Gefährliche Hobbys: Extrem unterwegs mit Handicap

Falschirmspringer
Aus einem Flugzeug springen und die Welt im freien Fall von oben sehen? Für manche unvorstellbar, für andere Alltag und nicht aus ihrem Leben wegzudenken. Ob mit Handicap oder ohne – Menschen zeigen, was alles möglich ist. fotolia.de ©sindret #120216166

Gefährliche Hobbys und Extremsportarten wie Fallschirmspringen und Klettern liegen voll im Trend. Hier können Abenteuerlustige ihre eigenen Grenzen austesten, Ängste überwinden und einen Adrenalinkick erleben. Das „Sensation Seeking“ ist gewissermaßen genetisch vorprogrammiert – was aber, wenn ein Handicap dazwischenkommt? Auch dann lassen sich eine Menge Extremsportarten ausüben, wie verrückte Beispiele aus dem echten Leben zeigen.

Warum normal, wenn es auch ausgefallen geht? Extremsportarten und andere risikoreiche Freizeitaktivitäten liegen derzeit voll im Trend. Motorrad- und Rennfahren, Free-Solo-Klettern, Mountainbike fahren, Hobbyfliegen sowie Ski- und Snowboardfahren sind nur einige Beispiele. Doch es geht noch extremer: Immer häufiger ist von noch gefährlicheren Hobbys wie Roofing, Digging und Train Surfing die Rede. Doch was verbirgt sich eigentlich genau hinter diesen Extremsportarten?

Vom Reiz der Höhe und Tiefe: Die zehn ausgefallensten und gefährlichsten Sportarten

Roofing: Beim Roofing handelt es sich um eine (illegale) Form des Extremkletterns, bei der hohe Gebäude erklommen werden. Die Devise: Je höher, umso besser. Die Besonderheit: Dabei wird auf jegliche Art der Sicherung verzichtet. Was sich waghalsig anhört, ist es hier auch: Eine falsche Bewegung kann also schon den extrem gefährlichen Absturz bedeuten. Tatsächlich gibt es dafür wohl nur eine vernünftige Alternative: Ganz herkömmliches Klettern, was an sich schon Herausforderung genug ist. Dass das auch mit Handicap geht, zeigen berühmte Beispiele: So bestieg Mark Inglis den Gipfel des Mount Everest am 15. Mai 2006 mit zwei Unterschenkelprothesen. Knapp einen Monat später, am 16. Juni 2006, erreicht Jimmy Goddard, der seit einem Kletterunfall querschnittsgelähmt ist, als erster Paraplegiker aus eigener Kraft den Kraterrand des Kilimanjaro – das zeigt, wer hoch hinaus will, muss sich nicht an Häuserwänden hochziehen. Und erst kürzlich, am 21.05.1017 stand der blinde Österreicher Andy Holzer auf dem Gipfel des Mount Everest, nachdem er den Aufstieg gemeinsam mit vier weiteren Expeditionsteilnehmern und acht Sherpas bewältigt hatte. Insgesamt ist er damit der zweite Sehbehinderte, der den Everest bezwungen hat, allerdings der erste, der den Weg über die technisch anspruchsvollere Nordroute gewählt hat.

Digging: Beim Digging steigen die Extremsportler Metroschächte hinab und laufen anschließend die U-Bahn-Schienen entlang. Auch hierbei riskieren sie ihr Leben.

Train Surfing: Train Surfer klammern sich außen an einen fahrenden Zug oder versuchen, auf dem Dach des Zuges zu „surfen“. Bei einer Geschwindigkeit von bis zu 250 km/h lassen sie sich den Wind um die Nase wehen. Aufgrund der hohen Geschwindigkeit kann es jedoch immer wieder passieren, dass sie dabei vom Zugdach hinunter geweht werden. Auch der Kontakt mit dem Stromkreislauf ist eine Gefahr dieses illegalen Hobbys und führt oft zum Tod.

Volcano Boarding: Bei dieser Sportart boarden die Adrenalin-Junkies die Hänge von Vulkanen hinab – und erreichen dabei eine Geschwindigkeit von bis zu 80 km/h. Ein Sturz beim Volcano Boarding ist besonders schmerzhaft, denn das Vulkangestein kann zu schweren Schnittverletzungen führen. Allerdings gibt es auch einen anderen Weg, diesen Kick zu erreichen – noch dazu völlig legal. Denn diverse Vulkane sind im Winter schneebedeckt und liefern damit die perfekten Bedingungen Ski zu fahren. Sowohl auf dem Monoski sind diese Hänge zu bestreiten als auch mit Krückenski oder gar mit sehender Begleitung – das allerdings so lange es nicht raucht oder Steinchen spuckt. Dann sollte Sommer wie Winter möglichst schnell die Piste geräumt werden.

