Was, wenn die Pflege von Angehörigen übernommen wird?

Dame mit fragendem Blick (Rainer Sturm/Pixelio.de)
Wie sind pflegende Angehörige finanziell abgesichert? (Rainer Sturm/Pixelio.de)

Die Pflegeversicherung hat verschiedene Möglichkeiten zur Verfügung, um das Engagement pflegender Angehöriger zu unterstützen. Die zum Juli 2008 eingeführte Pflegezeit hilft, Hindernisse zu beseitigen, die durch Berufstätigkeit entstehen.

Das Pflegegeld kann zwar ein Gehalt nicht ersetzen, dient aber der finanziellen Anerkennung für Menschen, die Angehörige pflegerisch betreuen. Auch die Übernahme der Beiträge zur Sozialversicherung kann als Belohnung für den Aufwand bei der Pflege von Angehörigen verstanden werden.

Pflegezeit in Anspruch nehmen

In der Pflegereform zum 1. Juli 2008 hat der Gesetzgeber die Vereinbarkeit von beruflichen Pflichten und pflegerischen Aufgaben in der Familie verbessert. Dabei war auch die Belastungsfähigkeit von Arbeitgebern zu berücksichtigen.

Herausgekommen ist ein Kompromiss, der darauf angelegt ist, den Bedürfnissen der verschiedenen Betroffenen möglicht gerecht zu werden.
Wenn ein Angehöriger pflegebedürftig wird, können berufstätige Familienmitglieder sich für sechs Monate von der Arbeit beurlauben lassen. Sie beziehen in dieser Zeit keinen Arbeitslohn. Deshalb ist die Zeit mit unbezahltem Urlaub gleichzusetzen.

Zum Schutz der Arbeitgeber sieht das Gesetz allerdings eine Grenze vor: Pflegezeit ist nur in Unternehmen mit mehr als 14 Beschäftigten erhältlich. Kleinere Betriebe könnten durch den Ausfall eines Mitarbeiters zu stark in Mitleidenschaft gezogen werden.

Steuerfreibetrag nutzen

Für die Betreuung eines Angehörigen mit der Pflegestufe III oder der Kategorie H (Hilflosigkeit) im Schwerbehindertenausweis können Pflegepersonen in ihrer Einkommenssteuererklärung einen Steuerfreibetrag von 924 Euro geltend machen.

Diese Steuererleichterung erhalten sie nur, wenn sie für die Pflege nicht entlohnt worden sind. Leistungen aus der Pflegeversicherung des Pflegebedürftigen sind damit jedoch nicht gemeint.

Bei extrem hoher finanzieller Belastung (z.B. Beschäftigung einer Haushaltshilfe aufgrund der Pflegebedürftigkeit) kann auch ein größerer Betrag geltend gemacht werden.

Sozialversicherungen während der Pflegezeit

Besteht eine Familienversicherung, bleibt der Schutz durch Kranken- und Pflegeversicherung unverändert. Wenn dies nicht gegeben ist, muss sich der pflegende Angehörige als freiwilliges Mitglied in der gesetzlichen Kranken- und Pflegekasse aufnehmen lassen. Dort ist dann lediglich der Mindestbeitrag fällig, den die Pflegeversicherung auf Antrag übernimmt.

Auch die Arbeitslosenversicherung ist durch Leistungen der Pflegeversicherung gedeckt. Die Pflegeversicherung bezahlt grundsätzlich die Beiträge zur Rentenversicherung, sofern der pflegerische Aufwand mindestens 14 Stunden pro Woche beträgt.

Kurzzeitige Freistellung von der Arbeit

Unabhängig von der Größe des Unternehmens besteht für pflegende Angehörige die Möglichkeit, sich für maximal zehn Arbeitstage freistellen zu lassen, um die notfallmäßige Versorgung eines pflegebedürftigen Familienmitglieds sicherzustellen.

Zwar muss der Arbeitgeber für diese Tage den Lohn nicht weiterzahlen, doch die Sozialversicherungen sind lückenlos gesichert. Dieses Recht besteht zusätzlich zur Regelung der Pflegezeit.

 

Text: Bernd Hein, Foto: www.pixelio.de

Quelle: Bundesgesundheitsministerium www.bmg.bund.de

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