Absicherung pflegender Angehöriger

Nachdenklicher Mann (Martina Marten/pixelio.de)
Ehrenamtlich Pflegende brauchen eine Absicherung (Martina Marten/pixelio.de)

Die Pflege eines Angehörigen erfordert nicht nur erheblichen körperlichen und geistigen Einsatz, sondern auch die Bereitschaft, auf berufliche Ziele zu verzichten. Da das Gesundheitssystem auf dieses Engagement angewiesen ist, hat der Gesetzgeber soziale Sicherungen eingerichtet, die helfen, den Verlust durch Arbeitsausfälle zu mildern – vollständig ausgleichend wirken sie jedoch nicht.

Aus der Betreuung eines Familienmitglieds entstehen einem Pflegenden Ansprüche an die Sozialversicherung. Dies gilt allerdings nur, wenn die Pflege des Angehörigen mindestens 14 Stunden pro Woche in Anspruch nimmt. Erst ab dieser zeitlichen Grenze gilt ein ehrenamtlich Pflegender nach den Regeln des elften Sozialgesetzbuches als Pflegeperson.

Rentenversicherung

Um die Betreuung eines Angehörigen leisten zu können, schränken Pflegepersonen häufig ihre Berufstätigkeit ein oder geben sie sogar ganz auf. Zur Milderung der dadurch entstehenden finanziellen Belastung hat der Gesetzgeber die Möglichkeit eingeräumt, dass aus der ehrenamtlichen Pflegetätigkeit ein Rentenanspruch entsteht.

Wenn Pflegepersonen nicht mehr als 30 Stunden wöchentlich berufstätig sind, zahlt die Pflegeversicherung Rentenbeiträge. Wie viel Rente daraus effektiv entsteht, hängt von der Pflegestufe des zu betreuenden Menschen ab sowie von der wöchentlichen Pflegezeit.

Die Versicherungen berechnen die Rentenhöhe für Pflegepersonen mithilfe des „Durchschnittsentgelts der gesetzlich Rentenversicherten“. Darunter ist eine statistische Größe zu verstehen, die in jedem Jahr neu festgelegt wird.

Für das Jahr 2008 beträgt das jährliche Durchschnittsentgelt vorläufig 30.084 Euro. Aus einem Jahr ehrenamtlicher Pflege ergibt sich nach Auskunft des Bundesgesundheitsministeriums durchschnittlich eine Monatsrente zwischen 6,10 und 20,83 Euro.

Seit der Pflegereform vom 1. Juli 2008 werden die Rentenversicherungsbeiträge für pflegende Angehörige auch während des Urlaubs weitergezahlt.

Unfallversicherung

Pflegende Angehörige sind während der unmittelbaren Ausübung der Pflege sowie bei allen Besorgungen (z.B. Fahrten zu Ämtern, Ärzten, Therapieeinrichtungen) gesetzlich unfallversichert.

Die Unfallversicherung gilt unabhängig von der Pflegestufe des betreuten Menschen. Auch der wöchentliche Zeitaufwand spielt keine Rolle. Wichtig ist allein, dass die Pflege ehrenamtlich erfolgt und im häuslichen Umfeld stattfindet. Diese Versicherung ist für die Pflegepersonen beitragsfrei. Die Kosten tragen die Kommunen.

Arbeitslosenversicherung

Ehrenamtliche Pflege eines Angehörigen eröffnet die Möglichkeit, sich als freiwilliges Mitglied in die Arbeitslosenversicherung aufnehmen zu lassen. Die Beiträge müssen jedoch aus eigener Tasche gezahlt werden. Voraussetzung für die Aufnahme in diese Sozialversicherung ist, dass die Pflegeperson:

  • Unmittelbar vor Beginn der pflegerischen Tätigkeit arbeitslosenversichert war oder Arbeitslosengeld bekommen hat
  • In den zwei Jahren vor Beginn der pflegerischen Tätigkeit mindestens zwölf Monate lang arbeitslosenversichert war oder Arbeitslosengeld bekommen hat
  • Nicht aufgrund einer Erwerbstätigkeit anderweitig Pflichtmitglied in der Arbeitslosenversicherung ist.

Zur Aufnahme in die Arbeitslosenversicherung muss die Pflegeperson einen Antrag bei der Agentur für Arbeit stellen.

 

Text: Bernd Hein, Foto: www.pixelio.de

Quellen: Bundesgesundheitsministerium www.bmg.bund.de

Deutsche gesetzliche Unfallversicherung www.dguv.de

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