Bergsteiger
Erst kürzlich hat der sehbehinderte österreichische Bergsteiger Andy Holzer den Gipfel des Mount Everest bezwungen. Diese großen Leistungen erstaunen dabei viel mehr als waghalsige, halsbrecherische Trips auf die Dächer von Wolkenkratzern. fotolia.de © Maygutyak #144760289

Highlining: Hier handelt es sich gewissermaßen um die Extremvariante des Slacklinings, denn die Seile werden nicht auf geringer Höhe zwischen Bäumen gespannt, sondern in schwindelerregender Höhe zwischen Wolkenkratzern, Schluchten oder Berggipfeln. Gleichgewicht, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit sind also das A und O – gerade, wenn beim Balancieren auf dem Seil keine Sicherung verwendet wird. Die spannende Welt der Akrobatik erschließt sich auch denjenigen, die mit Handicap zur Welt kommen. Das zeigen Talente wie Tameru Zegeye, die ihre Hilfsmittel zum Sportgerät machen und zeigen, welche besonderen Fähigkeiten sie auszeichnen.

Eisklettern: Während beim Free-Solo-Klettern die Gefahr im ungesicherten Klettern besteht, ist beim Eisklettern das Eis die Gefahr. Denn dieses verändert sich während des Kletterns und kann durch die Erwärmung zudem jederzeit brechen. Die Kälte des Eises wiederum kann Erfrierungen verursachen, die beim Bezwinger des Mount Everest, Mark Inglis, erst zu der Amputation beider Unterschenkel führten. Allerdings ist auch hier die Frage des Rahmens und des Equipments entscheidend. Bei Workshops kann den eigenen Fähigkeiten entsprechend der Umgang mit dem Eis trainiert werden, so dass auch Menschen mit Behinderung grundsätzlich ihren Weg an die Eiswand finden können. Manche alpinen Gebiete setzen dabei gezielt auf barrierefreie Gegebenheiten vor Ort um Menschen mit Handicap so viele Türen wie möglich zu öffnen. 

Cliff Diving: Beim Klippenspringen springen die Sportler von einer Felsklippe ins Wasser – oft aus einer Höhe von bis zu 30 Metern. Dabei ist eine Gefahr nicht zu unterschätzen: Fremdkörper oder Untiefen im Wasser können dabei leicht übersehen werden. Aber selbst Paraplegiker stürzen sich die Klippen hinab und wagen allerhand andere extremen Sportarten. „Wheelchairs Are Awesome!“ beschäftigt sich genau mit diesem Phänomen und zeigt, das noch viel mehr als Wheelchair Cliff Diving möglich ist.

Cave Diving: Für klaustrophobische Menschen wäre das Cave Diving ein Alptraum. Die Herausforderungen des Höhlentauchens liegen zum einen im fehlenden Tageslicht, zum anderen darin, dass die Taucher bei einer plötzlichen Gefahr keinerlei Möglichkeiten zum Auftauchen haben. Auch mit jeglichem Handicap finden die Menschen ihren Weg ins Wasser – auch Höhlentauchen ist möglich. Dabei beflügeln die Leichtigkeit im Wasser und die neue Dimension der Unterwasserwelt, die das Erlebnis zu mehr als einem Sport machen.

Tauchen
Beim Tauchen ist das Handicap nicht von Bedeutung – jeder findet seinen Weg unter Wasser. Die Schwerelosigkeit vermittelt manch einem gar das Gefühl, sich völlig frei bewegen zu können. Die neue Welt dort zu entdecken ist dabei zusätzlich ein ganz besonderes Erlebnis. fotolia.de ©Jag_cz #103609156

Wingsuit Flying: Bei dieser Sportart wird ein Flügelanzug – der Wingsuit – getragen. Dieser verringert die Fallgeschwindigkeit und führt zu horizontalen Flugbewegungen. Die Adrenalin-Junkies stürzen sich damit von Bergspitzen, Türmen oder Wolkenkratzern. Oder aus Flugzeugen, wie Susanne Böhme, Autorin von „Steh auf und flieg!“, die sich auch nach einem Wingsuit-Unfall mit der Folge der Lähmung von der Hüfte abwärts wieder zum Fliegen zurück gekämpft hat. Neben ihr gibt es noch knapp zehn weitere querschnittsgelähmte Wingsuit Springer weltweit, die zeigen, welche Grenzen sich überwinden lassen.

