Die Versicherung von Hilfsmitteln

Ein Lupenglas vergrößert die Schrift in einer Versicherungspolice
Bei der Versicherung von Hilfsmitteln gilt, sich gut zu informieren und die Sachlage vor einem allfälligen Schaden oder Verlust abzuklären (Thomas Siepmann/pixelio.de)

Mit Versicherungen beschäftigt man sich häufig erst, wenn es zu spät ist – sprich, wenn der Schaden bereits eingetreten ist. Die Materie ist komplex und kostet meist viel Geld. Schwierig präsentiert sich die Sachlage auch beim Thema Versicherung von Hilfsmitteln für Menschen mit Behinderung.

Rollstühle, Gehhilfen, Hörgeräte oder elektronische Geräte für die Unterstützte Kommunikation: Die Liste der Hilfsmittel, die Menschen mit einer Behinderung in ihrem Aufgabenbereich benötigen, ihnen die Fortbewegung erleichtern oder auf die sie für die Herstellung des Kontakts mit der Umwelt und für die Selbstsorge angewiesen sind, ist lang.

Manchmal ist der Weg zum bestmöglichen Hilfsmittel hindernisreich, manchmal geht es etwas einfacher. Grundsätzlich macht es in Deutschland eine Vielzahl von involvierten Versicherungen und Behörden – Krankenkasse, Pflegeversicherung, Rentenversicherungsträger, Arbeitsagentur, Integrationsamt, Sozialamt – den einzelnen Patienten oft schwer, die gewünschte Hilfsmittelversorgung sicherzustellen. Auch die komplizierte deutsche Rechtslage erleichtert die Beschaffung nicht.

Wer kommt für welchen Schaden auf?

Unabhängig davon stellt sich die Frage, welche Versicherung in welchen Fällen für einen Schaden oder den Verlust der Hilfsmittel aufkommt. So wie nicht ganz klar ist, wer in welchen Fällen für das Hilfsmittel bezahlt, lässt sich aber auch diese Frage nicht abschließend beantworten.

Der rechtliche Anspruch auf eine sachgerechte Hilfsmittelversorgung im Rahmen der medizinischen Rehabilitation ergibt sich aus dem § 33 SGB V und weiteren Rechtsnormen. Demnach "haben gesetzlich Versicherte Anspruch auf die Versorgung mit Hörhilfen, Körperersatzstücken, orthopädischen und anderen Hilfsmitteln, die im Einzelfall erforderlich sind, um den Erfolg der Krankenbehandlung zu sichern, einer drohenden Behinderung vorzubeugen oder eine Behinderung auszugleichen."

Weiter wird festgehalten, dass der Anspruch immer auch die notwendige Änderung, die Instandsetzung und die Ersatzbeschaffung von Hilfsmitteln umfasst.

Flammen schlagen aus einem Fenster
Werden Hilfsmittel bei einem Wohnungsbrand zerstört, kommt die Hausratversicherung für den entstandenen Schaden auf (Gerd Altmann/pixelio.de)

Hausratversicherung bei Schäden durch Feuer, Wasser oder Diebstahl

Eine wichtige Rolle bei der Absicherung der Hilfsmittel im eigenen Haushalt übernimmt weiter die Hausratversicherung. Fast drei Viertel aller deutschen Haushalte besitzen eine entsprechende Versicherung. Sie bietet dem Hausrat, zu dem dann auch die Hilfsmittel gehören, Versicherungsschutz gegen Feuer, Sturm, Hagel, Leitungswasser, Raub, Einbruchdiebstahl oder Vandalismus.

Die Hausratversicherung deckt die Schäden bis zur vertraglich festgesetzten Summe. Es empfiehlt sich, die Versicherungssumme nicht zu tief anzusetzen, gerade wenn sich im Haushalt teure Hilfsmittel wie zum Beispiel ein elektronischer Rollstuhl oder ein Beatmungsgerät befinden.

