Dart für Rollstuhlfahrer

Eine Rollstuhlfahrerin beim Dartspiel
Dart für Rollstuhlfahrer, jetzt auch in Deutschland

Das Spiel mit den kleinen, spitzen Pfeilen, für das man eine ruhige Hand, ein scharfes Auge, einen sicheren Stand und innere Ruhe benötigt. Dank zahlreicher Fernsehübertragungen ist Dart inzwischen auch als ordentlicher Sport einem breiten Publikum bekannt.

Die Situation 1

Der größte Teil des öffentlichen Dartgeschehens findet in Kneipen statt. Gelegentlich findet man Dartvereine, die auch einen Rollstuhlfahrer mitspielen lassen. Aber: Der RolliDarter ist dabei permanent auf Hilfe angewiesen, da er zwar auf die Scheibe in einer Höhe von 1,73 m werfen, aber seine Dartpfeile nicht mehr selbst zurückholen kann.

Die Alternative

Vor einigen Jahren wurde in Australien eine Option entwickelt, die Rollstuhlfahrern eine völlig autarke Teilnahme am Dart ermöglicht. Analog der Standardhöhe eines Dartboards für stehende Spieler wurde für den RolliDarter eine Scheibenhöhe von 1,37 m ermittelt. Dieses Maß ermöglicht dem Spieler im Rollstuhl unabhängig von einem Helfer zu trainieren. Voraussetzung ist lediglich eine uneingeschränkte Oberkörpermotorik.

Die Situation 2

Bis zum September 2014 findet sich nach Internetrecherchen in Deutschland für einen Interessierten keine Option, um nach dem australischen Reglement zu spielen. Der TSV Forstenried in München bietet es seit Oktober 2014 RolliFahrern an am regulären Betrieb seiner Dartsportabteilung teilzunehmen. Abgesehen davon, dass aus räumlichen Gründen nur ein Rollstuhlspieler möglich ist, gehört es zum Konzept des Vereins Spieler im Rolli nicht oder zumindest nicht exklusiv nur untereinander spielen zu lassen. Sie üben vom ersten Tag an, sei es allein oder im Team, mit den stehenden Sportlern: Dies eben nur auf ihrer tiefer gehängten Scheibe.

Spiel und Wettkampf

Während Großbritannien, Australien und Holland in Sachen "Wheelchair Dart" schon recht aktiv sind, ist diese Möglichkeit in Deutschland noch nicht angekommen. Der TSV Forstenried wird seine beiden RollstuhlDarterinnen ab Januar als gleichrangige Spieler in Begegnungen mitnehmen, die in seinen Räumen ausgetragen werden können. Dabei müssen sie sich auch dem klassischen Dartwettkampfspiel "501- Double out" stellen, bei dem 501 Punkte schnellstmöglich auf "Null" abgebaut werden müssen. Der letzte Treffer muss dabei auf einem passenden "Doppel" (Bei 32 Punkten "Doppel-16") erfolgen.
Als Spaß-, aber auch als Trainingsspiel stehen den TSVlern zahlreiche Varianten zur Verfügung. So lassen sich "Mensch ärgere dich nicht", "Schiffe versenken", "Autorennen", "Golf", "Kniffel" oder "TicTacToe" auch auf dem Dartboard spielen.

Die Vision

Der Münchner Sportverein hofft, dass sich möglichst schnell zahlreiche Nachahmer finden. Vielleicht lässt sich dann bereits in einem Jahr auch in Deutschland eine "RollstuhlDart Championship" auf die Beine stellen.

Das Angebot

Der TSV Forstenried bietet interessierten Vereinen und Institutionen Rat und Unterstützung beim Aufbau eines analogen Dartangebotes für Rollstuhlsportler an. Kontakt: Kurt Wieser, kurt.dart(at)web(dot)de.

Text: Kurt Wieser - 11/2014

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