Volleyball: Einer für alle - alle für einen

Volleyballspieler mit Handicap: Timo Hager
Volleyball-Nationalspieler Timo Hager (Foto: Birgit Herzum)

Volleyball spielen mit Handicap? Kein Problem, schließlich steht ein ganzes Team auf dem Feld getreu dem Motto: einer für alle, alle für einen! Und dass auch behinderte Sportler Volleyball auf höchstem Niveau spielen können, zeigt die Deutsche Volleyball- Nationalmannschaft der Behinderten auf eindrucksvolle Weise.

Timo Hager hechtet durch die Halle und kann den Ball gerade noch retten, sein Teamkollege Markus spielt den Ball zurück zum Gegner. Nun heißt es wieder: Konzentriert den Ball annehmen und das eigene Spiel aufbauen. Der Steller passt den Ball hoch raus zu Timo, der lauert schon. Zwei schnelle Schritte, abspringen und den Ball dann mit Power auf die andere Seite dreschen. Punkt!

Leistungs- und Freizeitsport

Was sich nach einem ganz normalen Volleyballspiel anhört, ist auch eins – mit einer Ausnahme: Timo ist als einziger Spieler behindert, hat eine Beinprothese, die ihm den fehlenden Unterschenkel ersetzt.

Ob leistungs- oder freizeitorientiert: (Standing) Volleyball ist eine Sportart, die behinderte Sportler spielen können. Wie nichtbehinderte Spieler müssen Menschen mit Handicap die Techniken Baggern, Pritschen, Schmetterschlag oder Block zunächst auf mühevolle Weise lernen – so auch Timo. Der fing erst im Alter von 20 Jahren mit Volleyball an. Spezielle Fertigkeiten, z. B. eine angepasste Absprungtechnik für Prothesenträger, können jedoch im Training eingeübt und perfektioniert werden.

Erfahrung und Teamgeist zählen

Gerade Volleyball ist eine Sportart, in der Erfahrung und Teamgeist zählen. Es geht nicht immer darum, der Schnellste auf dem Feld zu sein, sondern die Ballflugkurve rechtzeitig zu erfassen (zu antizipieren), die Taktik des Gegners zu durchschauen, dessen Lücken zu erkennen und entsprechend zu agieren.

Schnell und groß bedeutet also nicht immer gleich gut und erfolgreich. Und wie in einem nichtbehinderten Team hat jeder Spieler seine Stärken und Schwächen. Teamgeist ist gefragt!

Spielregeln

Standing Volleyball wird nach den bekannten Volleyballregeln gespielt – und hat nichts mit „Stehen auf dem Feld“ zu tun. Diese Bezeichnung verdeutlicht nur den Unterschied zum Sitzvolleyball, bei dem die Sportler tatsächlich auf dem Boden sitzen.

Beim Standvolleyball ist das Feld 9 x 9 Meter groß, das Netz entsprechend hoch und bei internationalen Wettkämpfen reiner Behindertenmannschaften sind die Athleten in drei Kategorien von Behinderungsgraden eingeteilt. A-Spieler sind solche mit einer geringfügigen Behinderung (z. B. deformierte Finger, stark atrophiertes Bein), C-Spieler mit einer schweren (z. B. amputierter Arm) und B-Spieler haben schließlich eine mittelschwere Behinderung (z. B. stark verkürztes Bein, amputierter Unterschenkel).

Damit die Mannschaften bei den Wettkämpfen vergleichbare Chancen haben, darf höchstens ein Spieler aus der Kategorie A und muss mindestens ein Spieler der C-Kategorie auf dem Spielfeld stehen.

Mit und ohne Handicap – die Mischung macht’s

Timo ist Spieler der Deutschen Volleyball-Nationalmannschaft der Behinderten. Einmal im Jahr bestreitet er mit dem Nationalkader ein internationales Turnier wie Weltmeisterschaft oder Weltcup und gewann 2007 den Weltcup-Titel in Kambodscha. Doch die meiste Zeit trainiert und spielt er in seiner (nichtbehinderten) Heimmannschaft in Wuppertal.

Das ist auch Voraussetzung, denn ohne den heimischen Spielbetrieb gibt es keine Nominierung für die Nationalmannschaft. Athanasios Papageorgiou, Bundestrainer der Standvolleyballer, ist von diesem Konzept überzeugt: „Meine Jungs holen sich da nicht nur die nötige Technik, Kondition und Spielerfahrung, nein, sie müssen hier Leistungsträger sein und Verantwortung übernehmen. Nur so können wir mit relativ wenigen Kaderlehrgängen pro Jahr erfolgreich sein.“

Übung macht den Meister

Das Konzept geht auf, schließlich ist die Deutsche Volleyball-Nationalmannschaft der Behinderten vierfacher Paralympicsieger, dreifacher Weltmeister und fünffacher Europameister – und damit die erfolgreichste Sportspielmannschaft der letzten 25 Jahre hierzulande überhaupt!

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