Singlebörsen für Menschen mit Behinderung

Ein Computertastatur bei der auf der Entertaste ein Herz ist. (Bild: asawolf/pixelio.de)
Für viele Menschen mit und ohne Behinderung ist es zur Selbstverständlichkeit geworden, die Liebe fürs Leben oder auch nur für den Augenblick in Singlebörsen zu suchen. (Bild: asawolf/pixelio.de)

Online-Singlebörsen boomen. Menschen mit Handicap sind für Partnerportale eine gefragte Zielgruppe. Alexandra* verrät, wie sie ihren „Gegenwartspartner“ aus dem Netz gefischt hat.

„Ich dachte immer, Online-Dating ist nur was für Menschen, die sonst keinen abbekommen“, sagt Alexandra. „Dann hat mir mein Exfreund erzählt, dass er jetzt im Internet nach einer Freundin sucht. Da dachte ich mir, wenn der im Netz nach einer Partnerin sucht, dann kann ich das auch!“ Gesagt, getan. Heute ist die 32-jährige Rollstuhlfahrerin glücklich mit einem Mann aus einer Online-Datingbörse verbandelt. Ihr Exfreund sucht allerdings immer noch.

Mit Strategie zum Erfolg

Dass Alexandras Online-Partnersuche von so schnellem Erfolg gekrönt war, liegt nicht zuletzt an ihrer ausgefeilten Suchstrategie.

Alexandra hat sich mehrere Datingportale für Menschen mit Handicap angesehen und sich dann für eines entschieden, das ihr am sympathischsten und am professionellsten erschien. „Bevor man sich für ein Portal entscheidet, sollte man sich möglichst viele Seiten ansehen und sich für einen Anbieter entscheiden, bei dem man ein gutes Gefühl hat“, erzählt Alexandra.

Sich gleichzeitig bei mehreren Portalen anzumelden, hält sie nicht für sinnvoll. „Für mich war es wichtig, dass auf dem Portal viel los ist, dass es übersichtlich ist und ein ansprechendes Design hat“, sagt Alexandra.

Bunte Smileys rundherum mit einem Laptop mit der Aufschrift "Social Media" imMittelpunkt. (Bild: Gerd Altmann/pixelio.de)
Die Partnersuche im Internet kann mit der nötigen Gelassenheit ein großer Spaß sein - und Erfolg bringen! (Bild: Gerd Altmann/pixelio.de)

Übersichtliches Flirtprojekt

Bei Flirt-Projekt fand Alexandra sympathisch, dass man auf die wichtigsten Fragen sehr übersichtlich Antworten erhält. Dass eine Premium-Mitgliedschaft hier 25 Euro im Jahr kostet, hat Sandra nicht abgeschreckt. Die 25 Euro müssen einmalig bezahlt werden und die Mitgliedschaft endet ohne Kündigung nach einem Jahr. Nur wer über eine Premium-Mitgliedschaft verfügt, kann Nachrichten verschicken oder lesen und die Fotos der anderen Mitglieder sehen. Für alle anderen sind die Fotos nicht zugänglich.

„Wir sind die seriöse Kontaktbörse für Menschen mit Handicap und solche, welche ernsthaft einen Partner mit Handicap suchen“, wirbt Flirt-Projekt auf seiner Startseite. „Die Seite scheint seriös zu sein und hat mir gut gefallen“, sagt Alexandra. Trotzdem hat sie sich nicht für eine Mitgliedschaft auf Flirt-Projekt entschieden. „Mich hat abgeschreckt, dass die Paar-Rubrik, also „Paar sucht Paar“, „Paar sucht Sie“, „Paar sucht Ihn“ und so weiter auf der Seite so präsent ist“, sagt Alexandra.

Unpersönliches Behinderten-Dating und einsamer Handicapflirt

Weniger gut gefallen hat Alexandra die Seite von Behinderten-Dating. Hier hat sie schon der Name abgestoßen. Das Foto auf der Startseite hat ihre Aversion bestätigt. „Dieses gestellte Bild hat mich sofort abgeschreckt, mich hier zu registrieren“, sagt Sandra: „Und die kleinen Fotos der User, die gleich auf der Startseite gezeigt werden, ebenfalls“.

