RehaTreff: Urlaubsplanung mit Handicap

Das Coverbild der RehaTreff 1/2014, auf der eine Punkerin im Rollstuhl freudeschreiend ihre Faust emporreckt (Bild: RehaTreff)
Exklusiv aus der aktuellen RehaTreff: Webseiten zu barrierefreiem Tourismus im Check. (Bild: RehaTreff)

Der RehaTreff ist eines der bekanntesten Magazine rund um das Leben mit Behinderung, mit einer Auflage von 23.000 Stück. Auf MyHandicap können Sie einen Artikel aus der soeben erschienenen Ausgabe 1/2014 lesen - zum Thema barrierefreie Urlaubsplanung.

Wie komfortabel lässt sich für Urlauber mit Handicap die Wunschreise planen? Sind die entscheidenden Informationen leicht zugänglich? Miriam Flüß hat für die RehaTreff die Webseiten der fünf beliebtesten deutschen Urlaubsländer geprüft. 

Im Magazin RehaTreff findet sich zudem eine Reihe spannender Artikel wie etwa zu Autoumrüstungen oder über eine palästinensische Rollstuhlfahrerin im Flüchtlingslager (Inhaltsverzeichnis). Interessierte können das quartalsweise erscheinende Magazin für 18,00 Euro / Jahr abonnieren.

Hier erfahren Sie mehr über den rehaTreff und können sich ihr kostenloses Probeexemplar bestellen.


Urlaubsplanung mit Handicap: Stolpersteine auf dem Weg zur schönsten Zeit des Jahres

Screenshot der Webseite zu barrierefreien Tourismus in Mecklenburg-Vorpommern (Bild: RehaTreff)
Im RehaTreff-Check: Die Webseiten der fünf beliebtesten deutschen Urlaubsländer. (Bild: RehaTreff)

Vor der Erholung kommt die Urlaubsplanung - und die ist für Menschen mit Mobilitätseinschränkungen aufgrund mangelnder Informationen oft mühsam. RehaTreff hat die Websites der fünf beliebtesten deutschen Urlaubsländer gecheckt.

Rollifahrern, die ihren Urlaub nur einige hundert Kilometer von Zuhause in Deutschland planen, kommt es manchmal so vor, als planten sie eine Expedition in exotische Länder. So schwierig ist es, an die relevanten Informationen über barrierefreie Unterkünfte und Urlaubsangebote zu kommen.

Teils sind sie auf den Websites der Urlaubsregionen unter "Spezialthemen" versteckt, teils unzureichend, veraltet oder gar nicht vorhanden. Dies, obwohl die Tourismus-Experten zum großen Teil mit der Nationalen Koordinationsstelle Tourismus für Alle (NatKo) zusammenarbeiten. Dabei ist das Angebot vom Wattrollstuhl für den Ausflug auf den Meeresgrund bis zum rolligerechten Wanderweg in den Bergen umfangreich - man muss es nur finden.

Beispielhaft: Baden-Württemberg

Das Urlaubsland Baden-Württemberg hat sein barrierefreies Angebot auf der Website unter "Themen" leicht auffindbar platziert. Auf der Barrierefrei-Seite sind alle Unterkunftsangebote vorbildlich nach Kategorien von Hotels über Pensionen und Jugendherbergen bis hin zu Campingplätzen zusammengestellt. Diese können jeweils in der bevorzugten Urlaubsregion vom Bodensee bis zum Schwarzwald gesucht werden.

Außerdem sind die Themen "Kunst und Kultur", "Natur", "Restaurants", "Parks und Zoos" und viele weitere aufrufbar. Ansprechend ist auch die Bildsprache: Abgebildet sind junge Pärchen und Familien, von denen ein Mitglied im Rolli reist, das wirkt authentisch. Barrierefreies Reisen ist in Baden-Württemberg seit zehn Jahren ein Thema, alle Einträge von den Unterkünften über Gastronomiebetriebe bis hin zu Sehenswürdigkeiten und Ausflugszielen wurden vor Ort von reiseerfahrenen Rollstuhlfahrern auf Barrierefreiheit geprüft.

Als Grundlage dienten dabei die "Mindeststandards für die Kategorisierung barrierefreier Beherbergungs- und Gastronomiebetriebe in Deutschland" des DEHOGA sowie die gängigen DIN-Normen. Die Landesmarketingorganisation engagiert sich darüber hinaus seit 2009 im Landesarbeitskreis "Urlaub für Alle".

http://www.tourismus-bw.de/Themen/Barrierefrei

Screenshot der Webseite für barrierefreien Tourismus in Bayern (Bild: RehaTreff)
Bayern: Gäste können mittels der Kommentarfunktion ein Feedback abgeben. (Bild: RehaTreff)

Viele Berge, wenig Barrieren: Bayern

Das Urlaubsland Bayern hat den Verweis auf "Urlaub für Alle" bestens sichtbar auf seiner Homepage platziert. In der Auswahl, die sich beim Anklicken öffnet, wird es dann aber etwas verwirrend: Die Navigationspunkte "Tourismus für Alle", "Barrierefreies Bayern", "Barrierefreie Anbieter", "Barrierefreie Unterkünfte" und "Barrierefreie Kultur- und Freizeitangebote" sind in ihrer Abgrenzung nicht wirklich verständlich. Neben der Auflistung "Barrierfreier Unterkünfte" gibt es außerdem noch die "Zertifizierten Tourismusbetriebe", die vom Bayerischen DEHOGA mit dem "Tourismus für Alle in Bayern Qualitätssiegel" ausgezeichnet worden sind.

