Das Fernstudium: Berufliche Qualifikation barrierefrei erlangen

Ein nostalgischer, gelber Briefkasten (Foto: Liane / pixelio.de)
Der Postweg ist auch überholt – das Medium der Zeit ist das Internet. (Liane/pixelio.de)

Zahlreiche Berufe, bei denen vor allem die geistige Leistung zählt, sind besonders für Menschen mit einem körperlichen Handicap attraktiv. Voraussetzung für einen solchen Arbeitsplatz ist häufig ein abgeschlossenes Studium. Nicht selten eine Herausforderung für Schulabgänger mit Behinderung.

Denn das Campus-Leben ist nicht immer mit speziellen Bedürfnissen vereinbar. Doch einen Studienabschluss kann man heute sogar erlangen, ohne das Haus zu verlassen. Ein Fernstudium ist für Menschen mit Behinderung eine hervorragende Möglichkeit, sich nach der Schule für die berufliche Karriere zu qualifizieren. Dank Internet und Co. muss man hierbei nicht täglich den Weg zur Universität antreten. Dies kann sich sonst aufgrund von Wetter, Entfernung oder einer Vielzahl anderer Faktoren gerade für Studierende mit eingeschränkten Möglichkeiten als hinderlich erweisen.

Ein weiterer Vorteil eines Studiums von zuhause aus ist die freie Zeiteinteilung. Solange man den Stoff des Semesters innerhalb eines bestimmten Zeitfensters gelernt hat, bleibt es einem selbst überlassen, wann man ihn lernt. Ob morgens, nachmittags oder in der Nacht entscheiden einzig die eigenen Vorlieben und Leistungsfähigkeit, sowie die eigene Disziplin. Denn auch die Dauer einer Lerneinheit wird nicht von den Professoren, sondern von einem selbst festgelegt.

Ein aufgeklappter und eingeschalteter Laptop steht vor Sofa und Stehlampe auf dem Wohnzimmertisch (Foto: Rainer Sturm / pixelio.de)
Nicht nur studieren, auch seine Prüfungen ablegen kann man zuhause. (Rainer Sturm/pixelio.de)

Internet als zentrales Medium

Sogar der Weg zum Briefkasten entfällt mittlerweile meist. Heutzutage stellt der Postweg für Fernstudierende nur noch eine fast unbedeutende Rolle dar. Zentrales Medium ist das Internet. Hausarbeiten und Tests können während des Semesters per E-Mail an die Professoren gesendet werden. Man erhält dann ebenfalls auf digitalem Wege eine Rückmeldung zu seinen Ergebnissen. Zum Austausch unter den Studierenden und mit Lehrkräften werden virtuelle Lernumgebungen angeboten. Hier können teilweise auch direkt Zwischenprüfungen absolviert oder das Lehrmaterial heruntergeladen werden.

Doch nicht alles bei einem Fernstudium ist virtuell. Je nach Universität und Studiengang gibt es einige wenige Präsenzveranstaltungen, zu denen man dann doch die Universität aufsuchen muss. Die Anzahl dieser Anlässe ist jedoch sehr überschaubar und lange im Voraus bekannt. Daher können sie in der Regel auch von Studierenden besucht werden, für die eine solche Veranstaltung mit einigem Aufwand verbunden ist.

Zu solchen Präsenzveranstaltungen zählen üblicherweise auch die Prüfungen am Ende eines Semesters. Da hierbei natürlich kontrolliert werden muss, dass man nicht das Lernmaterial neben sich liegen hat, ist der Besuch der Universität hierfür unvermeidlich.

Prüfungen zuhause ablegen

Einige Lehrstätten haben jedoch auch sogenannte Regionalzentren eingerichtet. So wird den Studierenden unter Umständen eine Anreise durch die halbe Republik erspart.

Aber gerade für Menschen mit einem schweren körperlichen Handicap ist eine Anreise, gleich ob national oder regional, nicht selten mit derartigen Anstrengungen verbunden, dass danach das Ablegen einer Prüfung nicht mehr möglich wäre.

