RehaTreff: Opferentschädigung

Das Coverbild der RehaTreff 2/2014, zeigt einen Apnoetaucher (Bild: RehaTreff)
Exklusiv aus der aktuellen RehaTreff: Opferentschädigung. (Bild: RehaTreff)

Der RehaTreff ist eines der bekanntesten Magazine rund um das Leben mit Behinderung, mit einer Auflage von 23.000 Stück. Auf MyHandicap können Sie einen Artikel aus der soeben erschienenen Ausgabe 2/2014 lesen - zum Thema Opferentschädigung.

In dieser Ausgabe beschäftigt sich der Rehatreff unter anderem mit dem Thema Haushaltsführungsschaden. Das ist ein Schaden, der dadurch entsteht, dass jemand vereinfacht gesagt, die Hausarbeit nicht mehr erledigen kann.

Im Magazin RehaTreff findet sich zudem eine Reihe spannender Artikel wie etwa zum Apnoetauchen oder über einen intelligenten Rollstuhl der mit Gedankensteuerung funktioniert (Inhaltsverzeichnis). Interessierte können das quartalsweise erscheinende Magazin für 18,00 Euro / Jahr abonnieren.

Hier erfahren Sie mehr über den rehaTreff und können sich ihr kostenloses Probeexemplar bestellen.

Opferentschädigung

"Hausfrauenschaden" auch für Männer

Durch Unfall oder sonstwie Verletzte haben gegen den Schädiger oder dessen Versicherer unter anderem einen Anspruch wegen des Ausfalls der Haushaltsführungsmöglichkeit. Dieser Anspruch kann auch fiktiv, also ohne Belege, geltend gemacht werden. Dazu gehört nicht nur die bloße Haushaltsführung im engeren Sinne, die natürlich auch von Männern erbracht werden kann, sondern berücksichtigt werden auch Gartenarbeit, Holzhacken, Reparaturen, Eigenleistungen beim Hausbau, Autowaschen, etc. Die auflaufenden Beträge sind beträchtlich, so dass diese Position bei der Schadensregulierung unbedingt bedacht werden sollte.

Wie auch bei vielen weiteren Positionen, die vom Laien übersehen oder der Höhe nach nicht richtig bewertet werden können, empfiehlt es sich dringend, die Hilfe eines Rechtsanwaltes in Anspruch zu nehmen. Bei nicht selbst verschuldeten Unfällen übernimmt der Schädiger auch die Kosten der anwaltlichen Inanspruchnahme.

Im Einzelnen gilt beim Haushaltsführungsschaden (so der geschlechtsneutrale Name) Folgendes: Ersatzfähig ist die komplette, normalerweise ohne Verletzung erbrachte Tätigkeit im bzw. im Zusammenhang mit dem Haushalt. Zum Haushalt gehörig wird auch der nicht eheliche Lebenspartner gezählt. Entscheidend ist allein, wie umfangreich die grundsätzlich ohne den Unfall geleistete Arbeit war. Es kommt nicht darauf an, ob diese familienrechtlich geschuldet ist. Der Geschädigte kann nicht darauf verwiesen werden, dass der nicht verletzte Ehepartner und/oder Familienangehörige zur Mitarbeit verpflichtet gewesen wäre. Es ist auch nicht darauf abzustellen, wie hoch der objektive Arbeitszeitbedarf ist, sondern allein darauf, wie hoch der konkrete Arbeitszeitaufwand ist. Dieser ist in jedem Einzelfall festzustellen.

Haushaltsspezifische Minderung der Erwerbsfähigkeit wird ermittelt

Zur Bestimmung der Höhe des Haushaltsführungsschadens wird auf die so genannte haushaltsspezifische MdE (Minderung der Erwerbsfähigkeit) abgestellt. Diese ist von der allgemeinen MdE zu unterscheiden. Wer z.B. den Arm gebrochen hat, kann als Handwerker nahezu nicht mehr arbeiten. Im Haushalt kann er seine Arbeitskraft jedoch zumindest teilweise noch einbringen.
Zur Ermittlung der haushaltsspezifischen MdE gibt es komplizierte abstrakte Tabellenwerke. Es empfiehlt sich jedoch die Einholung eines konkreten Gutachtens durch den behandelnden Arzt oder sogar einen zuständigen Facharzt. Die MdE wird in Prozent angegeben. Diese Prozentzahl ist mit dem wöchentlichen Arbeitszeitaufwand zu multiplizieren. Letzterer kann ebenfalls über Tabellen ermittelt werden und wird durchaus großzügig bemessen. Hier werden unter Umständen mehr als zehn Stunden pro Tag zugrunde gelegt. Pro Stunde können die Kosten einer fiktiven Ersatzkraft abgerechnet werden. 10 Euro pro Stunde sind hier durchaus angemessen. Der Geschädigte kann auch eine Ersatzkraft einstellen. Dann sind die anfallenden Kosten zu erstatten.

Haushaltsführungsschaden oft größer als überbewertetes Schmerzensgeld

Thomas Reiche, LL.M.oe
Fachanwalt für Versicherungsrecht, Fachanwalt für Strafrecht
Telefon: 02421 500-654; E-Mail: tr(at)reiche-ra(dot)de; Internet:  www.reiche-ra.de.

Bei schweren Verletzungen kommen leicht mehrere 1.000 Euro im Monat zusammen. Bei lebenslangen Behinderungen errechnen sich dadurch Beträge, die mindestens im hohen sechsstelligen Bereich liegen. Beim Haushaltsführungsschaden handelt es sich in der Regel neben dem Erwerbsschaden um die größte Schadensposition, die wesentlich wichtiger ist als z.B. das erheblich überbewertete Schmerzensgeld. Die Verjährung des Anspruchs beim Haushaltsführungsschaden kann übrigens, je nach Fall, zwischen drei und 30 Jahren variieren. Es bietet sich folglich an, auch länger zurück liegende Fälle vom Anwalt prüfen zu lassen, wenn noch kein Anspruch geltend gemacht wurde.


Text: Thomas Reiche, LL.M.oec - 06/2014
Bild: RehaTreff