Lebenssport Tauchen

Monika Wenninger unter Wasser mit Tauchermaske
Unter Wasser vergisst Monika Wenninger ihre Behinderung (Foto: Monika Wenninger)

Für Fachexpertin Monika Wenninger ist Tauchen der Sport ihres Lebens. In ihrem Text erzählt sie von ihrem Leben mit Behinderung und dem Glück unter Wasser.

Als sich 2002 meine Beweglichkeit immer mehr einschränkte, war das schrecklich für mich, denn ich war eine richtige Sportlerin gewesen, nicht professionell, sondern eher freizeitmäßig aber das mit Begeisterung. Ich hatte damals noch meinen Hund, der als ein großer Hovawart sehr viel Auslauf brauchte und daher lief ich mit ihm stundenlang in der Landschaft herum oder radelte einen endlos langen Weg an der Isar entlang.

Bewegung macht glücklich

Im Sommer stand ich dann immer ganz früh auf und joggte mit meinem Hund über die Feldwege, bis wir beide ausgelaugt wieder nach Hause kamen. Die heiße Dusche danach machte mir immer besonders viel Spaß und wir nahmen dann ausgehungert aber total glücklich unser Frühstück zu uns. Es war eine wunderschöne Zeit gewesen und ich bin heute so froh, dass ich sie erleben durfte.

Eines Tages war das alles vorbei und ich trennte mich von Haus, Hund und Mann und zog nach München. Ich versuchte mir ein eigenes Leben aufzubauen und gab als Dozentin Unterricht in Computergrafik. Das Umknicken mit meinem linken Fuß wurde nicht besser, sondern eher schlimmer und ich lief mittlerweile mithilfe von Krücken. Also war mein nächster Schritt ein erneuter Arztbesuch.

Mobilität durch Training

Die neue Diagnose lautete wieder ‚posttraumatische Psychosomatik’ wie all die Diagnosen zuvor, weil alle es auf den tragischen Tod meiner Eltern bezogen. Sport in dem Sinne konnte ich nicht mehr machen, also versuchte ich alles Mögliche, um mobil zu bleiben. Ich kaufte mir einen Heimtrainer, trainierte mit Hanteln und lernte das Motorradgespann fahren.

Nachdem mir der Arzt nahe gelegt hatte, mich doch einer Psychotherapie zu unterziehen, ging ich zweimal die Woche zu einer Psychotherapeutin, in der Hoffnung, dass sich mein tiefliegendes Problem zeigte und meine Symptomatik endlich verschwand.

Unter Wasserwelt mit Monika Wenninger beim Tauchen (Foto: Monika Wenninger)
Mit einiger Übung können auch Menschen mit Behinderung in die faszinierende Unterwasserwelt eintauchen (Foto: Monika Wenninger)

Neue Liebe - neues Leben

Ich gab schließlich auf, denn mein körperlicher Zustand wurde immer schlechter statt besser. Ich brach die Therapie ab und entschied mich erst einmal für das Leben. Jetzt brauchte ich zusätzlich den Rollstuhl und hatte Schwierigkeiten mit der Hitze. Das fand ich übel, denn ich liebte die Sauna, heiße Duschen und die Sonne.

Eines Tages passierte es und ich verliebte mich ganz toll in einen interessanten Mann, der sich auch in mich verliebt hatte. Welch ein Glück!

Es war schön ein neues Leben anzufangen und da kam der Urlaub am Roten Meer gerade recht. Mein Freund meldete mich zum Schnuppertauchen an, denn er tauchte bereits und wollte mir diese Traumwelt vermitteln. Er hatte mir schon vorher von der einmaligen Unterwasserwelt vorgeschwärmt. Ich war gespannt.

Ziel Tauchschein

Wie bereits geahnt gefiel es mir supergut und ich wollte auch gleich den OWD (Open Water Driver) machen. Der Tauchkurs fing ganz harmlos mit der Theorie an. Diese war für mich auch nicht schwierig, weil alles so logisch aufgebaut war, aber ich hielt es kaum mehr aus, in der Hitze zu sitzen.

Ich schaffte es dann doch, denn ich besorgte mir einfach eine Flasche Wasser und wenn es mir zu heiß wurde, schüttete ich den Inhalt über Kopf und Körper.
An dem darauffolgenden ersten Teil der Praxis mussten wir am Pool einige praktische Übungen absolvieren. Eine davon war, dass wir eine Tauchflasche mit dem Jucket und dem Atemregler für das Tauchen fertig zusammenbauen mussten.

Das hatte mir richtig Spaß gemacht, vorallem weil das am kühlen Pool stattfand und ich mich immer unter die Dusche stellen konnte. Am nächsten Morgen schrieben wir dann die theoretische Prüfung und ich bestand sie mit null Fehlern. Ich war echt stolz auf mich und freute mich riesig auf das Tauchen.

