Im Element! Wasser

Den Spaß sieht man ihnen an.
Rafting - eine Sportart für viele Altersgruppen und Handicaparten (www.freizeit-pso.com)

Actionsport ist längst nicht mehr nur durchtrainierten Vollblutsportlern vorbehalten. Dank fortschrittlicher Ausrüstungstechnik ist es heute fast Jedermann möglich, zu Luft, Erde und Wasser das Adrenalin quer durch den Körper zu jagen.

Das Element Wasser hält für Menschen mit Handicap viele sportliche Abenteuer bereit. Die Voraussetzungen für das nasse Vergnügen sind die Lust, das Herz ein bisschen schneller pochen zu spüren und die genaue Abklärung der individuellen Bedürfnisse. Die Anpassung der jeweiligen Ausrüstung ist unbedingt notwendig, um maximale Sicherheit gewährleisten zu können.

Integrativer Aktivurlaub in Österreich

Freizeit Para-Special-Outdoorsports in Rohrmoos in Österreich hat sich auf Aktivurlaube für Menschen mit und ohne Behinderung spezialisiert. Hier können Menschen mit Handicap in integrativen Gruppen oder mit ihren Familien ausprobieren, wozu sie sportlich schon immer Lust hatten. Wasser spielt im Sommerprogramm des gemeinnützigen Vereins eine wesentliche Rolle.

Ob Tauchen, Rafting oder Kajakfahren, Obfrau Sabine Eham und ihr Team machen das Element Wasser integrativ erlebbar. Beim Raften gibt es laut Eham kaum Einschränkungen. Spezielle Hilfsmittel ermöglichen auch Menschen mit schweren körperlichen Beeinträchtigungen die Teilnahme an leichten Raftingtouren. Menschen mit guter Oberkörperkoordination können sich auch an schwerere Routen wagen. Kajakfahrer müssen das Paddel selbstständig führen und auch das Gleichgewicht gut halten können. Wer sich das alleine nicht zutraut, kann das Kajakfahrgefühl auch in einem Tandemkajak testen. Für alle Sportarten gibt es Schnupperkurse. Wer Spaß daran hat, kann sich in weiterführenden Programmen noch weiter aufs Wasser vorwagen.

Buchstäblich übers Wasser schweben.
Mobilitätseingeschränkte Skyski-Fans sitzen auf dem Airchair (Doros Michaelides)

Action auf Schweizer Gewässer

In der Schweiz wird der Rollstuhlsport von der Paraplegiker-Vereinigung  organisiert. Auf den Schweizer Seen und Flüssen wird ein breites Programm geboten. Tageskurse für Kajak, Wasserski, Tauchen, Segeln und Rudern machen vielen „Schnupperern“ Lust auf mehr Nass. „Bei den Tageskursen kann man sehen, wie das so gefällt. Dann vermitteln wir die Interessenten an die jeweiligen Vereine oder Schulen weiter“, erklärt die Sportkoordinatorin der Schweizer Paraplegiker-Vereinigung Fabienne Thali.

Vor allem Segeln und Rudern sind bei den Schweizern beliebt. Der Seeclub Sempach ermöglicht Menschen mit speziellen Voraussetzungen die Ausübung des Rudersports. Das Bootmaterial wird dabei speziell an die Bedürfnisse der beeinträchtigten Sportler angepasst. Adaptive-Rowing ist die jüngste paralypmische Sportart.

Über dem Wasser schweben

Noch nicht Teil der Paralympischen Spiele ist Skyski. Doros Michaelides übt diesen luftigen Wassersport bereits einige Jahre aus. Michaelides, der seit einem Unfall auf den Rollstuhl angewiesen ist, ist begeistert von dieser Sportart. Wie beim Wasserski trägt man Skier an den Füßen. Zusätzlich sitzt man auf einem Art Airchair und schwebt ähnlich einem Tragflügelboot über das Wasser. „Das ist ein sensationelles Gefühl. Man kann Wahnsinnssprünge machen!“, schwärmt Michaelides. „Jeder, der eine gute Stabilität hat, kann das“, ist der Sportler überzeugt. Wer Lust auf dieses Wagnis bekommen hat, kann sich mit Doros Michaelides in Verbindung setzten und mit ein bisschen Geschick und Mut bald selbst übers Wasser fliegen.

Auch in Deutschland können Fahrtwinddurstige mit den Skiern übers Wasser jagen. Die Profisportlerin Gerda Pamler bietet an verschiedenen Orten Schnuppercamps und Kurse an. Dank speziell adaptierten Geräten ist die Erfolgsquote hoch und sogar kleine Sprünge und Turns sind möglich.

Fliegen mit Wind- und Sonnenenergie
Nicolas Lanquentin fliegt - jetzt erst recht! (Nicolas Lanquentin)

Vom Winde geweht

Kitesurfen ist eine waghalsige Angelegenheit – für Menschen mit und ohne Handicap. Nicolas Lanquentin fliegt trotz seiner Behinderung mit Lenkdrachen und Kiteboard übers Meer. Mithilfe eines speziellen Sitzes, der auf dem Board montiert wird, kann der Österreicher seinen Lieblingssport auch mit Mobilitätseinschränkung ausüben. In der Surfschule seines Freundes Dirk Hückstädt auf der Nordseeinsel Föhr veranstaltet Roll n´Fly Kurse, in denen Menschen mit Handicap das Kitesurfen erlernen können. Als einzige Schule Deutschlands bietet Dirk Hückstädt auch Kitebuggykurse für Rollstuhlfahrer an. Wichtig, sowohl für das Kitesurfen als auch für das Buggyfahren, sind eine intakte Armfunktion und –koordination.

Einfach mal abtauchen

Das Erforschen der Unterwasserwelt steht allen Menschen mit gutem Mundschluss und ärztlicher Erlaubnis offen. Viele Tauchschulen (IAHD, HSA Germany , RTZ) bieten Kurse für Menschen mit Handicap an.

Die sportlichen Grenzen sind offen – nach unten, nach oben, nach rechts und nach links. Es erfordert ein bisschen Mut, sie zu überschreiten, die eigenen Barrieren im Kopf zu durchbrechen. Viele Menschen mit Handicap sind dank ihres Muts über sich selbst hinausgewachsen. Steigen Sie auch ein ins Actionsportboot und tauchen Sie mit Hilfe von ausgebildeten Profis ein in die faszinierende adrenalingetränkte Outdoorwelt!

Text: MHA

Fotos: Freizeit PSO, Doros Michaelides, Gerda Palmer

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