Exklusive Vorschau auf das neue RehaTreff Magazin

Titelseite des Rehatreff 2/2015

Der RehaTreff ist eines der bekanntesten Magazine rund um das Leben mit Behinderung, mit einer Auflage von 22.000 Stück. Auf MyHandicap können Sie einen Artikel aus der soeben erschienenen Ausgabe 2/2015 lesen - zum Thema Ansprüche bei selbstverschuldeten Freizeitunfällen.

Im Magazin RehaTreff findet sich zudem eine Reihe spannender Artikel wie etwa Karibik-Kreuzfahrt auf der AIDA, einen Schwerpunkt bildet die Karlsruher REHAB-Messe 2015 und die ITB Berlin (Inhaltsverzeichnis). Interessierte können das quartalsweise erscheinende Magazin für 18,00 Euro / Jahr abonnieren.

Hier erfahren Sie mehr über den rehaTreff und können sich ihr kostenloses Probeexemplar bestellen.

Ansprüche bei selbstverschuldeten Freizeitunfällen

Ein Radfahrer ist vom Fahrrad gestürzt und liegt auf der Straße (Bild: pixelstore)
Freizeitunfall (Bild: pixelstore)

Tipps vom Rechtsanwalt

Im RehaTreff 4/2014 ging es um die Frage, welche Ansprüche Unfallopfern zustehen, die einen Arbeits- oder Wegeunfall erlitten haben. Daran schloss sich der Artikel in 1/2015 an, der thematisierte, welche Ansprüche Verletzte eines fremdverschuldeten Unfalls haben. Noch nicht betrachtet, und deshalb Thema dieses Artikels, ist die Gruppe derer, die Geschädigte eines selbst verschuldeten Freizeitunfalls sind.

Der Begriff "selbstverschuldet" legt bereits nahe, dass es keinen Fremdschädiger gibt, der, bzw. dessen Versicherer, in Anspruch genommen werden kann. Die potentiellen Ansprüche beschränken  sich somit auf diejenigen gegenüber eigenen Versicherern (1.) sowie staatlichen Sozialleistungsträgern  bzw. Stellen (2.).

Glücklicherweise sind nahezu immer die reinen Heilbehandlungskosten gedeckt, weil jeder, der es nicht gerade darauf anlegt, gesetzlich oder auch eventuell privat krankenversichert  ist. Auf den Kosten seiner Krankenbehandlung bleibt folglich so gut wie keiner "sitzen". Im Grundsatz Ähnliches gilt für eventuell entstehende Pflegekosten im Falle einer Behinderung. Wie das Wort grundsätzlich  bereits erahnen lässt, besteht hier zwar Schutz, dieser ist jedoch leider nicht im Ansatz kostendeckend. Dies liegt zum einen daran, dass nicht jeder Pflegebedürftige auch Ansprüche gegenüber seinem Pflegeversicherer hat. Voraussetzung ist vielmehr die Einstufung in eine Pflegestufe. Pflegestufe 1 setzt dabei bereits einen durchschnittlichen täglichen Pflegeaufwand von mindestens 90 Minuten voraus, bei Pflegestufe 2 sind es 180 Minuten, und Pflegestufe 3 verlangt 300 Minuten. Selbst wenn man jedoch einer Pflegestufe zugeordnet ist, werden nicht sämtliche Kosten übernommen, sondern lediglich feste Sätze gezahlt, die variieren, je nachdem ob die Pflege Zuhause oder in einem Heim stattfindet.

  1. Ansprüche gegenüber eigenen Versicherern

    Die Differenz zwischen den tatsächlichen Pflegekosten und den Leistungen durch die gesetzliche Pflegeversicherung kann von einer privaten Pflegezusatzversicherung gedeckt werden. Diese kann im Fall der Pflegebedürftigkeit nützlich sein, eine solche abzuschließen, ist jedoch aufgrund der hohen Kosten kaum zu empfehlen.

    Darüber hinaus gibt es hinsichtlich der durch die Heilbehandlung entstehenden Kosten Krankentagegeld- und Krankenhaustagegeldversicherungen. Erstere
    zahlen für eine begrenzte Zeit der Arbeitsunfähigkeit feste Tagessätze, letztere für die Zeit der Krankenhausbehandlung.

