Ausländische Pflegekräfte

Eine Frau schiebt eine alte Frau im Rollstuhl. (Bild: Rainer Sturm/pixelio.de)
Pflegekräfte aus dem Osten füllen eine Lücke bei der langfristigen Versorgung von alten und pflegebedürftigen Menschen. (Bild: Rainer Sturm/pixelio.de)

In Deutschland werden immer mehr ältere und pflegebedürftige Menschen von Frauen vor allem aus Polen gepflegt. Gleichzeitig häufen sich Berichte darüber, dass viele Betreuerinnen schamlos ausgenutzt werden. Wer sich nicht strafbar machen will, sollte die rechtlichen Aspekte des Engagements einer Pflegekraft aus dem Ausland beachten.

Die Menschen werden immer älter, die Zahl der Personen, die im Alltag auf Pflege und Betreuung angewiesen sind, steigt. Gleichzeitig will niemand seinen Lebensabend in einem Alters- oder Pflegeheim verbringen. Die häusliche Pflege durch gemeinnützige oder private Pflegedienste sowie Angehörige und Bekannte soll es betagten Menschen ermöglichen, so lange wie möglich daheim statt im Heim leben zu können.

Doch die häusliche Pflege und Betreuung stellt hohe Ansprüche - Ansprüche, die Angehörige oft auch überfordern: Vielfach werden die Grenzen der eigenen Belastbarkeit überschritten, öffentliche Versorgungsdienstleistungen werden gekürzt oder man kann sich die private Pflege schlicht nicht leisten.

Pflegekräfte kommen zu Tausenden

Immer öfter werden deshalb private Pflegekräfte aus meist osteuropäischen Ländern engagiert. Von hunderttausenden ausländischen Pflegekräften - zu einem Großteil aus Polen - ist die Rede, die in Deutschland den Pflegenotstand bekämpfen und betagte Menschen betreuen, pflegen, für sie einkaufen, waschen, bügeln und putzen.

Und das Geschäft boomt. Unzählige Agenturen werben um Kunden. Kein Wunder, denn Arrangements mit Pflegekräften aus dem Ausland liefern gemäß Experten die benötigten umfassenden Dienstleistungen aus einer Hand und zu einem für den Privathaushalt bezahlbaren Preis.

Pflegekräfte vielfach Opfer von Ausbeutung

Immer öfter ist aber zu vernehmen, dass die Pflegekräfte aus dem Osten schamlos ausgenutzt werden. Die Gehälter sind im Verhältnis zu den Ansprüchen und der ständigen Verfügbarkeit zu tief, die Betreuerinnen sind vielfach nicht versichert, die Arbeitszeiten übersteigen jedes zumutbare Maß.

Eine Hand hält einen Putzlappen unters Wasser. (Bild: Marianne J./pixelio.de)
Pflegekräfte betreuen nicht nur eine Person, sie führen meist deren gesamten Haushalt. (Bild: Marianne J./pixelio.de)

Schwarzarbeit: Hohe Geldstrafen drohen

Dies hat viel mit den Umständen zu tun, unter denen viele Pflegekräfte nach Deutschland kommen. Oft stellt eine betroffene Familie eine ausländische Pflegerin ein, die ihnen empfohlen wird. Sie erhält keinen Arbeitsvertrag, wird bei den Behörden nicht gemeldet und ist weder versichert noch zahlt sie Steuern.

Gegen schlechte Arbeitsbedingungen kann sich zum Beispiel eine polnische Migrantin kaum wehren, weil sie einerseits das Geld benötigt und andererseits weiß, dass sie in dieser Form einer illegalen Tätigkeit - nämlich Schwarzarbeit - nachgeht. Falls die illegale Pflege nachgewiesen wird, droht den Auftraggebern eine hohe Geldstrafe. 

Die Entsendung

Häufig erfolgt das Engagement ausländischer Pflegekräfte aber auch in Form der so genannten Entsendung, bei der meist über eine private Vermittlungsagentur eine Betreuungskraft angeheuert wird, indem die Familie mit einem ausländischen Unternehmen einen Dienstleistungsvertrag schließt. Die Betreuungskraft selbst wird dann von diesem Unternehmen in die Familie entsendet.

A1-Bescheinigung unerlässlich

Entsendeunternehmen müssen eine Vielzahl von rechtlichen Voraussetzungen beachten, um legal und ordnungsgemäß ihre Arbeitnehmer nach Deutschland entsenden zu dürfen. Darauf weist der Bundesverband Europäischer Betreuungs- und Pflegekräfte (BEBP) hin. Die einfachste und wichtigste Frage der Familie an den Entsender ist die nach der A1-Bescheinigung. Dieses Dokument bescheinigt, dass die Betreuungskraft im Heimatland ordnungsgemäß sozialversichert ist.

Wenn die Familie zum Arbeitgeber wird

Legal ist eine Entsendung auch nur, wenn das Arbeitsverhältnis zwischen dem Arbeitnehmer und dem ausländischen Arbeitgeber während des gesamten Entsendezeitraums fortbesteht. Diese Voraussetzung ist nicht erfüllt, wenn die Arbeitsanweisungen gegenüber dem Arbeitnehmer von der Familie in Deutschland ausgeübt werden - also eigentlich immer. Dies hat zur Folge, dass die Familie für den Arbeitnehmer die üblichen Sozialabgaben, Steuern etc. nach deutschem Recht zu entrichten hat.

Auch sollte die Frage geklärt werden, ob die Betreuungskraft für die Familie überwiegend grundpflegerische Tätigkeiten erbringen soll, denn dann muss ihr der deutsche Mindestlohn bezahlt werden. An diesen Mindestlohn sind nicht nur Pflegeunternehmen aus Deutschland gebunden, sondern auch solche Firmen, die in Polen oder Tschechien ansässig sind und von dort Arbeitnehmer zum Arbeiten nach Deutschland entsenden.

Bereits heute gibt es Unternehmen, die Betroffenen die Möglichkeit bietet, sich etwa durch die Vermittlung von Pflege aus Polen ein Stück Normalität und Alltag zu bewahren - unter strenger Einhaltung aller rechtlichen Grundsätze.

Keine Sprachbarrieren und Versorgung rund um die Uhr

Wenn man erfahrene Pflegekräfte aus Polen über einen professionellen Dienstleister engagiert, kann man nicht nur sicher sein, dass die rechtlichen Bestimmungen eingehalten werden. Auch die Qualifikation der Pflegekräfte wird von den Dienstleistern überwacht, sodass eine professionelle Pflege rund im die Uhr gewährleistet ist. Da Deutsch in Polen bereits in der Schule unterrichtet wird, bestehen zudem keine Sprachbarrieren. Die liebevollen polnischen Pflegekräfte können sich meist problemlos mit Personen unterhalten, die sie in Deutschland betreuen. Das erleichtert nicht nur die Pflege, es trägt auch dazu bei, dass ältere und kranke Menschen Ansprache und Abwechslung in ihrem Alltag haben.

Text: MyHandicap - 12/2013
Bilder: pixelio.de

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