Hier gibt es auch eine Premium-Mitgliedschaft. Diese kann man drei Tage lang kostenlos testen. Wie viel diese Mitgliedschaft kostet, erfährt man wohl erst nach den ersten drei Gratistagen. Auskunft darüber ist nirgends zu finden. „Diese Seite wirkt unpersönlich und irgendwie auch unecht“, erzählt Alexandra von ihrem Eindruck.

Besser gefallen hat Alexandra die Seite von Handicapflirt. Die Seite erscheint „wie von Menschen gemacht“, sagt Alexandra. Auch hier sieht man auf der Startseite Fotos von Usern. Diese wirken aber ganz anders. „Auf den ersten Blick fand ich die Seite sympathisch. Allerdings waren um die Mittagszeit, als ich die Seite besucht habe, null Mitglieder und null Gäste online“, erzählt Alexandra: „Auf einer Seite, die so wenig Traffic hat, wollte ich mich nicht registrieren“.

Herzchen in denen Liebe in allen Sprachen steht. (Bild: Rike/pixelio.de)
Die Partnersuche im Internet kennt für Menschen mit und ohne Behinderung keine Grenzen. (Bild: Rike/pixelio.de)

Handicap-Love: Sieger mit Fragezeichen

Anders bei Handicap-Love. Hier waren zur selben Zeit 130 User online. Das gefiel Alexandra. Die Seite ist klar strukturiert und übersichtlich gestaltet. Skeptisch machte Alexandra, dass nirgends zu lesen ist, ob eine Mitgliedschaft beziehungsweise Premium-Mitgliedschaft kostenpflichtig ist.

Da die Seite sie angesprochen hat, habe ich mir vor der Registrierung die allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGBs) durchgelesen und folgende sehr interessante Information gefunden: „Die Registrierung ist für Männer als auch für Frauen kostenlos! Nach der Registrierung haben männliche Mitglieder optional die Möglichkeit eine geringfügig kostenpflichtige Premium-Mitgliedschaft abzuschließen; ist jedoch nicht zwingend!“

Dass Männern für eine Premium-Mitgliedschaft 25 Euro zahlen müssen, steht nicht in den AGBs. Aus Interesse hat sich Sandra beim sehr praktischen Telefonsupport der jeden Mittwoch von 10:30 bis 13:00 Uhr sowie von 15:00 bis 17:30 Uhr erreichbar ist, danach erkundigt.

Diese Unterscheidung zwischen Männern und Frauen fand Alexandra seltsam. Da sie von dieser Seite jedoch überzeugt war, hat sie sich angemeldet und ihr Profil angelegt. Als Usernamen hat sie nach langem Überlegen Alexandra007* gewählt. Sie ist im Juli geboren und findet, dass die zwei Nullen vor der Sieben ihrem Usernamen einen persönlichen Touch geben.

„Alexandra7 habe ich zu langweilig gefunden. So wie eine Nummer“, erzählt Alexandra. Usernamen wie „Superschnucki“,  „Prachtstute“ oder „Skorpiongirl“ wirken für Männer eher abturnend. Interessierte Frauen werden bei Männern namens „Knutschmeister“, „StrammerMax“ oder „Straßenkater“ eher das Weite suchen. Mit einem neutralen Namen haben Sie eindeutig die besseren Chancen bei der ernstgemeinten Partnersuche.

Herzseifenblase, die gerade wegfliegen. (Bild: Wolfang Pfensig/pixelio.de)
Seien Sie bei der Erstellung Ihres Online-Profils gewissenhaft, damit der Traum von der großen Liebe keine Seifenblase ist. (Bild: Wolfang Pfensig/pixelio.de)

Herzstück Profil

Alexandra ist beim Ausfüllen ihres Profils bei allen Angaben bei der Wahrheit geblieben. „Was nützt es, wenn ich angebe, ich habe 50 Kilo, wenn ich 62 wiege?“, sagt Alexandra: „Sollte es zu einem Treffen kommen, möchte ich vorher keine Hungerkur hinter mich bringen müssen“. Bei der Fotoauswahl hat sich Alexandra für ein aktuelles Foto entschieden, auf dem auch ihr Rollstuhl noch ein bisschen zu sehen und ihr Gesicht gut erkennbar sind.

