Das Behindertentestament

Tritt ein schwerbehinderter Mensch ein Erbe an, muss dieses mitunter für Pflege- und Betreuungskosten aufgebraucht werden, bevor der Sozialstaat wieder einspringt. Das lässt sich jedoch vermeiden - mit einem Behindertentestament.

Eine typische Fragestellung zum Behindertentestament ist:

Wir sind Eltern von zwei Kindern, von denen eines körperlich und geistig behindert ist. Wir machen uns große Sorgen darüber, wie wir unsere behinderte Tochter Lisa nach unserem Tod finanziell absichern können. Wir denken daran, unseren nichtbehinderten Kindern unser Vermögen zu verschenken. Wir besitzen ein Haus und etwas Ersparnisse.

So hoffen wir zu vermeiden, dass das Sozialamt das Erbe unseres behinderten Kindes zum Beispiel für Heimkosten beansprucht. Halten sie diese Idee für sinnvoll? Könnten wir unsere Tochter Lisa über ein sogenanntes „Behindertentestament“ nach unserem Tod langfristig absichern. Was genau ist ein solches „Behindertentestament“ und wie sicher ist es?

1) Einführung in das Thema

Viele Menschen mit Behinderung sind nicht in der Lage, die Kosten ihrer Betreuung und Pflege selbst zu bezahlen. Trotz der Pflegeversicherung sind sie auf zusätzliche staatliche Hilfen wie zum Beispiel Leistungen der Grundsicherung, der Eingliederungshilfe und der Hilfe zur Pflege (gesetzlich geregelt im Sozialgesetzbuch (SGB) XII) angewiesen.

Die Sozialhilfe geht jedoch von dem Grundsatz aus, dass nur die Menschen Anspruch auf Sozialhilfe haben, die nicht in der Lage sind, sich aus eigenen Kräften selbst zu helfen. Eigene Einkünfte und ein etwa im Wege des Erbfalles erlangtes Vermögen sind bis auf geringe Freibeträge vorrangig einzusetzen beziehungsweise zu verbrauchen.

Muss das Erbe für Pflegekosten verwendet werden?

Viele Eltern von behinderten Kindern haben daher die große Sorge, dass ihr mühsam angespartes Vermögen im Erbfall innerhalb kürzester Zeit für die Pflege- und Betreuungskosten des Kindes, die monatlich Beträge bis zu € 10.000,00 umfassen können, aufgebraucht wird, ohne dass ihr Kind Vorteile aus seinem Erbe hat.

Einige Eltern überlegen daher, ihrem behinderten Kind nichts oder nur wenig zu vererben. In diesen Fällen entsteht jedoch zumindest auch der Pflichtteilsanspruch des Kindes, der dann wiederum vom Sozialhilfeträger eingefordert werden kann. Darüber hinaus soll dem behinderten Kind ja eigentlich gerade etwas zugewendet werden, um seine Lebenssituation zu verbessern.

Ziel des Behindertentestamentes ist es kurz gesagt, die Zugriffsmöglichkeiten der Sozialhilfeträger auf das Erbe des Kindes zu vermeiden, damit dem Kind, besonders nach dem Tod beider Eltern, eine über das sozialhilferechtlich gesicherte reine Existenzminimum hinausgehende Lebensqualität langfristig gesichert werden kann.

2) Schenkungen zu Lebzeiten

Durch die Schenkungen an Ihre nichtbehinderten Kinder könnten Sie unter Umständen den Erbteil beziehungsweise den Pflichtteil Ihres behinderten Kindes Lisa verringern. Dies ist zwar im Hinblick auf eventuelle Forderungen des Sozialamtes sinnvoll, ich kann es Ihnen jedoch trotzdem nicht empfehlen. Denn auf diese Weise sichern Sie Lisa ja gerade nicht finanziell ab. Und Sie gehen hierbei noch erhebliche Risiken ein:

Versterben Sie innerhalb von 10 Jahren nach dem Schenkungszeitpunkt, erhält Lisa über ihren Pflichtteilsergänzungsanspruch nachträglich noch einen Anteil an den Schenkungen. Bei zwei Kindern wäre dies beim erstversterbenden Elternteil ein Anteil von 1/8 des Schenkungswertes und beim letztversterbenden Elternteil ein Anteil von 1/4, auf den dann das Sozialamt zugreifen könnte. Ein weiterer gravierender Nachteil wäre, dass Sie für Ihren Lebensunterhalt und Ihre Altersversorgung nicht mehr genug Vermögen besitzen und Sie auf das Wohlwollen der von ihnen beschenkten Kinder angewiesen wären.