Doch auch hierfür gibt es Lösungen. So bietet beispielsweise die Fernuniversität Hagen an, dass man seine Prüfungen zuhause schreiben kann. Hierfür wird dann ein Amtsträger vor Ort von der Universität verpflichtet, der den Studierenden zuhause während der Prüfung überwacht. Natürlich darf man währenddessen auf notwendige Hilfsmittel oder Unterstützung durch Assistenz zurückgreifen. Sämtliche Nachteilsausgleiche, die einem behinderten Studierenden bei einem Präsenzstudium zustehen, gelten auch beim Fernstudium. Dazu zählen zum Beispiel auch Zeitverlängerungen für die Prüfungen.

Zwei Geschäftsleute schütteln Hände - man sieht nur ihre Hände und Arme (Foto: Benjamin Thorn / pixelio.de)
Für die Einstellung zählt ein qualifizierter Abschluss – nicht wo man ihn erworben hat. (Benjamin Thorn/pixelio.de)

Barrierefreiheit

Dieses Beispiel zeigt, dass man sich an den Universitäten absolut bewusst ist, dass ein Fernstudium besonders für Menschen mit Handicap eine attraktive Möglichkeit ist, einen Abschluss zu erwerben. Darauf stellt man sich an den Hochschulen auch immer mehr ein. Sei es durch die spezielle, barrierefreie Aufbereitung der digitalen Studienmaterialien oder die entsprechende Einrichtung der Räumlichkeiten.

Wer nun aber aufgrund seiner körperlichen Einschränkungen ein Fernstudium absolviert, muss keineswegs befürchten, bei den Job-Bewerbungen in die Schublade "behindert" gesteckt zu werden. Im Gegenteil: Mit einer Fernausbildung befindet man sich in bester Gesellschaft. "Fast jeder unserer Mitarbeiter hat schon einmal an einem Fernlehrgang teilgenommen", berichtet Jennifer Frame von der Personalabteilung der Dow Europe GmbH. Damit sind jedoch nicht nur hausinterne Weiterbildungen oder kurze Lehrgänge gemeint. "Viele Mitarbeiter bilden sich im Laufe ihrer Karriere neben ihrer Arbeit mit einem Fernstudium weiter, um beruflich weiterzukommen."

Klassischer Abschluss oder Fernabschluss

Auf die Frage hin, ob man denn bei Bewerbern darauf achtet, ob ein Abschluss an einer Präsenz- oder Fernuniversität erworben wurde, gibt die Personalverantwortliche des Großkonzerns einen wichtigen Hinweis: "Wenn für eine Stelle ein Abschluss erforderlich ist, achten wir nicht auf klassischen Abschluss oder Fernabschluss." Vielmehr sei wichtig, an welcher Universität der Abschluss erworben wurde.

Während in den Anfangszeiten von Fernlehrgängen die Auswahl noch sehr begrenzt war, gibt es heute ein breites Angebot an Studiengängen, aus denen man auswählen kann. Immer mehr Universitäten erweitern ihr Studienangebot auf die Möglichkeit eines Fernstudiums. Auch drängen immer mehr Anbieter auf den Markt. Denn schließlich gehören nicht nur Menschen mit Behinderung zur Zielgruppe. Auch Berufstätige, die sich weiterbilden oder beruflich verändern wollen, nehmen die Angebote in Anspruch.

Im Gegensatz zu den üblichen Kriterien bei der Auswahl einer Präsenzuniversität - wie Wohnungsmarkt, Lage, Umfeld und persönliche Interessen - ist bei der Auswahl einer Fernuniversität vor allem eines entscheidend: Ihre Qualifizierung und die staatliche Anerkennung ihrer Abschlüsse. Dann steht der Qualifizierung für den Beruf von zuhause aus nichts mehr im Weg.


Text: Justin Black - 02/2013

Fotos: pixelio.de, MyHandicap

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