Auswirkung des Grades der Behinderung auf die Rente

Wir erhalten über unsere Community regelmäßig Fragen, wie sich ein Grad der Behinderung auf die Rente auswirkt und wann die Betroffenen dann (abschlagsfrei) in Rente gehen können.

Wir haben unseren Fachexperten Peter Knöppel gebeten, diese Fragen zu beantworten.

Eines sei vorangestellt: Der Renteneintritt in diese „besondere“ Altersrente als Nachteilsausgleich für die eingetretene Schwerbehinderung ist immer individuell zu bestimmen.

Allgemeines zur Altersrente für Schwerbehinderte Menschen

Die gesetzliche Regelung dieser Rentenart findet sich in § 37 SGB VI. Im Zuge der Erhöhung des Regelaltersrenteneintrittes von 65 Jahren auf 67 Jahre ab Geburtsjahrgang 1964 wurde auch der Renteneintritt dieser Altersrente auf das 65.Lebensjahr erhöht. Für Betroffene, die vor 1964 geboren sind, gelten besondere Vertrauensschutzregelungen. 

Wer das 62. Lebensjahr erreicht hat, kann unter den gleichen Voraussetzungen wie oben, aber mit Abschlägen in Rente gehen. Abschlag ist der im Volksmund bekannte Begriff für die Verringerung der Rentenhöhe, meint aber in Wirklichkeit die Verringerung des Zugangsfaktors zur Rente, § 77 SGB VI.

Der Abschlag berechnet sich für jeden Monat des früheren Beginns mit 0,3 Prozent weniger.

Bei einem Rentenbeginn mit dem 62. Lebensjahr erhält der Betroffene einen Abschlag von 10,8 Prozent (36 Kalendermonate x 0,3).

Wer das 65. Lebensjahr erreicht hat und bei Beginn der Rente mindestens einen Grad der Behinderung von 50 und 35 Jahre Wartezeit hat, kann in diese Rente abschlagsfrei gehen.

Haben Sie einen GdB von 40 können Sie nicht in diese Rente gehen.

Was meint Beginn der Rente?

Der betroffene Antragsteller muss bei Beginn der Rente einen GdB von 50 haben.

Wird die Rente bewilligt und verringert sich der GdB oder verliert der Betroffene die Schwerbehinderteneigenschaft später, hat dies keine Auswirkung auf die einmal bewilligte Rente. Die Rente bleibt!

Wichtiger ist es, dass die Schwerbehinderteneigenschaft am Tag des Beginns der Rente vorliegt. Entscheidend ist, zu welchem Zeitpunkt das Versorgungsamt die Schwerbehinderteneigenschaft (GdB 50) bewilligt. Es kommt daher auf den Inhalt des Feststellungsbescheides an.

Beginn einer Altersrente für Schwerbehinderte Menschen

Beispiel:

Die Versicherte ist am 19.12.1950 geboren und vollendet am 18.12.2013 das 63. Lebensjahr.

Die Wartezeit von 35 Jahren ist erfüllt. Das Versorgungsamt stellte mit Bescheid die Schwerbehinderung von GdB 50 zum 01.05.2015 fest. Die Versicherte stellte am 30.06.2015, also fast 2 Monate später, einen Antrag auf die Altersrente. 

Unsere Versicherte kann noch rechtzeitig rückwirkend zum 01.05.2015 in die Altersrente gehen, da sie innerhalb der gesetzlichen 3 Monatsfrist den Rentenantrag stellt.

Sie erhält keine Abschläge zu ihrer Rente. Sie kann sich auf die für sie günstige Vertrauenschutzregelung des § 236 a SGB VI berufen. Da sie vor 1952 geboren ist, kann sie mit Erreichen des 63. Lebensjahres diese Rente abschlagsfrei beantragen, wenn sie zu diesem Zeitpunkt die 35 Wartejahre und die Schwerbehinderteneigenschaft hat.

Wirkt sich der GdB rentenerhöhend aus?

Nein. Es ist nur das maßgebend, was der Rentner an rentenrechtlichen Zeiten in seinem Versicherungsverlauf stehen hat. Nur daraus errechnen sich die Entgeltpunkte. Der GdB von 50 gibt keinen gesonderten rentenrechtlichen Zuschlag. Der Nachteilsausgleich besteht ausschließlich darin, dass Menschen mit einem GdB von 50 früher „als normal“ in Rente gehen können.

Fazit

Die allgemeinen Regelungen zur Altersrente für schwerbehinderte Menschen sind im § 37 SGB VI geregelt.

Die meisten Personen mit Geburtsjahr vor 1951 bis 1964 können sich auf eine spezielle gesetzliche Vertrauensschutzregelung berufen und einen früheren Renteneintritt als das 65. Lebensjahr wählen. Entscheidend ist dann die Frage, wie die Abschläge ausfallen oder ob es überhaupt welche gibt.

Alle die Menschen, die nach 1964 geboren sind, können sich nicht mehr auf § 236 a SGB VI berufen.

Autor

Portrait: Peter Knöppel
Peter Knöppel

Peter Knöppel

Rechtsanwalt und Rentenberater

Fachexperte im Forum von MyHandicap

www.anwaltsofort-halle.de / http://www.rentenbescheid24.de/

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