Zur eigenen Absicherung könnten Sie sich zwar ein Nießbrauchsrecht an den verschenkten Vermögenswerten vorbehalten, in diesem Fall würde jedoch die 10-Jahres-Frist nicht gelten (und Lisa hätte auch noch ihren Pflichtteilsergänzungsanspruch hinsichtlich der Schenkungen, wenn Sie erst nach mehr als 10 Jahre versterben).

Was viele Eltern nicht wissen:

Die finanzielle Absicherung des behinderten Kindes und der Schutz des Vermögens vor dem Zugriff des Sozialamtes lassen sich sehr gut durch die Errichtung eines so genannten Behindertentestaments erreichen.

Zwei Hände geben sich die Hand. (Bild: Sternschnuppe1/pixelio.de)
Die Zukunft des behinderten Kindes für die Zeit nach dem Versterben der Eltern wird geregelt und abgesichert. (Bild: Sternschnuppe1/pixelio.de)

3) Vorteile des Behindertentestaments

Durch das Behindertentestament können Sie Lisa eine über die normale Sozialhilfe hinausgehende Lebensqualität sichern. Denn zusätzlich zu den Leistungen der Sozialhilfe erhält sie lebenslang die Erträge aus ihrem Erbe, die sie ausschließlich für ihre persönlichen Bedürfnisse, wie Hobbys und Urlaubsreisen, nicht erstattungsfähige ärztliche Therapien, Hilfsmittel oder Zahnersatz verwenden kann.

Die Zugriffsmöglichkeiten des Sozialhilfeträgers auf das von Lisa geerbte Vermögen und dessen Erträge werden bei einem Behindertentestament weitgehend ausgeschlossen. Mit dem Behindertentestament haben Sie unter anderem die folgenden konkreten Vorteile:

  • Die Zukunft des behinderten Kindes für die Zeit nach dem Versterben der Eltern wird geregelt und abgesichert.
  • Der gewünschte Lebensstandards des Kindes wird sichergestellt; Leistungseinschränkungen durch die voraussichtlich weiter sinkenden Sozialleistungen können ausgeglichen werden.
  • Finanziellen Belastungen des überlebenden Ehegatten werden verringert.
  • Zahlungen aus dem Erb- oder Pflichtteil an das Sozialamt werden vermieden.
  • Der Verlust von erheblichen Teilen des Familienvermögens wird vermieden.
  • Keine Auseinandersetzungen mit dem Sozialamt um den Pflichtteil des Kindes.
  • Vermeidung von Streitigkeiten zwischen den übrigen Erben.

4) Erbeinsetzung als nichtbefreiter Vorerbe

Anders als zum Beispiel beim sogenannten „Berliner Testament“, bei welchem sich typischerweise die Ehegatten zunächst als alleinige Erben gegenseitig einsetzen, wird im klassischen Behindertentestament eine Erbeinsetzung des behinderten Kindes verfügt, und zwar bereits beim Versterben eines Elternteils.

Das behinderte Kind wird dabei in der Höhe eines Erbteils, der deutlich über dem gesetzlichen Pflichtteil liegen muss, zum so genannten nichtbefreiten Vorerben eingesetzt. Diese Erbeinsetzung ist erforderlich, da ansonsten der Sozialhilfeträger gegenüber dem überlebenden Ehegatten den Pflichtteilsanspruch geltend machen könnte.

Der Pflichtteilsanspruch entsteht mit dem Erbfall, wenn das behinderte Kind enterbt wird. Die Höhe des Pflichtteils beträgt die Hälfte des gesetzlichen Erbteils. Der Erbteil des behinderten Kindes kann im Gegensatz zum Pflichtteil durch die Anordnung von Vorerbschaft und Testamentvollstreckung „geschützt“ werden.