Alexandra sieht auf dem Foto gut gelaunt und natürlich aus. Sie hat alle Angaben so genau wie möglich gemacht und sich viel Zeit für das Ausfüllen ihres Profils genommen. Bevor sie ihr Profil online gestellt hat, hat sie es noch mal genau nach Rechtschreibfehlern durchsucht.

Alexandra hat nicht lange auf die ersten Zuschriften warten müssen. Die Post ist nur so in ihr Brieffach geflattert. „In meinem Maileingang haben sich auffallend viele Zuschriften von Frauen gefunden“, erzählt Alexandra. Kein Wunder, dürfen Frauen die Premium-Mitgliedschaft doch umsonst nutzen. Diesen „Frauen“ hat Alexandra nicht geantwortet.

Auch Männern, bei deren Zuschrift sie „kein gutes Gefühl“ hatte, hat sie nicht geantwortet. „Ich habe ungefähr auf jede vierte Mail geantwortet“, erzählt Alexandra: „Ob die Chemie stimmt, bekommt man sehr schnell mit. Das erkennt man nach den ersten zwei bis drei Mails. Auch Männer, die nur an meinem Handicap interessiert sind, konnte ich schnell herausfiltern“.

Weltkugeln mit Menschen drin. (Bild: Gerd Altmann/pixelio.de)
Seien Sie beim Dating nicht angespannt. Falls es nicht klappt, gibt es im Netz noch viele potenzielle Partner, die auf Sie warten. (Bild: Gerd Altmann/pixelio.de)

Datingtime – immer locker bleiben

Nach zwei Wochen hatte Alexandra ihr erstes Date. „Er hieß Martin* und wir haben uns auf Anhieb gut verstanden. Allerdings war auch schnell klar, dass nicht mehr daraus werden würde“, erzählt Alexandra. Ihr zweites Date, Olaf*, entpuppte sich als Flop. „Olaf hat weiche Knie bekommen. Er ist nicht aufgetaucht“, erzählt Alexandra: „Davon habe ich mich aber nicht einschüchtern lassen. Ich habe mir gedacht: Selber schuld!“, erzählt Alexandra.

Beim dritten Date mit Klaus* hat es dann „Zoom gemacht“. „Es war so was wie Liebe auf den ersten Blick“, erzählt Alexandra mit leuchtenden Augen. „Wir haben uns gesehen und ich habe gewusst, das könnte passen. Im Laufe des Nachmittags hat sich mein Gefühl immer mehr bestätigt. Beim zweiten Date haben wir uns zum Kinogehen verabredet und beim dritten Date zum Biertrinken. Das vierte Date hat bei Klaus in der Wohnung stattgefunden. Er hat mich zum Abendessen eingeladen. Mehr muss ich nicht erzählen“, sagt Alexandra und lächelt verschmitzt.

Alexandra und Klaus sind seit drei Monaten ein Paar. Ihre Liebe ist noch frisch. „Wenn uns wer fragt, wo wir uns kennengelernt haben, ist es mir manchmal schon noch peinlich zu sagen: im Internet“, erzählt Alexandra.

Muss es nicht sein. Jeder zweite Single glaubt, laut einer repräsentativen Studie von Infratest dimap, dass er die große Liebe in Internet finden kann. Jeder fünfte deutsche Internetnutzer hat seine Liebe fürs Leben tatsächlich online kennengelernt.

Ob es bei Alexandra und Klaus die Liebe fürs Leben ist, wird sich noch zeigen. „Klaus ist mein Gegenwartsmann! Ich genieße jeden Augenblick mit ihm“, sagt Alexandra und stahlt.

 

* Namen von der Redaktion geändert

 

Text: Michaela Hawlik – 02/2011

Bilder: pixelio.de

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