Die Pflegeversicherung: Wofür die einzelnen Pflegestufen stehen

Mann hilft einer hilfsbedürftigen Person beim Anziehen. (Bild: Gerd Altmann/pixelio.de)
Pflegekassen entschädigen Hilfsbedürftige für die Hilfe durch Drittpersonen. (Bild: Gerd Altmann/pixelio.de)

Wer auf die Hilfe Dritter angewiesen ist, kann Leistungen der Pflegeversicherung geltend machen. Dabei kann die hilfsbedürftige Person entscheiden, wie, wo und von wem sie gepflegt werden möchte.

Nicht alle Menschen haben das Glück, ohne Behinderung zu leben oder ohne Gebrechen alt zu werden. Aber grundsätzlich altern die Menschen in unserer Gesellschaft heutzutage gesünder und sie leben länger. Schätzungen gehen davon aus, dass in Deutschland 2050 mehr als 23 Millionen Menschen über 66 Jahre alt sein werden.

Drei Millionen Pflegebedürftige bis 2030

Auch wenn uns Udo Jürgens gelehrt hat, dass dann das Leben erst anfängt - früher oder später kommt für viele doch der Zeitpunkt, an dem sie auf die Hilfe Dritter angewiesen sind. Die Pflegeversicherung kann dabei Pflegebedürftigen in ihrer schweren Situation helfen und sie und ihre pflegenden Angehörigen entlasten.

Die Pflegeversicherung existiert seit 1995 neben Kranken-, Unfall-, Renten- und Arbeitslosenversicherung als fünfte Säule der Sozialversicherung. Da grundsätzlich alle einmal auf Hilfe angewiesen sein könnten, gibt es eine umfassende Versicherungspflicht. Wer gesetzlich krankenversichert ist, ist automatisch in der sozialen Pflegeversicherung versichert. Jeder privat Krankenversicherte muss eine private Pflegeversicherung abschließen.

Stethoskop, Brille und Kugelschreiber auf einem Schreibtisch. (Bild: Claudia Hautumn/pixelio.de)
Ein medizinisches Gutachten stellt Anspruch und Umfang der Pflegeleistungen fest. (Bild: Claudia Hautumn/pixelio.de)

Zusätzliche private Vorsorge empfiehlt sich

Die Ausgaben der sozialen Pflegeversicherung werden durch Beiträge finanziert, die Arbeitnehmer und Arbeitgeber je zur Hälfte entrichten. Allerdings deckt die soziale Pflegeversicherung häufig nicht alle Kosten der Pflege ab. Deshalb ist der Abschluss einer zusätzlichen privaten Vorsorge sinnvoll.

Ist nun jemand auf die Hilfe Dritter angewiesen, so leisten die Pflegekassen verschiedene Leistungen für die Pflegebedürftigen. Die Hilfe kann in Form von Pflegegeld erfolgen, mit der häufig der Aufwand pflegender Angehöriger vergütet wird. Alternativ werden mit sogenannten Sachleistungen professionelle Pflegekräfte finanziert. Möglich ist auch eine Kombination dieser Leistungsarten. Auch die Kosten für Pflegehilfsmittel und wohnumfeldverbessernde Maßnahmen können übernommen werden. Zudem kann voll- oder teilstationäre Pflege in einer Einrichtung gewährt werden. Auch Kombinationen von Pflegegeld mit einer externen Tages- oder Nachtpflege sind möglich.

Wer hat Anspruch?

Das Pflegegesetz hält fest, wer Anspruch auf Pflegeleistungen hat. Per Definition sind dies Menschen, die wegen einer körperlichen, geistigen oder seelischen Krankheit oder Behinderung im Bereich der Körperpflege, der Ernährung, der Mobilität und der hauswirtschaftlichen Versorgung auf Dauer in erheblichem Maße auf Hilfe angewiesen sind.

Nach einem Antrag auf Pflegeleistung lässt die Pflegekasse den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (MDK) oder bei knappschaftlich Versicherten den Sozialmedizinischen Dienst SMD abklären, ob und in welchem Umfang der Anspruch berechtigt ist.

Ein Stethoskop und Euro-Scheine liegen auf einer Rechenmaschine. (Bild: Thorben Wengert/pixelio.de)
Die Pflegestufe bestimmt über den finanziellen Umfang der Entschädigung. (Bild: Thorben Wengert/pixelio.de)

Pflegestufe je nach Unterstützungsbedarf

Seit dem 1. Juni 1997 gelten bundesweit einheitliche Begutachtungsrichtlinien. Eines der wichtigsten Kriterien um festzustellen, in welche Pflegestufe ein Patient einzuordnen ist, ist der zeitliche Aufwand für die Pflege. Dabei gibt es für jede Tätigkeit Orientierungswerte zur Zeitbemessung, entsprechend dem Unterstützungsbedarf wird die Pflegestufe bestimmt:

Pflegestufe 1 - erheblich Pflegebedürftige

Personen, die bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität für wenigstens zwei Verrichtungen aus einem oder mehreren Bereichen mindestens einmal täglich der Hilfe bedürfen und zusätzlich mehrfach in der Woche Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen. Die Hilfe muss im Tagesdurchschnitt mindestens 90 Minuten in Anspruch nehmen, 45 Minuten müssen auf die Grundpflege entfallen.

Pflegestufe 2 - Schwerpflegebedürftige

Personen, die bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität mindestens dreimal täglich zu verschiedenen Tageszeiten der Hilfe bedürfen und zusätzlich mehrmals in der Woche Hilfen bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen. Die Hilfe muss im Tagesdurchschnitt mindestens drei Stunden in Anspruch nehmen, zwei Stunden müssen auf die Grundpflege entfallen.

Pflegestufe 3 - Schwerstpflegebedürftige

Personen, die bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität rund um die Uhr der Hilfe bedürfen und zusätzlich mehrfach in der Woche Hilfe bei der hauswirtschaftlichen Versorgung benötigen. Die Hilfe muss im Tagesdurchschnitt mindestens fünf Stunden in Anspruch nehmen, vier Stunden müssen auf die Grundpflege entfallen.

Bei einem außergewöhnlich hohen Pflegeaufwand kann in der Pflegestufe 3 auch ein Härtefall vorliegen. Hier geht die Pflege weit über das übliche Maß der Pflegestufe hinaus und die Pflegekasse kann weitere Pflegesachleistungen oder höhere Kosten bei stationärer Pflege erbringen.

„Pflegestufe 0“

Des Weiteren sind Hilfen bei einer erheblich eingeschränkten Alltagskompetenz möglich. Umgangssprachlich wird oft der Begriff „Pflegestufe 0“ verwendet. Hier liegt der Pflegebedarf unter der Schwelle, die von der Pflegeversicherung als Voraussetzung für Leistungen genannt wird. Die Betroffenen können aber einen besonderen Bedarf geltend machen.

 

Text: Patrick Gunti - 09/2011

Bilder: pixelio.de

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