Schnee, Ski und Spaß: Wintersport ohne Behinderung

Unser Botschafter Reini Sampl im Schnee unterwegs.
Unser Botschafter Reini Sampl im Schnee unterwegs.

Menschen mit Handicap müssen im Winter nicht auf Sport im Schnee verzichten, denn das Wintersportangebot für Menschen mit Behinderung ist groß: Skifahren, Hockey, Langlauf – da findet jeder etwas!

Wer die Geschwindigkeit liebt, der wird im Monoski das ideale Sportgerät finden. Auf einem Carvingski ist ein gefederter Rahmen mit einer Sitzschale angebracht. Das Gleichgewicht hält man mit kleinen Skiern am Ende von zwei kurzen Stöcken.

Dieses Sportgerät ist geeignet für Menschen mit Querschnittlähmung, Spina Bifida oder Multipler Sklerose, aber auch für Personen mit einer beidseitiger Oberschenkelamputation oder einer Cerebralparese. Wichtig für die Nutzung des Monoskis sind eine gute Rumpfstabilität, funktionierende obere Extremitäten, Greiffunktion der Hände, und Flexion der Hüft– und Kniegelenke. Alles zum Thema Monoski finden Sie auf dieser Website: www.monoskikurs.de.

Gute Rumpfstabilität vorausgesetzt

Eine stabilere Variante ist der Bi-Ski. Da dieses Gerät auf zwei Skiern steht, gleitet es stabiler, verliert dafür allerdings an Wendigkeit. Ob mit oder ohne Skistöcke: Hier braucht der Wintersportler eine Begleitperson, die lenkt. Somit sind Bi-Ski auch geeignet für Menschen mit einer Cerebralparese, Tetraplegie oder Hemiparese. Einzige Voraussetzung zum Mitfahren ist die Fähigkeit, angewinkelt sitzen zu können.

Ein ähnliches Prinzip wie beim Bi-Ski wird auch beim Langlauf angewendet. Hier kann man mit einem Langlaufschlitten über die Loipen gleiten. Der Sportler ist fest mit Gurten auf dem Sitz angeschnallt und kann im Falle eines Sturzes schnell wieder hochkommen. Voraussetzung für den Sport sind wie beim Monoski eine gute Rumpfstabilität und gut funktionierende obere Extremitäten.

„Eine weitere Alternative für Menschen mit Gehbehinderung, denen das Monoski nicht zusagt, ist der Skibob“, sagt Martina Heym, MyHandicap-Fachexpertin für Sport. Dabei sitzt man auf einem fahrradähnlichem Sportgerät, an dem statt Rädern Skier befestigt sind. Mehr Infos zum Skibob hier.

Ein Bein – drei Skier

Auch Menschen mit einer Unterschenkelamputation können auf zwei Skiern und dem Snowboard problemlos fahren. Wichtig ist hier, dass die Prothese mit einer Oberhülse ausgestattet ist, um die auftretenden Kräfte auch optimal auf die Ski übertragen zu können.

Liegt eine Oberschenkelamputation vor, ist das Fahren auf einem Ski mit Krückenskiern die Lösung, wie es Martina Heym seit elf Jahren vormacht. Einsteigern empfiehlt sie, unbedingt einen Kurs mit einem Skilehrer, der ebenfalls auf Krückenskiern fährt, zu machen. Mehr Infos dazu auf der Website des BVS Bayern e.V.

Sportlich ambitionierte und erfahrene Menschen mit Oberschenkelamputation können sich sogar auf einem Snowboard versuchen. Mit dem Langlaufschlitten, Krückenskiern und/oder der Oberhülse kann man auch wunderbare Schneetouren unternehmen.

Sehende Begleitung

Menschen mit einer Sehbehinderung sollten Wintersport am besten mit einer Begleitperson betreiben. Die Begleitperson lenkt den Sportler durch Zurufen der Richtung. Dies ist jedoch nur empfehlenswert auf bekannten Pisten mit wenig Verkehr.

Sehbehinderte Sportbegeisterte haben weiter die Möglichkeit zum Langlauf und sogar zum Biathlon – Vorbild ist da die blinde und mehrfache Paralympics-Siegerin Verena Bentele. Ein Begleitläufer gibt ihr durch Zurufe die Richtung vor und mittels eines akustischen Signals visiert Bentele mit ihrem Gewehr die Zielscheibe an.

Fernab der Piste

Wer keine Lust auf Pisten und Berge hat, der kann sich vielleicht mehr für Eishockey erwärmen. Eine ganz besondere Art ist das Sledge Hockey, das bei den Paralympics zu den beliebtesten Sportarten gehört.

Ebenfalls auf dem Eis wird Curling gespielt. Dieser Sport lässt sich problemlos aus dem Rollstuhl heraus spielen. Einzige besondere Anschaffung ist hier ein Stoßstock, der sogenannte Stick. Dieser ist ein teleskopartiger Stiel und dient als verlängerter Arm des Spielers, der je nach Bedarf in der Länge verändert werden kann. Der wesentliche Unterschied zum „Fußgängercurling“ ist, dass das Wischen wegfällt, weshalb der Stein umso gezielter gestoßen werden muss.

Es gibt noch zahlreiche weitere Angebote wie Schlittschuhfahren, Eisklettern und vieles mehr. Grundsätzlich lässt sich fast jedes Sportart auch mit einer Behinderung machen. Bei der Beschaffung des Materials und auf der Suche nach Angeboten hilft die MyHandicap-Community gerne weiter. Im Sportforum können Sie Ihre Fragen stellen und erhalten Tipps von Menschen mit Behinderung, die ihre Erfahrungen gerne mit anderen teilen.

Text: MPL/TMI

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