Bogenschießen: Konzentration und Kraft

Zielscheibe mit Pfeilen. (Foto: Rainer Sturm  / pixelio.de)
Die Treffer werden nach dem Schießen ausgewertet. (Foto: Rainer Sturm / pixelio.de)

Innere Ruhe, Konzentration und Kraft: Wer das ganz in Einklang bringt, gewinnt. Bogenschießen wird schon sehr lange mit Erfolg in der Rehabilitation verwendet. Darum gehört es auch zu den am längsten praktizierten Behindertensportarten.

Bereits 1948 wurden in Stoke Mandeville in England die ersten Behindertensportwettbewerbe durchgeführt. Damals nahmen 130 Sportler aus zwei Ländern am Bogenschießen teil. Seit den paralympischen Spielen von Rom 1960 bildet Bogenschiessen einen faszinierenden Programmpunkt bei den Paralympics.

Hier sind alle gleichgestellt

Im Prinzip kann jeder behinderte Mensch den Umgang mit Pfeil und Bogen erlernen. Nur chronische Formen von Geisteskrankheit und Blindheit hat der Gesetzgeber aus Sicherheitsgründen ausgeschlossen. Mit individuellen Hilfsmitteln am Bogen und speziellem Fingerschutz können sogar Tetraplegiker die Sehne spannen.

Als Therapie kräftigt der Bogensport Rücken-, Brust- und Schultermuskulatur. Er trainiert das Konzentrationsvermögen und die für Rollstuhlfahrer so wichtige Sitzbalance. Ein ganz besonderer Aspekt ist aber die bei dieser Sportart mögliche völlige Gleichstellung. Menschen mit Behinderung können sich ohne Regeländerungen mit nichtbehinderten Schützen messen.

Einzel und im Team

Im Wettkampf gilt es auf den längeren Distanzen auf Zielscheiben von 122 cm Durchmesser zu schießen. An den Paralympics beträgt die Schussdistanz 70 Meter. Bei Wettkämpfen im Freien kann die Distanz zwischen 60 und 90 Meter betragen. Die Distanzen sind bestimmten Klassifizierungen nach Behinderungen angepasst. In der Halle wird auf 25 Meter oder 18 Meter gezielt, wobei auf die kleinere Distanz eine kleinere Zielscheibe angewandt wird. Es gibt Einzel- und Teamwettkämpfe.

Konzentration und Meditation

Den Bogen spannen, auf die Scheibe zielen, sich auf den schwarzen Punkt konzentrieren, loslassen und die Sorgen fliegen mit dem Pfeil. Was auf den ersten Blick wie ein Kinderspiel aussieht, erfordert viel Ausdauer, Übung und mentales Training. Schon der chinesische Philosoph Konfuzius meinte 550 vor Christus: "Beim Ziehen des Bogens kann man Tugend und Verhalten eines Menschen erkennen."

Im Zen-Buddhismus Japans spielt das Bogenschießen eine ganz besondere Rolle. Pfeil und Bogen sind hier Instrumente der Meditation. Der Schütze strebt eine Harmonie von Bewusstem und Unbewusstem an, wobei Selbsterkenntnis und innere Ruhe das Ziel sind. Vielleicht ist dies neben dem rein sportlichen Aspekt des Bogenschießens ein möglicher Weg, mit sich und der Behinderung in Einklang zu kommen.

Text: Dominik Feusi
Foto: Rainer Sturm / pixelio.de

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