Base Jumping: Base-Jumper springen mit einem Fallschirm von Gebäuden, Antennen oder Brücken aus einer sehr geringen Höhe ab, diese liegt oft bei weniger als 100 Metern. Gerade das macht die Sportart so gefährlich – und verschließt sie dennoch nicht vor Menschen mit Handicap, wie Lonnie Bissonnette zeigt.

Die beliebtesten Extremsportarten: Top Five

Auch, wenn die obengenannten Sportarten auf risikofreudige Menschen sehr anziehend wirken mögen, so sind es doch die eher „klassischen Extremsportarten“, die am beliebtesten sind und somit regelmäßig ausgeübt werden. Die Top 5 der beliebtesten Extremsportarten:

  • Platz 1: Skifahren/Snowboarden
  • Platz 2: Klettern
  • Platz 3: Mountainbike
  • Platz 4: Wildwasserkajak
  • Platz 5: Tauchen

wie Sportarten wie Klippenspringen dagegen nehmen eine eher geringere Bedeutung ein und liegen noch hinter dem Fallschirmspringen und Wakeboarding.

All diese Sportarten sind auch für Menschen mit Handicap möglich. Auch weitere Sportarten werden schließlich einfach ausprobiert und den Gegebenheiten angepasst. Bestes Beispiel dafür: Aaron Fortheringham, auch Wheelz genannt, der trotz Spina Bifida einfach mit dem Skaten angefangen hat. Dafür braucht er kein Sportgerät – er bedient sich einfach seines Rollstuhls. Das hat viele weitere Menschen inspiriert, so dass es inzwischen Weltmeisterschaften für die Sportart „WCMX“ gibt, die sich aufgrund der großen Begeisterung der Sportart gegenüber etabliert hat.

Verletzungen, Invalidität und Tod: Diese Risiken nehmen Extremsportler und Co. in Kauf

Dass die genannten Extremsportarten gefährlich sind, kann nicht geleugnet werden. So müssen rund 1,2 Millionen Sportler im Jahr aufgrund von Verletzungen einen Arzt aufsuchen. Die meisten Unfälle passieren zwar bei „gewöhnlichen“ Sportarten wie beispielsweise beim Fußball und Volleyball, ein noch höheres Risiko besteht demnach allerdings bei Luft-, Rad-, Motor- und Wassersportarten. Davor sind auch Menschen mit Handicap nicht gefeit. Extrem bleibt extrem, egal unter welchen Gegebenheiten ein solcher Sport ausgeübt wird.

Wingsuit Flying
Bei der Wingsuit Fliegerin Susanne Böhme macht das Handicap keinen Unterschied mehr - sie hat sich auch nach ihrem Unfall zu dem Extremsport zurückgekämpft. fotolia.de ©ivetakulhava #123155218

Während manche Verletzungen infolge eines Unfalls leicht wieder heilen, kann es jedoch auch zu einer dauerhaft beeinträchtigten körperlichen oder geistigen Leistungsfähigkeit der Extremsportler kommen. So sind viele heutige Handicap-Extremsportler auch erst durch einen Unfall zu ihrem Handicap gekommen. Dies wird als Invalidität bezeichnet, wobei zwischen Voll- und Teilinvalidität unterschieden werden muss: Bei der Vollinvalidität ist die Funktion eines Körperteils oder Sinnesorgans durch den Unfall vollständig verloren, bei der Teilinvalidität dagegen ist sie lediglich eingeschränkt. Je nach Schweregrad der Invalidität können Betroffene keiner beruflichen Tätigkeit mehr nachgehen, was drastische Folgen für die Zukunftsplanung der betroffenen Person hat. Auch das Privatleben wird unter Umständen stark beeinträchtigt. Ein Unfall bei einer Extremsportart kann sich also langfristig stark auf das Leben der Adrenalin-Junkies auswirken.

Dennoch: Entscheidend ist der Umgang mit dem Handicap. Alle hier vorgestellten Sportler haben nach einem Unfall, der ihr Leben entscheidend verändert hat, zu ihrem Sport zurück gefunden. Dieser positive Umgang ist bemerkenswert und sollte auch anderen Menschen mit Behinderung Mut machen, sich auszuprobieren und ihre Fähigkeiten neu zu entdecken. Es gibt viele inklusive Sportangebote, die dazu auffordern und einladen und die Neusportler an die Hand nehmen. Trotz allen positiven Auswirkungen ist dennoch zu erwähnen, wie gefährlich Extremsportarten sein können.   