Geschützter Erbteil

Der Vorerbe wird im Gegensatz zu einem unbeschränkten Erben nur für eine begrenzte Zeit Erbe. Mit dem Tod des Vorerben fällt das Erbe an die Nacherben. Als Nacherben beim Tod des behinderten Kindes werden in der Regel seine Abkömmlinge, seine Geschwister, andere Verwandte oder auch Behindertenorganisationen eingesetzt.

Gesetzliche Schutzvorschriften sorgen dafür, dass die Substanz des Nachlasses für den Nacherben erhalten bleibt. Der Sozialhilfeträger kann auf das Vorerbe mangels dessen Verwertbarkeit nicht zugreifen. Auch das behinderte Kind kann grundsätzlich nicht die Substanz des geerbten Vermögens für sich verbrauchen (Ausnahmen können und sollten individuell geregelt werden). Ihm verbleiben jedoch die Erträge aus seinem Erbe wie Zins- oder Mieteinnahmen.

5) Dauertestamentsvollstreckung

Zusätzlich zur Einsetzung als Vorerben wird eine Dauertestamentsvollstreckung bis zum Tod des behinderten Kindes angeordnet. Zum Testamentsvollstrecker sollte eine dem Kind besonders verbundene Person bestellt werden, wie Geschwister, Verwandte oder Freunde der Familie. Der Testamentsvollstrecker wacht als Verwalter des Erbes darüber, dass das Testament entsprechend dem Willen der verstorbenen Eltern ausgeführt wird.

Besonders wichtig ist die genaue Regelung der Aufgaben des Testamentsvollstreckers, damit dem Kind auch die Erträge seines Erbes zukommen und nicht dem Sozialhilferegress ausgesetzt sind. Hierzu wird der Testamentsvollstrecker verpflichtet, die Erträge ausschließlich für (persönliche) Zwecke zukommen zu lassen, die unter die Regelungen zum sozialhilferechtlich geschützten Vermögen fallen.

6) Betreuervorschlag

Als weitere Regelung können die Eltern in dem Testament eine Person ihres Vertrauens als Betreuer vorschlagen, die sich nach ihrem Tod um den behinderten Familienangehörigen kümmern soll. Diese Person sollte möglichst nicht mit der als Testamentsvollstrecker vorgeschlagenen Person identisch sein.

7) „Sicherheitsklausel“

Da Vermögensübertragungen (z. B. Schenkungen) der Eltern zu Lebzeiten an nichtbehinderte Kinder oder dritte Personen für das Behindertentestament gefährlich werden können, empfiehlt sich schließlich auch die vorsorgliche Aufnahme einer entsprechenden „Sicherheitsklausel“.

8) Testamentsform

Das Testament muss mit der Hand geschrieben wird. Das Verwenden einer Schreibmaschine oder eines PC genügt nicht. Der Testamentstext ist mit der Nennung des Ortes, des Datums und der eigene Unterschrift abzuschließen.

Beim gemeinschaftlichen Testament ist es ausreichend, wenn ein Ehegatte das Testament abschreibt und beide Ehegatten mit Ort, Datum und ihrer eigenhändigen Unterschrift unterschreiben. Möglich ist jedoch auch die Errichtung eines notariellen Testaments vor einem Notar. Das Testament kann zu Hause oder beim zuständigen Amtsgericht gegen eine Hinterlegungsgebühr verwahrt werden.

Rechtsanwalt Jürgen Greß. (Foto: Jürgen Greß)
Rechtsanwalt Jürgen Greß gibt konkrete Rechtstipps. (Bild: Jürgen Greß)

9) Wie und bei wem können Eltern ein Behindertentestament errichten?

Die Erstellung eines Behindertentestamentes gehört zu den schwierigsten und komplexesten Gestaltungen in der Erbrechtsberatung. Ein "Standard-Behindertentestament" gibt es nicht. Erforderlich sind in jedem Einzelfall individuelle, an die konkreten Vermögensverhältnisse, die familiären Umstände und vor allem den Wünschen der Beteiligten angepasste Regelungen.

Für nicht juristisch vorgebildete Eltern ist es nahezu unmöglich, ein wirksames und vom Sozialhilfeträger nicht angreifbares Behindertentestament zu entwerfen. Die insbesondere im Internet kursierenden Vorlagen und Anleitungen sind häufig unvollständig oder fehlerhaft.

