Pflegefachkräftemangel in Deutschland

Eine alte Frau sitzend in einem Zimmer (Gerd Altmann/pixelio.de)
Eine alternde Gesellschaft verlangt mehr qualifizierte Pflegefachkräfte. (Gerd Altmann/pixelio.de)

Es zeichnet sich hierzulande ein Mangel an qualifizierten Pflegefachkräften ab. Eine immer älter werdende Gesellschaft sowie schlechte Arbeitsbedingungen kennzeichnen diese Entwicklung. Politische Maßnahmen sind dringend nötig.

Der demografische Wandel wird Deutschland in Zukunft in verschiedenen Bereichen neu prägen. Denn mit sinkenden Geburtenraten bei gleichzeitig steigender Lebenserwartung verändert sich die Altersstruktur der Bevölkerung maßgeblich. Einerseits wird das System der gesetzlichen Rentenversicherung auf eine harte Probe gestellt, da die bisherige Finanzierung nicht mehr ausreichend ist.

Andererseits müssen sich sowohl niedergelassene Ärzte als auch Krankenhäuser auf eine Zunahme von geriatrischen Patienten einstellen. Dabei beschränkt sich die medizinische Versorgung nicht nur auf die Behandlung von altersspezifischen Erkrankungen. Immer mehr Menschen werden auch auf Pflege angewiesen sein.

Infobroschüre:
"Risiko Berufsunfähigkeit - Wenn Pflegen krank macht"

Mehr Pflegekräfte werden benötigt

Ebenso wie bei der Rentenversicherung wird es auch bei der Pflegeversicherung zu einem Finanzierungsproblem kommen. Schon jetzt müssen pflegebedürftige Menschen, egal welchen Alters, einen Teil der Pflegekosten selbst aufbringen. Abgesehen davon, dass die Kosten für ambulante und stationäre Pflegemaßnahmen weiter ansteigen werden, bedarf es auch mehr Menschen, die im Pflegebereich tätig sind.

Laut Angaben des Bundesgesundheitsministeriums waren im Jahr 2011 rund 2,5 Millionen Menschen auf Pflege angewiesen. Bis zum Jahr 2030 wird diese Zahl wahrscheinlich auf 3,2 Millionen ansteigen. Im Jahr 2050 ist mit 4,21 Millionen pflegebedürftigen Menschen in Deutschland zu rechnen. Auch wenn rund zwei Drittel der Betroffenen in häuslicher Pflege und dabei nicht selten von den Angehörigen versorgt werden, so bedarf es in Zukunft doch weitaus mehr Fachkräfte als die momentan rund 952.000 Beschäftigten (Stand Ende 2011).

Ein junger Mann greift sich an seinen Nacken (Benjamin Thorn/pixelio.de)
Enorme psychische wie körperliche Belastungen sind typisch für den Pflegeberuf und schrecken ab. (Benjamin Thorn/pixelio.de)

Berufsbild verbessern

Dabei ist der Pflegeberuf kein einfacher. Die körperliche Belastung ist oft sehr hoch, auch kann die Arbeit emotional belastend sein, insbesondere wenn schwer kranke Menschen betreut werden. Hinzu kommen oft unregelmäßige Arbeitszeiten beziehungsweise Schichtdienst.

Da die heutigen Arbeitsbedingungen im Pflegebereich häufig unattraktiv für junge Menschen sind und damit dauerhaft Nachwuchsprobleme entstehen, sollen verschiedene politische Maßnahmen zu einer Verbesserung des Berufsbilds beitragen.

So soll ein neues Pflegeberufegesetz auf den Weg gebracht werden. Dieses wird unter anderem das Altenpflegegesetz und das Krankenpflegegesetz verbinden und somit eine höhere Flexibilität innerhalb des Pflegeberufs schaffen. Insbesondere für Nachwuchskräfte bedeutet dies, dass sie in Zukunft vielfältigere Berufsmöglichkeiten haben, sich also zum Beispiel nicht mehr zwischen Kranken- oder Altenpflege entscheiden müssen, sondern innerhalb der Ausbildung die notwendigen Kompetenzen für beide Pflegebereiche erwerben.

Anreize für den Pflegeberuf schaffen

Der Pflegeberuf gilt weiterhin als meist nur schlecht bezahlt. Um hier eine adäquate Entlohnung sicherzustellen, wurde ein Mindestlohn festgelegt. Weitere Maßnahmen zur Verbesserung des Pflegeberufs umfassen beispielsweise den Ausbau von Supervisionen, Abbau von Bürokratie und eine Öffnung des Berufs für männliche Fachkräfte. Da bereits jetzt ein Fachkräftemangel besteht, sind die Berufschancen für Pflegekräfte in allen Bundesländern sehr gut.

Teufelskreis beim Fachkräftemangel

Zwar ist es für examinierte Fachkräfte kaum ein Problem, eine Festanstellung zu finden, allerdings hat der Kräftemangel auch negative Seiten. Da längst nicht jede Stelle besetzt werden kann, steigt die Belastung für die Pflegekräfte, nicht selten muss die Pflegezeit streng begrenzt werden, was insbesondere auf Kosten der pflegebedürftigen Menschen geht. Die chronische Überlastung führt zudem dazu, dass nicht wenige Pflegekräfte einen anderen Beruf ergreifen – was zu einer weiteren Verschärfung der Lage führt.

Wenn in Zukunft sowohl ältere Menschen als auch pflegebedürftige Menschen mit Handicap eine optimale Versorgung erhalten sollen, muss viel getan werden, um junge Menschen an den Pflegeberuf heranzuführen und die Arbeitsbedingungen für Pflegekräfte so weit zu verbessern, dass mehr Menschen auch langfristig im Pflegebereich arbeiten. Dazu sind jedoch umfassende politische Maßnahmen notwendig, die über die Frage hinausgehen, wie die Pflegeversicherung in Zukunft finanziert werden soll.

Pflegereform unter Gesundheitsminister Hermann Gröhe

Im Koalitionsvertrag zwischen CDU/CSU und SPD halten die Politiker fest, sich für "Personalmindeststandards im Pflegebereich" einzusetzen und die Pflegeberufe aufzuwerten. Der neue Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hat dazu eine Pflegereform angekündigt, die zügig umgesetzt werden soll. Mit ihr will der Minister die Zahl der Fachkräfte signifikant erhöhen. So soll die Zahl der Pflegekräfte um 30 Prozent steigen, erläutert Gröhe in einem Interview mit der Rheinischen Post. Zusätzlich ist geplant, dass die Pflegeberufe künftig mit einer einheitlichen Grundausbildung beginnen, um den Wechsel zwischen den Berufen, etwa in der Altenpflege, zu erleichtern.

 

Text: MyHandicap - 03/2013 - ergänzt 03/2014

Fotos: pixelio.de

Quelle: finanzen-team.de

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