Blindengolf: Teamsport für Spieler und Caddy

Golfer am Abschlag vor dem Loch. (Bild: Rainer Sturm/pixelio.de)
Golf ist für blinde Menschen eine unglaubliche Bereicherung (Bild: Rainer Sturm/pixelio.de)

Ausgerechnet der Golfsport, würde mancher meinen. Doch mit ein paar kleinen Anpassungen ist Golf für Menschen mit einer Sehbehinderung kein Problem mehr. Seit der Gründung des Deutschen Blinden Golf Clubs nehmen die Golfer auch an Turnieren teil.

„Golf ist ein Spiel, bei dem man versucht, einen zu großen Ball in ein zu kleines Loch zu bringen, und das mit einer Ausrüstung, die für ein solches Vorhaben völlig ungeeignet ist“, sagte schon Winston Churchill. Doch der konnte den zu großen Ball und das zu kleine Loch immerhin sehen!

Der Sport und seine Herausforderung sind für blinde Menschen eine unglaubliche Bereicherung. „Körper, Seele und Geist fühlen sich wohl und ausgelastet“, steht gleich auf der Startseite des Deutschen Blinden Golf Verbands.

Caddy: Coach und Auge

Beim Blindengolf gelten grundsätzlich dieselben Regeln wie beim regulären Golfsport; bis auf wenige Ausnahmen, die beim Deutschen Golf Verband (DGV) separat geregelt sind. Der Coach – oft ist er gleichzeitig auch der Caddy – ersetzt das fehlende Sehen, indem er die Richtung des nächsten Lochs angibt und den Golfer in die richtige Position bringt. Sobald der blinde Golfer seinen Schlag gemacht hat, beschreibt der Caddy ihm die Flugbahn des Balls.

Ist der Ball in der sogenannten Grünnähe gelandet, steht der Coach dann direkt am Loch und klappert mit der Fahne.  Damit signalisiert er dem Blindengolfer die Position des Lochs auf akustischem Wege bzw. er schreitet die Entfernung vom Ball zum Loch gemeinsam mit dem Golfer ab. Dabei merkt sich der Spieler die Ausprägung des Geländes und die Entfernung. Danach kniet der Caddy hinter dem Spieler und gibt ihm Anweisungen, wie er den Schläger führen soll, damit der Ball möglichst nahe am Loch zu liegen kommt oder sogar fällt.

Ausschlaggebend ist auch die Teamarbeit, denn der Coach entscheidet nicht alleine, wie gespielt werden soll, sondern die Spielzüge werden zusammen besprochen und die Schläger danach ausgewählt. Spieler und Caddy erleben natürlich Erfolg und Frust zusammen.

Der Coach zeigt mit dem Schläger, in welche Richtung gespielt werden soll. (Bild: Deutscher Blinden Golf Club)
Der Coach ist das Auge des blinden Golfspielers. (Bild: Deutscher Blinden Golf Club)

Doch warum gerade Golf? „Golf ist die einzige Ballsportart, die ein Sehbehinderter beziehungsweise Blinder spielen kann, weil der Ball ruht und der Sportler somit nur agieren und nicht reagieren muss", erläutert der Vereinspräsident Klaus Ahrens.

Blindengolf mit eigener Organisationsstruktur

Klaus Ahrens, Gründer und derzeitiger Präsident des Behinderten Golf Verbands, wurde 1999 zu einem Blindengolfturnier in Großbritannien eingeladen. Dadurch kam er intensiv mit dem Blindengolf in Berührung und erkannte, dass dort der Blindengolf eine eigene Organisationsstruktur hatte. Damit deutsche Blindengolfer auch an internationalen Wettkämpfen teilnehmen können, ist ein eigenständiger Blindengolfverband eine der Voraussetzungen.

Blind ist nicht gleich blind

Heute gibt es weltweit bereits zehn nationale Blindengolfverbände – neben England sind es zum Beispiel Japan und die USA. An den letzten Weltmeisterschaften nahmen insgesamt 52 Teilnehmer teil.

Blind ist aber nicht gleich blind und so gibt es – entsprechend den Regelungen der International Blind Sport Association (IBSA) – drei Klassifizierungen: völlig blind, zwischen 0 bis 3,3% Sehvermögen mit maximal 5° Gesichtsfeld und ab 3,3 und 10% Sehvermögen mit zwischen 5 und 20° Gesichtsfeld.

Blinde Menschen entdecken immer mehr den Golfsport. Der entscheidende Vorteil des Golfsports gegenüber anderen Ballsportarten ist der ruhende Ball.

Viele blinde und hochgradig Sehbehindere Menschen üben den Golfsport aus, aber manche nehmen auch an Wettkämpfen teil – wie zum Beispiel an den jährlich stattfindenden Deutschen Meisterschaften.

Botschafterfunktion

Wenn die blinden Golfer auf den Platz gehen, sind die Reaktionen der anderen Spieler unterschiedlich. Anfangs wirken viele betroffen und wissen nicht so recht, was sie von dem blinden Spieler halten sollen.

Doch schnell siegt die Neugier. "Man zeigt diesen Leuten, wie gut man mit einer solchen Behinderung umgehen kann", sagt ein Golfer des Vereins. "Da ist man dann schon ein bisschen stolz drauf!"

Wer sich selbst ein Bild von dem großen Geschick der Spieler machen möchte, findet spannende Erlebnisberichte von und über die Golfer auf der Website des Deutschen Blinden Golf Verbands.

 

Text: TMI/MPL – 02/2011

Bilder: pixelio.de, Deutscher Blinden Golf Club

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