Lassen Sie sich fachkundig beraten

Interessierte Eltern sollten sich daher unbedingt von einem sowohl im Behinderten- und Sozialhilferecht, als auch im Erbrecht einschlägig fachkundigen und erfahrenen Rechtsanwalt oder Notar beraten lassen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass die gewünschten Regelungen einer gerichtlichen Überprüfung nicht Stand halten und der Sozialhilfeträger auf das Erbe zugreifen kann.

Wichtig ist ein auf die familiären Verhältnisse und auf die speziellen Bedürfnisse des jeweiligen behinderten Kindes abgestimmtes Behindertentestament. In einem Behindertentestament sollte zudem auf die Bedürfnisse und Wünsche von Geschwistern des behinderten Kindes und von sonstigen nahen Angehörigen eingegangen werden, um den Zusammenhalt der verbleibenden Familienmitglieder nach dem Tod der Eltern zu sichern.

Verbindlichen Kostenvoranschlag geben lassen

Daher sollen Eltern besonders darauf achten, dass der von ihnen ausgewählte Rechtsanwalt oder Notar Erfahrungen in Hinblick auf die besondere Lebenssituation von Familien mit behinderten Angehörigen besitzt. Günstig wäre es auch, wenn der mit der Testamentserstellung beauftragte Rechtsanwalt oder Notar auch noch nach der Fertigstellung des Testamentes von sich aus die Eltern über eventuelle Änderungen der Rechts- oder Gesetzeslage und deren Auswirkungen auf das Behindertentestament informieren würde.

Die Kosten für die Erstellung eines Behindertentestaments richten sich im Allgemeinen nach dem Wert des zu vererbenden Vermögens und teilweise nach dem konkreten Aufwand. Vor der Beauftragung eines Rechtsanwalts oder Notars sollten sich Eltern einen verbindlichen Kostenvoranschlag geben lassen, um keine Überraschungen bei der späteren Abrechung zu erleben.

10) Ergebnis

Das Behindertentestament ist die wirksamste und aufgrund höchstrichterlicher Rechtsprechung (Grundsatzentscheidung des BGH, Urteil vom 20.10.1993, Az: IV ZR 231/92, in: NJW 1994, Seite 248 ff) sicherste Möglichkeit zur Versorgung und Absicherung von behinderten Familienangehörigen. Der BGH wies in seiner Grundsatzentscheidung ausdrücklich darauf hin,

„dass Eltern auf diese Weise gerade der zuvörderst ihnen zukommenden sittlichen Verantwortung für das Wohl ihres Kindes Rechnung tragen und nicht verpflichtet sind, diese Verantwortung dem Interesse der öffentlichen Hand an einer Teildeckung ihrer Kosten hintanzusetzen“.

Der BGH gesteht damit den Eltern ausdrücklich die Möglichkeit zu, das Erbe ihres behinderten Kindes über ein Behindertentestament vor dem Zugriff des Sozialhilfeträgers beziehungsweise des Staates zu schützen. Der teilweise erhobene Vorwurf der angeblichen Sittenwidrigkeit und Unwirksamkeit des Behindertentestaments wird somit von der höchstrichterlichen Rechtsprechung in Deutschland nunmehr seit über 15 Jahren eindeutig zurückgewiesen.

Eine Einschränkung macht der BGH jedoch: Wenn die Eltern ein beträchtliches Vermögen hinterlassen und der Pflichtteil des behinderten Kindes so hoch wäre, dass es daraus - oder sogar nur aus den Erträgen - seine Versorgung sicherstellen könnte, könnte ein Behindertentestament sittenwidrig werden. Von diesem Fall abgesehen kann Eltern die Errichtung eines Behindertentestamentes zur Versorgung ihres behinderten Kindes uneingeschränkt empfohlen werden.

Handeln Sie rechtzeitig, bevor Sie zu alt oder krank oder bereits verstorben sind! Jetzt sind Sie noch in der Lage, die entscheidenden Weichen für die Absicherung und Versorgung Ihres behinderten Kindes zu stellen!

11) Checkliste zur Überprüfung des eigenen Behindertentestamentes

Die nachfolgend genannten Anhaltspunkte sollen es Eltern erleichtern, ein bereits vorliegendes „Behindertentestament“ selbst dahingehend durchzusehen, ob es zumindest die wesentlichen Regelungen enthält.

