffen werden (Screenshot: HEAG)

Noch in den Kinderschuhen

Ein Manko: Diese Datenbank ist von der HEAG-Startseite aus nicht einfach zu finden. Aber wer schlicht „database“ im Suchfeld oben rechts auf der HEAG-Startseite eingibt, kann sich seine Wunsch-Länderdatenbank sogleich aussuchen. Wählt man eine aus, kann man dann die gewünschte Sprache, in der die Datenbankinformationen dargestellt werden sollen, anklicken. Die deutschen Daten sind in Deutsch und Englisch verfügbar.

Derzeit sind erst 29 deutsche Hochschulen eingetragen – von insgesamt 410 (Statistisches Bundesamt, Stand Wintersemester 2009/10). Angesichts der niedrigen Eintragungsquote hat die BAG im April-Newsletter des Deutschen Studentenwerks alle übrigen Hochschulen erneut dazu gebeten, doch den Fragebogen auszufüllen.

Wichtige Universitäten noch nicht eingetragen

Selbst renommierte Hochschulen wie die Universität Karlsruhe, die Humboldt-Universität Berlin oder die RWTH Aachen fehlen. Von den zehn in der Exzellenzinitiative geförderten Eliteuniversitäten ist einzig allein die Ludwig-Maximilians-Universität in München aufgeführt.

Fairerweise muss jedoch angemerkt werden, dass Universitäten anderer Länder mit der Eingabe nicht viel weiter sind. In der HEAG-Datenbank findet man zum Beispiel lediglich 30 britische, 28 schwedische und 17 spanische Universitäten (davon zwei in Barcelona). Manche Länder fehlen sogar komplett – wie Italien und Polen.

Idee gut, Umsetzung dauert noch an

Auch wenn sich der HEAG derzeit noch in der Anfangsphase befindet und die meisten Texte in Englisch verfasst sind, ist der Führer an sich eine gute Idee. Lässt sich hoffen, dass sich immer mehr Hochschule eintragen lassen und dadurch behinderte Studenten dazu ermutigt werden, auch mal ein paar Semester in Spanien studieren zu dürfen.

Außerdem würde vielleicht die eine oder andere Hochschule darauf aufmerksam werden, wenn die BAG, die ja deutscher Ansprechpartner des Projekts ist, auf deren Webseite den HEAG überhaupt erwähnt oder verlinkt.

Bitte eintragen!

Und wer nicht warten will, bis die Hochschulen selbst auf die Idee kommen, die Zugänglichkeit ihrer Gebäude erfassen zu lassen, kann „seiner“ Uni den elektronischen HEAG-Fragebogen doch einfach zukommen lassen!


Text: TMI

Fotos: HEAG

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