Das Todesrisiko in Zahlen: So gefährlich sind Extremsportarten

Sport ist Mord? Bei Extremsportarten könnte dies durchaus zutreffen. Das Todesrisiko beim Ausüben von Train Surfing und Co. sollte auf keinen Fall unterschätzt werden. Je gefährlicher die Sportart, umso größer ist die Gefahr, dass es dabei zu einem tödlichen Unfall kommt. Die Wahrscheinlichkeit, bei einer Extremsportart zu sterben, in Zahlen:

  • Snowboarding: 1 zu 2,2 Mio.
  • Skifahren: 1 zu 1,4 Mio
  • Bungeejumping: 1 zu 500.000
  • Fallschirmspringen: 1 zu 101.000
  • Klettern: 1 zu 15.700
  • Motorradrennen: 1 zu 1000
  • Wingsuit Flying: 1 zu 200
  • Grand Prix Rennen: 1 zu 100
  • Base Jumping: 1 zu 60
Basejumping
Base Jumping sorgt für besonders viel Nervenkitzel, ist aber auch eine der gefährlichsten Extremsportarten. Lonnie Bissonnette springt auch mit seinem Rollstuhl weiterhin von Hochhäusern. fotolia.com ©Xof711 #2701126

Beispiel Basejumping: Diese Sportart ist besonders riskant. Seit den 80er-Jahren sind bereits über 200 Basejumper tödlich verunglückt. Erst vergangenes Jahr starben innerhalb eines Tages gleich zwei Extremsportler beim Basejumping, darunter Uli Emanuele, der mit seinem Flug durch ein Felsloch weltberühmt wurde. 2013 stürzte der Elite-Wingsuit-Jumper Viktor Kovats mit dem Wingsuit in den Tod – genauso wie Johnny Strange und Dean Potter im Jahr 2015. Der Extremsportler Erik Roner verunglückte 2015 bei einem Fallschirmsprung tödlich. Aber auch andere Sportarten wie Skifahren können gefährlich werden, wie der Tod der Schauspielerin Natasha Richardson im Jahr 2009 gezeigt hat.

Doch obwohl das Todesrisiko zum Teil erheblich ist, erfreuen sich Extremsportarten nach wie vor großer Beliebtheit. Der Grund könnte sein, dass mehr als die Hälfte der Extremsportler ihre Sportart als ungefährlich einschätzt oder trotz der bewussten Gefahr einfach weiter machen – der Kick ist schließlich Antrieb genug. Aber auch andere Gründe könnten dahinter stecken.

Auf der Suche nach dem Kick: Warum sind gefährliche Hobbys so beliebt?

 

Nicht nur eine Unterschätzung der Gefahr steht hinter der Ausübung von Extremsportarten. Viele Menschen sind auf der ständigen Suche nach dem Adrenalinkick und mögen den Reiz des Risikos. Sie wollen ihre eigenen Grenzen ausloten, ihren Mut auf die Probe stellen und ihre eigenen Ängste überwinden. Zudem möchten sie neue, komplexe Eindrücke sammeln.

Der Psychologe Marvin Zuckerman beschrieb diese Verhaltensweisen bereits in den 1960er Jahren und ordnete sie einem Persönlichkeitsmerkmal zu: Dem Sensation Seeking. Dieses definierte er als das Bedürfnis nach abwechslungsreichen, neuen und komplexen Eindrücken und Erfahrungen, kombiniert mit der Bereitschaft, dafür Risiken in Kauf zu nehmen. Zuckerman beschrieb vier Kategorien des Sensation Seeking:

  • Enthemmung (wilde Partys, sexuelle Abenteuer)
  • Anfälligkeit für Langeweile
  • Bedürfnis nach Erfahrungen (Reisen, Drogenkonsum)
  • Bedürfnis nach Nervenkitzel und Abenteuer (Extremsport, riskantes Fahren)

Extremsportler scheinen also ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Abenteuern und Nervenkitzel zu haben. Doch warum gibt es Menschen, die ein stärkeres Bedürfnis danach haben? Jeder Mensch hat ein optimales Erregungsniveau. Studien zufolge werden die Reize vom Gehirn unterschiedlich verarbeitet. Während Low Sensation Seeker außergewöhnliche Stimulation vermeiden, brauchen High Sensation Seeker immer wieder neue, intensive Reize. Ein Geschlechterunterschied ist unbestritten: Männer neigen grundsätzlich eher zum Sensation Seeking als Frauen. Zudem haben jüngere Menschen ein höheres Bedürfnis nach Nervenkitzel und Abenteuer. Doch auch eine genetische Veranlagung kann nachgewiesen werden: Der Spaß am Nervenkitzel ist angeboren.

