Vom Rollstuhl aufs Kiteboard

Kitesufen (Bild: www.moeglichkiten.com)

Eine Idee und sein langer Atem brachten Nik Lanquetin 2003 zurück aufs Wasser. Jetzt lädt er ein, ihm zu folgen.

Die verschlafene, grüne Insel Föhr, etwas südlich von Sylt gelegen, verspricht ihren Besuchern neben der „lächelnden Nordsee“ beste Verhältnisse zum Windsurfen und zum Kiten.

Der in Innsbruck lebende Nicolas Lanquetin kommt seit vielen Jahren hierher. Eine Zeit lang hat er bei seinen Freunden in der Nieblumer Wassersport-Schule auch als Surflehrer gejobbt. Dem Surfen und allem, was er damit verbindet – die Reisen, die Abenteuer – würde der heute 26-jährige Pädagogikstudent verbunden bleiben, das wusste er.

Im Januar 2002 der Schicksalsschlag: Nach einem Snowboard-Sturz auf der Seegrube ist Nik querschnittsgelähmt. Sein ganzer Alltag, alles, was sein Leben lang nichts als Routine war, ist plötzlich schwierig, vieles davon unmöglich geworden. Es stellen sich jeden Tag neue Herausforderungen. So viele, dass man daran zerbrechen könnte. Den geliebten Wassersport für immer aufzugeben, daran will er trotzdem – oder erst recht nicht denken.

Kitesufen (Bild: www.moeglichkiten.com)

Idee als Antrieb

Also beginnt Nik, zu recherchieren. Im Internet. Und stößt bald auf etwas namens Waveskiing, eine Mischung aus Wellenreiten und Kayaking, die auch von querschnittsgelähmten Sportlern betrieben werden kann. Zwei Wochen fährt er nach Kalifornien, um den Sport für sich zu testen. Es macht Spaß – aber die Sache mit den Wellen könnte in Mitteleuropa naturgemäß schwierig werden.
Er beginnt zu überlegen – und kommt auf's Kitesurfen.

Probiert hat er es noch nie, einen Versuch ist es trotzdem wert. Er telefoniert mit Björn und Hücki, seinen langjährigen Kumpels auf Föhr. Sie sind dabei. Schon 2003 starten die ersten Exprimente auf der Nordseeinsel. Die Theorie ist vorhanden, aber am Wasser lassen die Erfolge auf sich warten. Zu instabil die Fixierung, die Nik halten sollte, zu viel Volumen das Brett.

Windwechsel

„Nach dem ersten Jahr waren wir unsicher, ob das überhaupt funktionieren würde“, sagt Nik Lanquetin heute. Im Sommer 2004 ist plötzlich „Land in Sicht“. Das Trio adaptiert einen Kite-Buggy fürs Manövertraining auf festem Boden. Wenig später gelingen auch die ersten Fahrten am Wasser: die letzte davon bis 100 Meter. Nik wird damit zum ersten Rollstuhlfahrer, der kitesurft.

Ein paar Wochen später die ersten Halsen, dann kamen noch Höhelaufen und Sprünge dazu. Kitesurfen für querschnittsgelähmte Sportler wird damit möglich – und zwar in all seinen Facetten. Nik war mit dem Kite inzwischen in Südamerika und Marokko, Unterstützung erhielt er dabei von hilfsbereiten Kiteschulen vor Ort. Ihm ist die Rückkehr zum Wassersport gelungen.

Mehrere Kiteboards mit speziellen Sitzschalen für Paraplegiker (Bild: www.moeglichkiten.com)
Kiteboards bereit für ihren Einsatz. (Bild: www.moeglichkiten.com)

Kiten macht Schule

Aber die Arbeit ist damit noch lange nicht erledigt. Nik, Björn und Hücki feilen weiter an ihrem Sport und der Gerätschaft, treiben Sponsoren auf und gehen an die Öffentlichkeit. Cabrinha stellt die Kites zur Verfügung, an Prototypen für Board und Sitz wird fast das ganze Jahr fieberhaft gearbeitet. Die in Ebbs ansässige Firma Praschberger, Spezialist bei Sportgeräten für Gehbehinderte, hat nicht nur Interesse angemeldet, sie hat den neuesten Prototyp gemeinsam mit Nik entwickelt.

Im Sommer soll auf Föhr getestet werden, was das Zeug hält. Denn im September laden Nik Lanquetin, Dirk Hückstädt und Björn Hansen zum ersten Kitesurf-Camp „Roll & Fly 2007“ für Rollstuhlfahrer. Fünf Plätze gibt’s im ersten Jahr – die sind bereits belegt. Längerfristig sollen über den ganzen Sommer Kurse angeboten werden. Aber noch steht das Projekt ganz am Anfang.

Nik hofft, dass sein Sport wächst und sich immer mehr Leute an der Weiterentwicklung beteiligen. Denn mehr Köpfe bringen ein besseres Ergebnis zustande. Und Patent will er ganz sicher keines anmelden. Denn hierbei geht es nicht ums Geld. (mr)
 
Text, Infos und Bilder: www.moeglichkiten.com

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