Radfahren: Auch mit Handicap kein Problem

Zwei Sportbiker auf einem Radweg unter blauem Himmel (Bild: Albrecht E. Arnold/pixelio.de)
Auch mit einer Behinderung muss auf den Fahrspaß auf zwei Rädern nicht verzichtet werden. (Bild: Albrecht E. Arnold/pixelio.de)

Auch die letzten Paralympics haben es wieder gezeigt: Selbst mit leichten bis mittelschweren Handicaps wie etwa Amputationen, Blindheit, Querschnittslähmung oder nach einem Schlaganfall ist das Radfahren noch möglich - selbst auf höchstem Leistungsniveau.

Aber auch für Hobbysportler oder für einfache Freizeitbetätigungen gibt es Möglichkeiten, um sich per Bike fortzubewegen. Um das Radfahren für jedermann möglich zu machen, kann auf die unterschiedlichsten Hilfsmittel und Tricks zurückgegriffen werden. Auch spezielle Sportprothesen, besondere Fahrräder und mechanische Sonderanfertigungen garantieren schöne Erlebnisse auf dem Bike.

Mit Behinderung auf zwei Rädern

Ist beispielsweise nur ein Bein gelähmt, so kann auf ein dreirädriges Rad zurückgegriffen werden. Auch bei Personen mit Athetose, Cerebralparese oder Ataxie erweist sich das dreirädrige Bike als beste Alternative. Menschen mit Sehschwäche oder Störungen im Bewegungsrhythmus fühlen sich am sichersten auf dem Tandem, da sie dort durch eine nichtbehinderte Person geleitet werden können.

Im Falle einer Querschnittslähmung und auch bei Tetraplegikern ist das Handbike die beste Wahl. In diesem Fall kann entweder ein zusätzlicher Fahrradaufsatz vorne an den Rollstuhl montiert werden oder es wird direkt auf ein Handfahrrad zurückgegriffen, bei welchem die Pedale anstelle von den Füßen mit den Händen getreten werden. Ist das Handicap eine Armamputation oder –fehlstellung, so reicht oftmals ein Umbau des Bikes auf den Einhandbetrieb. Bremse und Schaltung werden hierfür auf die Seite ummontiert, an welcher sich der noch gesunde Arm befindet.

Liegedreiräder als Alternative für Menschen mit Gleichgewichts- oder Rückenproblemen

Menschen mit Multipler Sklerose leiden häufig unter Gleichgewichtsproblemen und fühlen sich daher auf normalen Zweirädern nicht sicher. Für Menschen mit starken Rücken- oder Gelenkproblemen führt die aufrechte Sitzposition auf Zweirädern schnell zu Ermüdungserscheinungen und Schmerzen. Hier stellen Liegedreiräder eine echte Alternative dar.

Das Liegedreirad (Trike) ist bequem und sicher. Die Sitzposition ist so komfortabel, dass körperliche Beschwerden wie ein verspannter Nacken, schmerzende Handgelenke oder taube Finger, wie man sie von herkömmlichen Rädern kennt, selbst auf langen Strecken kein Thema sind. Eine gute Federung gleicht Bodenunebenheiten aus. Wenn die Kondition doch nachlässt, kann man die Reichweite bei vielen Trikes mittels elektrischer Zusatzenergie erweitern.

Ein weiterer Vorteil des Liegedreirads gegenüber einem herkömmlichen Fahrrad ist die hohe Kippstabilität aufgrund des tiefen Schwerpunktes. Das gibt Sicherheit auch für ungeübte Fahrer oder für Fahrer mit Gleichgewichtsproblemen. Das Trike ermöglicht langsames Pedalieren, was besonders bergauf ein deutlicher Vorteil ist. Man kann jederzeit anhalten, die Aussicht genießen und später wieder losfahren, ohne umzukippen.

Bikes mit Elektromotoren

Eine große Unterstützung bieten gerade bei Personen mit Handicaps auch Fahrräder oder Handbikes mit Elektromotor. Besonders für Einsteiger lohnt sich der Einbau eines Elektroakkus oder der Umstieg auf ein passend zugerichtetes E-Bike, da die Kraft zur Fortbewegung oftmals erst neu antrainiert werden muss.

Ob Scooter, Fahrrad oder der Einbau eines externen Motors mit Akku – die Vielseitigkeit eines unterstützenden Elektroantriebs bietet heutzutage fast keine Grenzen mehr auf. Selbst längere Radtouren oder hügelige Steigungen werden somit zu einem zu bewältigenden Hindernis.

Das Warten zum Kauf eines unterstützenden E-Bikes oder Motors lohnt sich allerdings noch bis 2014 – denn dann bringen die Hersteller der E-Produkte ihre neuen Entwicklungen auf den Markt, welche nicht nur durch längere Akkulaufzeit mit mehr Leistung, sondern auch durch interessante, zusätzliche Gadgets wie beispielsweise Bluetooth-Verbindungen überzeugen. Erste Einblicke zum Thema E-Unterstützung finden Einsteiger bereits jetzt unter www.electro-fun.de.

Radfahren lernen braucht Zeit

Ganz gleich um welches Handicap es sich handelt, wichtig ist, dass das Rad selbst auf die individuellen Bedürfnisse des Fahrers abgestimmt wird. Denn gerade bei nicht von Geburt an bestehenden Behinderungen muss das Radfahren oftmals erst mit viel Zeit und Geduld wieder neu erlernt werden.

 

Text: MyHandicap - 11/2013

Bild: pixelio.de

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