    Glücklich kann sich schätzen, wer im Falle einer unfallbedingten Invalidität über eine Unfallversicherung verfügt, die idealerweise eine Progression für den Fall der hundertprozentigen Invalidität vorsieht. Es handelt sich um eine sogenannte Summenversicherung, d.h. versichert ist die Zahlung eines gewissen Betrages, unabhängig von der konkreten Schadenshöhe. Dieser Betrag wird berechnet über die Versicherungssumme und eine sogenannte Gliedertaxe, die für jedes Körperteil einen gewissen Prozentsatz im Vorhinein festlegt.  Bei einer Querschnittlähmung  liegt beispielsweise  eine hundertprozentige Invalidität vor, so dass dann grundsätzlich die komplette Versicherungssumme zur Auszahlung gelangt (beispielsweise 100.000 Euro). Im Falle der Progression (z.B. vierfach für hundertprozentige Invalidität) bestünde mithin ein Anspruch auf Auszahlung  eines Betrages in Höhe von 400.000 Euro, der zunächst zumindest das Nötigste abdecken würde.

    Ebenfalls nicht kostendeckend,  aber zumindest hilfreich, ist eine Berufsunfähigkeitsversicherung, die im Falle der Unfähigkeit der Ausübung der konkret vor dem Unfall ausgeübten Tätigkeit gewisse im Vorhinein  vereinbarte monatliche Sätze zahlt. Die Berufsunfähigkeitsversicherungen sind jedoch zum einen, je nach Risikogruppe des Berufs, recht teuer und bergen zum anderen ein sehr hohes Streitpotential. Die Versicherer wenden häufig ein, es liege keine Berufsunfähigkeit  vor, oder diese beruhe unter anderem auf Vorschädigungen, die gegebenenfalls im Vorhinein vermeintlich gegenüber dem Versicherer nicht angegeben wurden. Letzteres führt häufig zum Verlust des kompletten Versicherungsschutzes. Aufgrund des hohen Prozesskostenrisikos sollte jeder, der mit dem Abschluss einer Berufsunfähigkeitsversicherung liebäugelt, eine Rechtsschutzversicherung mit ins Auge fassen (all dies gilt natürlich vor dem Unfall; nach einem Unfall können Versicherungen, die dieses Risiko absichern, nicht mehr abgeschlossen  werden).

  2. Ansprüche gegenüber staatlichen Stellen

    Neben dem reinen Sozialhilfeanspruch, der mittellosen Bedürftigen zusteht, gibt es diverse weitere staatliche Unterstützungsleistungen für (unfallbedingt) Behinderte. Insbesondere solche Betroffene, die noch im Arbeitsleben stehen, können entweder selbst oder über ihren Arbeitgeber Leistungen beanspruchen.
    So können Kfz, die nötig sind, um den Arbeitsplatz zu erreichen, bezüglich des Kaufpreises mit einer anteiligen Pauschale gefördert werden. Behinderungsbedingte Umbauten bzw. Ausstattungsmerkmale werden in Gänze gezahlt.

    Es kann ferner Unterstützung zur Wohnsituation beantragt  werden. Umbauten, die etwa notwendig sind, um das Haus bzw. die Wohnung aufsuchen bzw. verlassen zu können, werden einkommensunabhängig gezahlt. Im Fall der Bedürftigkeit, gibt es ferner Unterstützung für weitere Umbaumaßnahmen bzw. eventuell notwendige Umzugskosten.

    Wer in eine Pflegestufe eingruppiert wird, kann ab diesem Jahr einmalig Umbaukosten, etwa für ein Badezimmer, in Höhe von 4.000 Euro geltend machen.

    Daneben steht natürlich der allgemeine Anspruch auf Arbeitslosenhilfe, sofern die bisherige Tätigkeit nicht mehr ausgeübt wird.

Text: Thomas Reiche, LL.M.oec
Fachanwalt für Versicherungsrecht, Fachanwalt für Strafrecht
Telefon: 02421 500-654; E-Mail: tr(at)reiche-ra(dot)de; Internet: www.reiche-ra.de