Pflegedienste für behinderte Menschen

Anzeigeschild eines ambulanten Pflegedienstes (Dieter Schütz/pixelio.de)
Über 12.000 zugelassene Pflegedienste in Deutschland unterstützen pflegebedürftige Menschen mit Behinderung. (Dieter Schütz/pixelio.de)

"My home is my castle": Diese Redewendung wenden nicht nur gesunde Menschen an. Auch viele Menschen mit einer Behinderung oder schweren Krankheit möchten zu Hause leben. Für die professionelle Unterstützung sorgen gemeinnützige oder private Pflegedienste.

Menschen mit einer Behinderung oder schweren Krankheit sind in ihrem Alltag auf Unterstützung angewiesen, ganz besonders wenn sie trotz ihrer Behinderung ein selbstbestimmtes Leben in ihren eigenen vier Wänden führen möchten.

Sehr oft muss für die Pflege und die Bewältigung alltäglicher Dinge die Hilfe pflegender Angehöriger in Anspruch genommen werden. Gemäß der Pflegestatistik des Statistischen Bundesamtes wurden 2011 1,76 Millionen Pflegebedürftige zu Hause versorgt, 1,18 Millionen davon durch Angehörige.

Doch diese Pflege kann Eltern und andere Angehörige mit der Zeit auch überfordern. Oder die pflegenden Angehörigen werden älter und gebrechlich, erkranken selber oder sterben. Vielleicht leben Menschen mit Behinderung wochentags auch an einem externen Wohnplatz und kehren nur für das Wochenende nach Hause zurück. Auch dann ist vielerorts Unterstützung von außen gefragt.

Pflegedienste helfen und unterstützen

Verschiedene Pflegedienste der Wohlfahrtsverbände (Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Der PARITÄTISCHE, Deutsches Rotes Kreuz, Diakonie Deutschland, Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland) oder private Pflegedienste sind dann eine Ergänzung oder Alternative bei der Pflege und Unterstützung von Menschen mit Behinderung. Sie helfen pflegebedürftigen Menschen, damit sie trotz Behinderung und Einschränkung ein möglichst selbstbestimmtes und menschenwürdiges Leben führen können.

Wichtige Rolle der Mobilen Sozialen Dienste

Mobile Soziale Dienste bieten Menschen mit Behinderung pflegerische Hilfen, hauswirtschaftliche Unterstützung, Betreuung im Studium und Beruf oder Begleit- und Fahrdienste an, von einigen Stunden im Tag bis hin zu einer 24-Stunden-Betreuung. Die spezielle Unterstützung in der Kinderkrankenpflege oder auch nur der Bezug eines Mahlzeitendienstes ist ebenfalls möglich. Geleistet wird die Unterstützung bei den freigemeinnützigen Trägern von Mitarbeitern der Pflegedienste, geschulten Absolventen des Bundesfreiwilligendienstes oder von Teilnehmern des Freiwilligen Sozialen Jahres.

Finanziert werden diese Leistungen von den Krankenkassen, Pflegekassen, Sozialhilfeträgern und den Betroffenen selbst.

Eine Pflegerin hilft einem alten Mann beim Essen. (Foto: BARMER GEK)
Pflegedienste ermöglichen Hilfsbedürftigen ein möglichst selbstbestimmtes und menschenwürdiges Leben zu Hause. (Foto: BARMER GEK)

Spezielle Hilfe für Familien mit einem behinderten Kind

Wohlfahrts- und Behindertenverbände helfen auch Familien mit einem behinderten Kind. Diese können Hilfe von den Familienentlastenden Diensten (FED), den Familienunterstützenden Diensten (FUD) oder Fachdiensten für Offene Hilfen anfordern. Das Angebot des FUD richtet sich ausschließlich an Familien, in denen ein Kind mit Behinderung lebt. Die FUD sind meist an größere Institutionen, wie zum Beispiel die Lebenshilfe gekoppelt. Ihr Angebot umfasst Dienstleistungen wie die Betreuungs- und Pflegehilfen, Fahrdienste, sozialpädagogische Betreuung und Begleitung von Familien, die sozialrechtliche Beratung oder auch die individuelle Schwerstbehindertenberatung.

Art und Umfang der Leistungen werden zwischen den Familien und den verschiedenen Diensten individuell vereinbart. Familien, die diese Form der Unterstützung in Anspruch nehmen wollen, sollten sich vom Anbieter auch bezüglich Kostenübernahme beraten lassen. Möglichkeiten der Finanzierungen bestehen über die Pflegeversicherung und über die Eingliederungshilfe. Welche Leistungen übernommen werden, entscheiden die Krankenkassen und die Sozialhilfeträger.

Assistenz ermöglicht möglichst selbstbestimmtes Leben

Immer häufiger nachgefragt wird die persönliche Assistenz. Diese ermöglicht Menschen mit Behinderung, ihr Leben so selbstbestimmt wie nur möglich zu führen. Persönliche Assistenz umfasst alle Bereiche des täglichen Lebens, in denen Menschen auf Grund ihrer Behinderung Hilfe und Unterstützung benötigen. Bei der persönlichen Assistenz fungieren die Menschen mit Behinderung als Arbeitgeber, die Assistenten oder Assistentinnen beschäftigen.

Mit dem persönlichen Budget können Menschen mit Behinderung im Rahmen der vereinbarten Kriterien und Auflagen selbst entscheiden, wann, in welchem Umfang und von wem sie Unterstützung in Anspruch nehmen möchten. In Deutschland können Menschen mit Behinderung, die Anspruch auf Teilhabeleistungen haben, seit 2008 ein "Persönliches Budget" beantragen.

Gemeinnützig oder privat?

Das Angebot an privaten und gemeinnützigen Pflegediensten ist groß. Von den insgesamt 12.300 zugelassenen ambulanten Pflegediensten befand sich 2011 die Mehrzahl in privater Trägerschaft (63 Prozent); der Anteil der freigemeinnützigen Träger betrug 36 Prozent.

Bei der Wahl des passenden Pflegedienstes sollte die Qualität der Pflege entscheidend sein, vielfach sind es aber wirtschaftliche Faktoren, die den Ausschlag geben. Menschen mit Behinderung und ihre Angehörigen können sich bei den Pflegekassen, an ihren Wohnorten, den Gesundheitsämtern, den Spitzenverbänden der Freien Wohlfahrtspflege oder den Landesverbänden der privaten ambulanten Pflegedienste über die Angebote und die nächstgelegenen Dienste informieren. Oft hilft es auch, sich im Bekanntenkreis umzuhören, wer gute oder schlechte Erfahrungen mit verschiedenen Pflegediensten gemacht hat.

Text: Patrick Gunti - 05/2013
Fotos: pixelio.de, BARMER GEK

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