Behinderung: Letztlich nur eine Definitionssache?

Schwerbehindertenausweis mit Stempel  (Egon Häbich/pixelio.de)
Als "behindert" wird man manchmal recht schnell abgestempelt. (Egon Häbich/pixelio.de)

Behinderung ist nicht gleich Behinderung - es gibt etliche Formen von Handicaps. Doch was eint sie, wie definiert sich der Behinderungsbegriff?Die WHO etwa gibt drei Ursachen für Behinderung vor.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert für das Zustandekommen einer Behinderung drei Ursachen: Schaden, funktionale und soziale Beeinträchtigung.

Aufgrund einer Erkrankung, angeborenen Schädigung oder eines Unfalls als Ursache entsteht ein dauerhafter gesundheitlicher Schaden. Der Schaden führt zu einer funktionalen Beeinträchtigung der Fähigkeiten und Aktivitäten des Betroffenen. Die soziale Beeinträchtigung ist Folge des Schadens und äußert sich in persönlichen, familiären und gesellschaftlichen Konsequenzen.

Behinderung in der Pädagogik

In der Schule gelten laut der Empfehlung der Bildungskommission des Deutschen Bildungsrates alle Kinder, Jugendliche und Erwachsene als behindert

"…die in ihrem Lernen, im sozialen Verhalten, in der sprachlichen Kommunikation oder in den psychomotorischen Fähigkeiten soweit beeinträchtigt sind, dass ihre Teilnahme am Leben in der Gesellschaft wesentlich erschwert ist. Deshalb bedürfen sie besonderer pädagogischer Förderung. Behinderungen können ihren Ausgang nehmen von Beeinträchtigungen des Sehens, des Hörens, der Sprache, der Stütz- und Bewegungsfunktionen, der Intelligenz, der Emotionalität, des äußeren Erscheinungsbildes sowie von bestimmten chronischen Krankheiten.“

eine Frau mit einer Blume vorm Ohr (Viktoria Schwabenland/pixelio.de)
Behindert oder nicht? Das hängt ganz von Ihrem persönlichen Menschenbild und Ihrer Einstellung ab. (Viktoria Schwabenland/pixelio.de)

Behinderungsarten oft schwer trennbar

Bei Mehrfachbehinderungen, also Behinderungen, die sich aus mehreren Behinderungsarten zusammensetzen, wird es richtig komplex. Als Behinderungsarten gelten: geistige Behinderung, seelische Behinderung, Hörschädigung (Gehörlosigkeit + Schwerhörigkeit), Körperbehinderung, Lernbehinderung, Sehschädigung, Sprachbehinderung und Verhaltensstörung.

Das liest sich in der Theorie einfach nachvollzieh- und trennbar. Eine eindeutige Abgrenzung speziell zwischen körperlichen, geistigen und seelischen Behinderungen ist in der Praxis jedoch kaum möglich.

Behinderung ist Definitionssache

Letztendlich wird jeder Mensch „Behinderung“ ein bisschen anders definieren. Wie genau hängt von dem jeweiligen persönlichen Menschenbild ab.

„Behindert ist, wer behindert wird“, heißt ein Slogan der Caritas Österreich. Durchaus wahr. Vielleicht aber noch wahrer ist es, diesen Slogan ein bisschen umzuwandeln: „Behindert ist, wer sich behindert fühlt“ – denn das kann beides sein, das Gefühl sich selbst behindert zu fühlen oder durch die Gesellschaft behindert zu werden. Wie auch immer man es dreht, der Begriff Behinderung wird letztendlich immer subjektiv bleiben. Und das ist vielleicht auch gut so.

 

Text: MHA - 08/2011

Fotos: pixelio

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