Inklusion in Deutschland – Recht auf Teilhabe behinderter Menschen in der Gesellschaft

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Sonja Hebben, auch als Rechts-expertin im MyHandicap-Forum unterwegs, schreibt zur BRK. (Bild: Sonja Hebben)

Vor fünf Jahren trat die Behinderten-rechtskonvention in Kraft und sollte die Lebenssituation von Menschen mit Handicap weltweit verbessern, auch in Deutschland. Doch die Umsetzung kommt schleppend voran.

Das 2006 von der UNO-Generalversammlung in New York verabschiedete und 2008 in Kraft getretene Übereinkommen über die Rechte von Menschen mit Behinderungen (Behindertenrechtskonvention, BRK) ist ein von 128 Staaten und der EU durch Ratifizierung oder formale Bestätigung abgeschlossener völkerrechtlicher Vertrag, der Menschenrechte für die Lebenssituation behinderter Menschen konkretisiert, um ihnen die gleichberechtigte Teilhabe beziehungsweise Teilnahme am gesellschaftlichen Leben zu ermöglichen.

10 Prozent der Weltbevölkerung leben mit einer Behinderung. Sie leben oftmals am Rande der Gesellschaft und kämpfen um Integration. Um die Position und insbesondere Teilhabe an der Gesellschaft von Menschen mit Behinderung zu verbessern wurde das Konzept der Inklusion entwickelt.

Ziel der Behindertenrechtskonvention: Teilhabe und Teilnahme

Dadurch soll eine gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung am gesellschaftlichen Leben ermöglicht werden. Artikel 3 der BRK enthält die Vorgabe, dass Menschen mit Behinderung die volle und wirksame Teilhabe an der Gesellschaft und vor allem die Einbeziehung in die Gesellschaft erhalten. Inklusion beinhaltet auch die unabhängige Lebensführung und Einbeziehung in die Gesellschaft.

Aufgrund des Übereinkommens entspringt das Recht auf Teilhabe von Menschen mit Behinderung dem zentralen Menschenrecht auf Beachtung der Menschenwürde und ist nicht nur eine Frage des sozialen Wohlergehens.

Behinderte und nichtbehinderte Kinder in der Schule

Artikel 24 der BRK hatte in Deutschland die größte Resonanz. Zentraler Punkt ist die Möglichkeit der gemeinsamen Beschulung behinderter und nicht behinderter Kinder in Regelschulen und Besuch von Universitäten. Im schulischen Bereich wird in Deutschland bisher mit Unterscheidungen und begrifflichen Einteilungen wie Lernbehinderung gearbeitet, die international nicht existieren und nicht verständlich sind.

Das setzt allerdings eine Umstellung des Unterrichts an Schulen auf ganzheitliche Lernkonzepte voraus, wie dies bereits in Australien intensiv gelebt wird. Dort ist die Inklusion sogar im Sportunterricht ein selbstverständlicher Teil des Curriculums. Insbesondere bis zur 6. Klasse werden die Kinder gemeinschaftlich unterrichtet und die Schulen erhalten vom Staat finanzielle Förderungen für die Umsetzung.

Diskussion über "Wie" statt "Ob"

In Deutschland mutet die Umsetzung der BRK noch schleppend an. Jedoch beschäftigt sich die Landesregierung NRW bereits mit einem Gesetzesentwurf hinsichtlich der Umsetzung eines ganzheitlichen Schulkonzeptes. Positiv erscheint, dass nur noch über die Frage des „Wie“ der Umsetzung und nicht über das „Ob“ diskutiert wird. Es darf nicht vergessen werden, dass Menschen mit Behinderung nicht um ein Recht auf Teilhabe an der Gesellschaft kämpfen sollten, da sie bereits seit Geburt ein Teil der Gesellschaft sind.

Weitere Informationen und ein Interview in der Sendung „hier ab vier“ im MDR vom 24.05.2013 finden Sie im unten stehendem Video.

Text: Sonja Hebben - 08/2013
Foto: Sonja Hebben

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