Blasrohrschießen: Die wieder entdeckte Sportart

Kinder beim Blasrohrschießen (Bild: Horst M. Kohl)
Kinder beim Blasrohrschießen (Bild: Horst M. Kohl)

Wer von uns erinnert sich nicht daran, wie wir als Kinder aus Holunderästen das Mark heraus höhlten, um dann mit den Beeren aufeinander zu schießen?

Zuhause angekommen war dann die Freude bei Mutter`n groß.
So groß, dass aus der anfänglichen Liebkosung der Wangen des heimgekehrten Sohnes selbige in heftige Wangenstreiche ausartete. Weshalb? Weil Mutter die mit Holunderbeerensaft beschmutzte Wäsche wieder reinigen musste. Falls dies überhaupt noch möglich war, denn damals gab es bei uns noch keine Waschmaschine. Wir hatten nur einen Waschtrog.

Unser Blasrohrschießen damals (anno 1950?) geschah aus lauter Abenteuerlust. Heute dient es der Gesundheit und dem Wettkampf.

Siegerehrung der Kinder bei Blasrohr-Meisterschaft (Bild: Horst M. Kohl)
Siegerehrung der 1. offenen integrativen fränkischen Blasrohr-Meisterschaft (Bild: Horst M. Kohl)

Sportart mit hohem Spaßfaktor

Blasrohrschießen ist zunächst als ein Spiel zu betrachten. Es kann als Einzel- oder auch Mannschaftssport betrieben werden. Jedoch immer unter der Berücksichtigung der Sicherheit. Es darf niemals zu einer Fremdgefährdung kommen.

Blasrohrsport dient der Konzentration, besitzt Wettkampfcharakter und einen hohen gesundheitlichen Wert.

Zudem sehen wir darin die Chance, mit dieser Art von Sport Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene  ansprechen zu können, deren Behinderung keine anderen sportlichen Möglichkeiten erlauben.

Bei den Naturvölkern

Grundsätzlich werden Blasrohre auf zwei Arten angefertigt: entweder unter Verwendung eines bereits bestehenden Rohres, z.B. Bambus, oder durch das zusammenfügen zweier Leisten, die zuvor der Länge nach mit einer Rille versehen wurden.

Ging man auf Jagd oder zog in den Kampf, wurde das Gift des Upasbaumes verwendet. Das galt für die Dayak - Stämme auf Borneo.

Manche südamerikanischen Indianerstämme benutzen das Hautsekret des Pfeilgiftfrosches. Andere gewinnen aus bestimmten Lianen das berühmte Curare, um damit ihre Blasrohrpfeile zu bestreichen. Urwaldindianer jagen mit diesen Blasrohren Affen, die sie vom Boden aus von den Bäuem schießen. Auch die nordamerikanischen Cherokee stellten Blasrohre her, um ihren Speiseplan mit Kaninchen zu erweitern. Zudem wird das Blasrohr häufig auch von Tierärzten eingesetzt, um aus sicherer Entfernung Tieren Betäubungsspritzen (auch Medikamente) verabreichen zu können. (Quelle: Wikipedia)

Junge im Rollstuhl mit Blasrohr (Bild: Horst M. Kohl)
Ein Junge im Rollstuhl übt sich mit dem Blasrohrschießen (Bild: Horst M. Kohl)

Positive gesundheitliche Aspekte

Gesundheitlich ist folgendes zu bemerken:

Mit wem man auch über die Einführung des Blasrohrsports spricht, der allgemeine Tenor lautet..... “grundsätzlich zu begrüßen”.

Ich denke, vor allem der soziale und psychologische Effekt steht hierbei für die Sportler/innen im Vordergrund: aus dem Haus gehen, andere Leute treffen, Freunde finden, Spaß und Erfolg haben.

Zudem gibt es auch einige wichtige Aspekte für die Gesundheit:

  • günstige Beeinflussung der Atemmuskulatur
  • Training für bewusstes Atmen
  • Einnehmen der richtigen Körperhaltung
  • Förderung des Gleichgewichts und der Konzentration

Bevor man beabsichtigt, den Pfeil ins anvisierte Ziel zu blasen/schießen, muss erst einmal tief eingeatmet werden.

Unter tiefer Ausatmung wird dann der Pfeil aus einer vorher festgelegten Entfernung zur Zielscheibe geblasen.

Die Technik des Blasrohrsports ist am besten in der Sportstunde erlernbar.

Die Wirksamkeit für die Gesundheit ist verschieden. Kurz bevor man in das Mundstück bläst, holt man -wie oben beschrieben- tief Luft und bläst den Pfeil in Richtung des zu treffenden Zieles, was sowohl das Lungenatmen als auch das Unterleibsatmen erfordert.

Die Auswirkung dieser Atemmethode für die Gesundheit ist wie folgt:

Die gut funktionierende Atemtätigkeit ist von großer Bedeutung. Denn das mit Sauerstoff angereicherte Blut und seine Funktionen sind sehr vielseitig.

Aus einem ehemaligen Kinderspiel ist also eine Sportart entstanden, die nicht nur Jung und Alt begeistert, sondern nebenbei auch noch die Gesundheit fördert.

Text und Bilder: Horst M. Kohl, Fachübungsleiter für Rehasport (bvs-bayern)

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