Hilfreich wäre hier ein kurzer Text mit den wesentlichen Kriterien, die die zertifizierten Betriebe erfüllen (müssen). Da die Beschreibungen der einzelnen Unterkünfte entweder ausufernd oder sehr mager sind, wäre eine Übersicht der relevanten Fakten gut, die das Navigieren auf die jeweilige Homepage des Anbieters erspart (auf der die gewünschten Infos meist auch nicht zu finden sind). Positiv ist die Kommentarfunktion zu den Angeboten, mit der Gäste ein Feedback geben können. In der Bildsprache wäre mehr Authentizität ansprechender - der ältere Herr auf der Startseite wirkt wie ein Foto-Model, das vom Werbefotografen in einen aus dem Sanitätshaus geliehenen Rollstuhl gesetzt wurde.

http://www.bayern.by/tourismus-fuer-alle

Starker Auftritt mit Schwächen: Mecklenburg-Vorpommern

Seit 2013 präsentiert das Urlaubsland Mecklenburg-Vorpommern sein Informationsangebot zum "Urlaub für Alle" unter "Aktivitäten / Noch mehr erleben" auf der Homepage. Beim Klick auf den Button verspricht ein sportlicher Handbiker "Abenteuer ohne Grenzen".

Ein starker Auftritt, der Reisende im Rolli aus der Gebrechlichkeits-Ecke rückt. Leider hält der gute erste Eindruck hinsichtlich der Informationen nicht, was er verspricht. Neben den vier innovativen Handbiker-Touren mit Karten zum Download kann der Urlaubsplanende "Ausflugsziele", "Strandzugänge" und "QMB-Betriebe" anklicken. Letztere sind in einer Liste aufgeführt und nicht vollständig für weitere Infos anklickbar. Die hinterlegten Informationen sind sehr detailliert und werden von Betroffenen des Vereins "Ohne Barrieren" zusammengetragen, ebenso für die "Erlebniseinrichtungen".

Großes Manko: Die Betriebe sind nicht geografisch verortet. Ausbaufähig sind die Angaben zu den "rollstuhlgerechten Strandzugängen", die hier kommentarlos aufgelistet sind. Wo genau sich diese befinden und welchen Service - wie beispielsweise Strandrollstühle - es vor Ort gibt, erfahren potenzielle Urlauber nicht.

http://www.auf-nach-mv.de/urlaub-fuer-alle

Screenshot der Webseite zu barrierefreiem Tourismus in Niedersachsen (Bild: RehaTreff)
Niedersachsen: Verlässlich geprüfte Angebote finden sich nur für die Nordsee. (Bild: RehaTreff)

Viel Verbesserungspotenzial: Niedersachsen

Im Frühjahr 2013 hat das Reiseland Niedersachsen auf seiner Homepage unter "Service und Infothek" das Informationsangebot "Urlaub für Alle" freigeschaltet. Die Tourismus-Marketing Niedersachsen GmbH ist seit 2011 im Länderarbeitskreis "Tourismus für Alle" sowie in der NatKo aktiv. Auf der Website sind jedoch unaufbereitet die von den einzelnen Urlaubsregionen und Inseln zugelieferten Angebote eingestellt.

Das hat zunächst den Vorteil, dass gezielt nach der präferierten Urlaubsregion ausgewählt werden kann. Die hinterlegten Fakten sind jedoch von sehr unterschiedlicher Qualität und führen teilweise ins Leere. So findet sich unter dem Link "Borkum barrierefrei" eine Auflistung allergikerfreundlicher Betriebe. Verlässlich geprüfte Angebote finden sich nur für die Nordsee unter der Weiterleitung zu www.barrierefreie-nordsee.de. Hier wundert man sich jedoch, dass bei der Unterkunftssuche für Rollifahrer eine Pension angezeigt wird, die über zwei Stufen erreichbar ist.

Das Schlusslicht: Schleswig-Holstein

Das Bundesland zwischen Nordsee und Ostsee bietet gute Urlaubsmöglichkeiten für Menschen mit Handicap und teils hervorragende Angebote. Zu finden sind diese auf der offiziellen Website des Urlaubslandes jedoch nicht. Das Thema "Barrierefreier Tourismus" findet hier nicht statt. Doch es bewegt sich etwas: Das Urlaubsland führt derzeit das neue Kennzeichnungssystem "Reisen für alle" ein, das im Juni 2013 deutschlandweit etabliert wurde.

In Seminaren sollen touristische Institutionen und Betriebe darüber hinaus bei der barrierefreien Ausrichtung unterstützt werden. Die Informationen zu den Angeboten sollen dann auf einer eigenen Internetplattform gebündelt werden, die voraussichtlich ab Mitte 2014 in die Seite www.sh-tourismus.de eingebettet wird.

 

Text: Miriam Flüß/RehaTreff - 01/2014

Bilder: RehaTreff