Stellen Sie bereits anhand der Checkliste selbst fest, dass einige Punkte nicht oder nur ungenau geregelt sind, sollte das Testament sicherheitshalber überarbeitet werden. Für eine vollständige und verbindliche Überprüfung und Überarbeitung des Testamentes empfiehlt sich dringend die Beauftragung eines fachkundigen Rechtsanwalts oder Notars.

  • Wurde das behinderte Kind sowohl für den Erbfall nach dem erstversterbenden Elternteil als auch für den Schlusserbfall (Versterben des zweiten Elternteils oder auch gleichzeitiges Versterben) als Erbe eingesetzt? Fehlt dies beispielsweise für den ersten Erbfall, könnte der Sozialhilfeträger den Pflichtteil des Kindes einfordern.
  • Ist der Erbteil beziehungsweise die Erbquote des behinderten Kindes deutlich höher als sein Pflichtteil? Wurde der Güterstand der Eltern dabei richtig berücksichtigt? Sind eventuelle lebzeitige Zuwendungen oder Schenkungen der Eltern bei der Bestimmung der erforderlichen Höhe der Erbquote des behinderten Kindes berücksichtigt? Zuwendungen zu Lebzeiten können den Wert der Pflichtteilsansprüche des behinderten Kindes so erhöhen, dass diese möglicherweise den Wert der Erbquote übersteigen und der Sozialhilfeträger zumindest einen Restpflichtteil oder Pflichtteilsergänzungsansprüche einfordern könnte.
  • Wurde Immobilienvermögen im Ausland oder eine ausländische Staatsangehörigkeit der Eltern bei der Testamentserstellung berücksichtigt?
  • Ist das behinderte Kind als sogenannter nichtbefreiter Vorerbe eingesetzt? Wurden Nacherben und ausreichend Ersatznacherben benannt, so dass sichergestellt ist, dass jedenfalls ein Nacherbe das behinderte Kind überlebt? Sind nicht ausschließlich die nichtbehinderten Geschwister als Nacherben eingesetzt?
  • Wurde eine Regelung getroffen für den Fall, dass das behinderte Kind vorverstirbt?
  • Wurde geregelt, ob und inwieweit der überlebende Ehegatte nach dem Versterben des ersten Ehegatten das Testament noch abändern darf?
  • Ist eine auf die konkreten familiären und finanziellen Verhältnisse abgestimmte Teilungsanordnung enthalten? Ist geregelt, in welcher Form das behinderte Kind seinen Erbteil erhält (zum Beispiel in bar oder als Immobilienanteil)? Ansonsten droht unter Umständen eine langwierige und schwierige Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft.
  • Wird sowohl für den Erbfall nach dem Erstversterbenden als auch für den Schlusserbfall für den Erbteil des behinderten Kindes Dauertestamentsvollstreckung auf Lebenszeit angeordnet?
  • Ist konkret festgelegt, für welche (sozialhilferechtlich nicht angreifbare) Zwecke und nach welchen Modalitäten der Testamentsvollstrecker die Erträgnisse des behinderten Kindes zu verwenden hat? Sonst droht der Zugriff des Sozialhilfeträgers.
  • Wurde an eine Regelung gedacht, die es dem behinderten Kind ermöglicht, zusätzlich zu den Erträgen seines Vorerbes erforderlichenfalls auch auf den Stamm seiner Erbschaft zuzugreifen?
  • Sind ausreichend Testamentsvollstrecker und Ersatztestamentsvollstrecker benannt und eine Vergütung für diese festgelegt?
  • Wurden Vorschläge für den Fall gemacht, dass eine Betreuung für das Kind erforderlich ist oder wird? Ist für ein minderjähriges Kind ein Vormund gemäß § 1776 Abs. 1 BGB benannt? Sind als Testamentsvollstrecker und als Betreuer beziehungsweise Vormund unterschiedliche Personen vorgesehen?
  • Besteht vorsorglich für den Fall, dass die Erbeinsetzung des behinderten Kindes als Vorerbe (eventuell aufgrund Sittenwidrigkeit) unwirksam sein sollte, eine Ersatzerbeneinsetzung, wonach das behinderte Kind nur seinen Pflichtteil erhält?

Text: RA Jürgen Greß, München
Bilder: flickr, pixelio.de, Jürgen Greß

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