Basketball
Es gibt großartige Sportarten, die mit einem Handicap ausgeführt werden können. Und auch die Extremsportarten zeugen davon, was alles möglich ist. fotolia.de ©Fxquasdro #119864721

Beispiel Basejumping: Diese Sportart ist besonders riskant. Seit den 80er Jahren sind bereits über 200 Basejumper tödlich verunglückt. Erst vergangenes Jahr starben innerhalb eines Tages gleich zwei Extremsportler beim Basejumping, darunter Uli Emanuele, der mit seinem Flug durch ein Felsloch weltberühmt wurde. 2013 stürzte der Elite-Wingsuit-Jumper Viktor Kovats mit dem Wingsuit in den Tod – genauso wie Johnny Strange und Dean Potter im Jahr 2015. Der Extremsportler Erik Roner verunglückte 2015 bei einem Fallschirmsprung tödlich. Aber auch andere Sportarten wie Skifahren können gefährlich werden, wie der Tod der Schauspielerin Natasha Richardson im Jahr 2009 gezeigt hat.

Doch obwohl das Todesrisiko zum Teil erheblich ist, erfreuen sich Extremsportarten nach wie vor großer Beliebtheit. Der Grund könnte sein, dass mehr als die Hälfte der Extremsportler ihre Sportart als ungefährlich einschätzt oder trotz der bewussten Gefahr einfach weiter machen – der Kick ist schließlich Antrieb genug. Aber auch andere Gründe könnten dahinter stecken.

Aber ist das automatisch etwas Schlechtes? Pauschal ist das nicht zu sagen, denn wer grundsätzlich eine hohe Risikofreudigkeit zur Eigenschaft hat, der geht auch in anderen Lebensbereichen offener damit um. Sensation Seekers haben gewissermaßen auch ein anderes Sicherheitsempfinden, denn wer sich freiwillig aus einem Flugzeug stürzt, der kann grundsätzlich nicht viel vom Verzicht der Sicherheit wegen halten. Das wirkt sich auch in finanziellen oder arbeitstechnischen Belangen aus – ein Investment zu tätigen, was nicht ganz risikofrei ist aber Erfolg verspricht, wird also vermutlich eher getätigt als bei Menschen mit einem höheren Sicherheitsbedürfnis. Es sind also verschiedene Faktoren, die an dieser Stelle zusammen kommen. Und tatsächlich würden wohl so außergewöhnliche Wagnisse wie der Base Jump mit dem Rollstuhl, Cliff Diving mit dem Rollstuhl oder der erste Wheelchair Frontflip nicht passieren, wenn es nicht Sensation Seeker gäbe, die ihr Sicherheitsbedürfnis aufgeben um immer neue spektakuläre Kicks zu erleben. 

Fazit

Egal, ob Fallschirmspringen, Eisklettern oder Höhlentauchen: Adrenalin-Junkies kommen bei Extremsportarten voll auf ihre Kosten und erleben Nervenkitzel pur. Für High Sensation Seeker macht gerade das Risiko den besonderen Reiz dieser Sportarten aus. Und gefährlich sind sie auf jeden Fall: Hier besteht ein erhöhtes Risiko für Unfälle, die unter Umständen zur Invalidität oder sogar zum Tod führen können. Allein beim Base Jumping sind seit den 80er Jahren über 200 Menschen gestorben und bei illegalen Verrücktheiten wie Train Surfing, Roofing und Digging ist die Dunkelziffer vermutlich riesig. Dennoch sind gerade die legalen Extremsportarten sehr beliebt – und da machen auch Menschen mit Handicap gerne mit.

Dabei ist es erstaunlich zu sehen, was alles möglich ist und wie weit der Einfallsreichtum geht. Beispiele wie Susanne Böhme, die auch mit Lähmung hüftabwärts wieder im Wingsuit durch die Gegend fliegt, Lonnie Bissonnette, der im Rollstuhl einen Basejump gewagt hat, oder Mark Inglis, der mit zwei Unterschenkelprothesen den Mount Everest bestiegen hat, zeigen dabei, wie groß die Leidenschaft hinter dem Sport ist, wenn auch nach einem lebensverändernden Unfall dazu rückgekehrt wird. Es macht Mut, neue Wege zu gehen und sich dabei neu zu entdecken – denn manchmal ist es ein zu großes Bedürfnis nach Sicherheit, das zurückhält und großartige Erlebnisse verhindert. Gewissermaßen ist Sensation Seeking also durchaus ein Schritt in immer neue Abenteuer, die letztendlich zu großartigen Schlagzeilen führen und Menschen überall auf der Welt Mut machen, sich neu auszutesten und an ihre Grenzen zu gehen.