Übung macht die Tauchmeisterin

Am nächsten Morgen waren die ersten Tauchübungen im Pool an der Reihe. Die haben mir auch richtig gut gefallen, denn das war für mich nicht anstrengend. Die ganzen Übungen, wie keine Luft mehr anzeigen und den Atemregler mit dem Oktopus des anderen eintauschen, das Abblasen des Lungenautomaten über die Luftdusche simulieren und atmen, die Maske fluten und wieder ausblasen, das alles hatte ich sofort drin. Allerdings brauchte ich bei der Übung, das Jacket unter Wasser aus- und wieder anziehen Hilfe, aber das war angeblich kein Problem.

Dann sollten dieselben Übungen im Meer gemacht werden. Irgendwie hatte der Tauchlehrer aber beschlossen die weiteren Tauchgänge mit mir alleine zu machen. Das war von ihm eine gute Idee, fand ich. Die Übungen im Meer fielen mir nicht schwer, denn ich fühlte mich unter Wasser richtig wohl.

Monika Wenninger im Tauchanzug
Der Tauchanzug ist zu Monika Wenningers zweiter Haut geworden (Foto: Monika Wenninger)

Allerdings störte mich bei den ganzen Übungen, dass meine Maske nicht richtig zu sitzen schien und mir immer das Wasser reinflutete, aber das wurde von ihm als reine Einbildung abgetan und ich dachte dann auch, das sei normal so. Aber etwas später stellte sich meine Vermutung als falsch heraus.

Die Tauchgänge selbst gefielen mir jedoch unheimlich gut und ich hatte das Gefühl, dass ich mich gar nicht so schlecht anstellte. Das Tauchen machte mir ganz viel Spaß, vorallem diese Leichtigkeit unter Wasser. Hier war es ganz egal, ob ich über Wasser laufen konnte oder nicht. Zwischen all den Fischen war ich ein großer Fisch und die gesamte Unterwasserwelt akzeptierte mich, so als wäre ich einer von ihnen, das war faszinierend.

Zu behindert für den Tauchschein?

Ja, und schließlich kam die Überreichung des Brevets für einen bestandenen Tauchkurs - Ich bekam es nicht. Es war schrecklich enttäuschend für mich. Ich hatte mich so abgestrampelt und sollte den OWD nicht bekommen? Jetzt war ich sauer, aber so richtig. Das Argument meines Tauchlehrers war, dass er es bei meiner Behinderung nicht verantworten könnte.

In Deutschland suchten wir eine Tauchschule, die bereit war mit mir zu tauchen. Und wir fanden sie. Der Leiter der Schule hatte schon einmal mit Behinderten getaucht und konnte deshalb ganz gut auf mich eingehen. Er hat sich ganz viel Zeit für mich genommen und ich merkte in seinem professionellen Umgang mit mir seine Erfahrung darin.

Gleich am ersten Tag im Pool wurde das Problem mit der Maske geklärt: es war eine Jugendmaske und daher viel zu klein für mich! Ich stellte mir kurz die Frage, warum das nicht dem anderen Tauchlehrer aufgefallen war, aber dann verwarf ich sie auch gleich wieder. Aber sie wurde als Erfahrung gespeichert.

Juhuuu! Ziel Tauchschein erreicht!

Der OWD dauerte bei mir statt drei bis vier Tage eben vier Wochen. Im Dezember, kurz vor Weihnachten bekam ich das Brevet zugeschickt. Ich war überglücklich! Und im Januar darauf traten wir unseren ersten gemeinsamen Tauchurlaub an.

Seit 2007 habe ich die Diagnose: Multiple Sklerose! Ich tauche seit Jahren und habe im letzten Urlaub meinen 250. Tauchgang gemacht. Es ist der Sport meines Lebens geworden.

Text: Monika Wenninger

Fotos: Monika Wenninger

 

Tauchen mit Handicap, Monika Wenninger, BrunoMedia Verlag GmbH, Köln

Tauchbasen im In- und Ausland entdecken eine neue Zielgruppe: Taucher mit Handicap. Das kommt nicht von ungefähr, denn gerade Menschen mit körperlicher Behinderung erleben die Freiheit unter Wasser besonders intensiv. Auch für Monika Wenninger bedeutet das Tauchen ein großes Stück Lebensqualität. Die Schwerelosigkeit unter Wasser lässt sie vergessen, welchen Beeinträchtigungen sie an Land ausgesetzt ist.

Monika Wenninger möchte ihre Taucherfahrungen in ihrem Buch "Tauchen mit Handicap" an alle Interessierten mit und ohne Behinderung weitergeben.

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