Durch optionale Bausteine kann der Versicherungsschutz bei vielen Versicherungsgesellschaften  individuell erweitert werden. Für einen umfassenderen Hausratschutz, der auch bei Überschwemmungen, Erdrutschen oder Lawinenniedergängen den Ersatz des Hausrats zum Neupreis übernimmt, muss aber ein Zuschlag auf die Prämie in Kauf genommen werden.

Versicherung auch außerhalb der Wohnung

Ein Vertragsbestandteil der Hausratsversicherung ist die Außenversicherung. Mit dieser sind Haushaltsgegenstände bis zu einem fixierten Höchstbetrag auch außerhalb der eigenen vier Wände versichert. Dies gilt in eingeschränktem Maße zum Beispiel bei einem Entreißdiebstahl auf offener Straße, wenn im Urlaub etwas aus dem Hotelzimmer gestohlen wird oder je nach Anbieter auch, wenn man sich im Krankenhaus befindet.

Hausratversicherung und Diebstahl

Diebstahl ist in der Hausratsversicherung nur versichert, wenn es sich um Diebstahl mit Gewaltanwendung oder –drohung handelt. Es muss einem also etwas mit Gewalt entwendet werden. Nicht mitversichert ist der Hausrat, wenn ein einfacher Diebstahl – ohne Gewalt – erfolgt ist. Aber auch gegen einfachen Diebstahl kann man sich heute mit verschiedenen Versicherungsmodellen schützen.

Zwei Rollstühle vor einer Fensterfront
Wenn der Höchstbetrag der Hausratversicherung für teure Hilfsmittel nicht ausreicht, sollten zusätzliche Wertsachenversicherungen geprüft werden (Gerd Altmann/pixelio.de)

Wertsachenversicherung bei Verlust des Hilfsmittels

Bloßes Verlieren oder Abhandenkommen einer Sache ist kein Diebstahl und deshalb in der Hausratversicherung auch nicht versichert. Wer sich für diese Gefahr versichern will, oder auch wenn der auszuzahlende Höchstbetrag der Hausratversicherung nicht ausreicht, sollte über eine Wertsachenversicherung oder eine Versicherung für spezielle Lösungen nachdenken, wie sie von verschiedenen Versicherungsunternehmen angeboten werden.

Haftpflichtversicherung bei Beschädigung durch Drittperson

Nicht selten kommt es vor, dass Hilfsmittel auch unabsichtlich durch eine Drittperson beschädigt werden. In diesem Fall muss geprüft werden, ob deren Privathaftpflichtversicherung für den Schaden aufkommt. Der Abschluss einer Privathaftpflichtversicherung ist nicht obligatorisch, aber heute beinahe unentbehrlich. Sie kann nicht nur im erwähnten Fall zum Einsatz kommen, sondern kann auf der anderen Seite auch Menschen mit Behinderung vor ungerechtfertigten finanziellen Ansprüchen schützen.

Rechtsschutzversicherung im privaten und beruflichen Alltag

In die gleiche Richtung geht der Abschluss einer privaten Rechtsschutzversicherung. Eine Rechtsschutzversicherung berät oder vertritt den Versicherungsnehmer als Privatperson im privaten wie im beruflichen Alltag.

Jeder Fall ist anders

Die erwähnten Versicherungsleistungen zeigen, dass es DIE Versicherungslösung für beschädigte oder entwendete Hilfsmittel nicht gibt. Jeder Fall präsentiert sich anders, jeder Fall ist individuell.

Dies bestätigt auch MyHandicap-Fachexperte Bernd Dörrie, der sich seit vielen Jahren mit der Vermittlung von Versicherungen für Menschen mit Behinderung, Kranke und Senioren beschäftigt: „Man muss jeden Fall einzeln begutachten und schauen, welches die beste Lösung für das Problem ist.“

Heute gibt es für fast alle Lebenssituationen ein Versicherungsangebot. Ein spezielles Angebot über alle Versicherungsgesellschaften und Behörden hinweg, das Schäden oder den Verlust von Hilfsmitteln einheitlich absichert, würde einen weißen Fleck in der Versicherungslandschaft abdecken.


Text: Patrick Gunti – 04/2012

Fotos: pixelio.de

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