Vater und Handicap: Eine schwierige Konstellation?

Eine Behinderung muss einen nicht an Spaß hindern.
Unterwegs mit den Kindern (jürgen heimerl / pixelio.de)

Am Vatertag feiern Väter ihr Vatersein. Und wie lässt sich Vatersein mit einer Behinderung vereinbaren?

Ein paar Wochen nach dem Muttertag, immer an Christi Himmelfahrt, ist das männliche Pendant zu diesem Termin angesagt: Der Vatertag. Dieses Jahr fällt er auf den 21. Mai. Also ein Tag zu Ehren des Patriarchats? Wohl kaum. Denn erstens dürften patriarchalische Strukturen hierzulande – der Aufklärung sei gedankt – immer seltener aufzufinden sein und zweitens stehen am Vatertag eher andere Dinge im Vordergrund: die Familie oder Männerfreundschaften.

Eine berlinerische Tradition: Männertage

In der Einführung in „männliche“ Sitten liegt der Fokus von so genannten Herrentagen, wie viele Ostdeutsche den Vatertag sehen. Aber auch im Westen werden da typischerweise Ausflüge gemacht. Männerrunden hoppen von einem Gasthaus zum nächsten oder grillen am See. Dabei wird meistens viel Alkohol konsumiert. Das bestätigt das Statistische Bundesamt mit einer traurigen Bilanz: Am Vatertag geschehen dreimal so viele alkoholbedingte Verkehrsunfälle wie im Jahresdurchschnitt - und das macht leider auch aus nichtbehinderten Vätern behinderte.

Man(n) kann auch anders

Doch es gibt auch Männer, die den Vatertag anders erleben. Nämlich mit der Familie – ob als Vater oder als groß gewordener Sohn mit dem eigenen Papa. Klaus, Rollstuhlfahrer und Vater einer achtjährigen Tochter zum Beispiel. Er fährt mit seinen Eltern in den Urlaub. Auch Edmund, gehörlos, wird den Vatertag ohne seine hörenden Kinder im Teenageralter verbringen und wahrscheinlich eine Radtour oder eine Wanderung machen.

Unterschiedliche Ansichten

Was der Vatertag für die Männer bedeutet, darin scheiden sich die Geister. Edmund zollt diesem Termin eine hohe Bedeutung, auch wenn er darin einen gewissen kommerziellen Aspekt sieht, vor allem beim Muttertag. Er fühlt sich jedenfalls dadurch als Vater anerkannt, da auch er sich um die Kinder kümmere. Klaus dagegen hält den Vatertag für „vollen Schmarrn“. Für ihn sei sowieso jeder Tag ein Vatertag. Kritischer äußert sich Gunther*, der mit einer Amputation lebt und Vater eines neunjährigen Jungen ist. Er könne den Vatertag im Gegensatz zum Muttertag nicht nachvollziehen, „das endet ja nur in einem Besäufnis“.

Ein Hoch auf alle Väter?
Ein Feiertag ist meistens Grund zur Freude (filastockphoto / pixelio.de)

Vater werden ist nicht schwer… oder?

Fast alle diese Väter eint, dass sie irgendwann einen Kinderwunsch verspürten und ihn verwirklichten – trotz Behinderung. Edmund empfand seine Hörbehinderung nicht als Hindernis, um Vater zu werden. Ihm und seiner ebenfalls gehörlosen Frau war es egal, ob sie gehörlose oder hörende Kinder bekommen. „Ein Handicap ist nur eine Frage, wie man das alles managt“, bestätigt Gunther. Lediglich Klaus war skeptisch – er „dachte zuerst, das geht nicht“. Seine Frau half ihm dann, die Bedenken zu überwinden.

Ist das Schönrednerei? Nein

Gerade bei Menschen, die sich neben ihrer Behinderung auch noch mit ihrem Nachwuchs „herumschlagen“, zeichnet sich oft eine gewisse Lebensfreude, ein gesundes Maß an Optimismus aus. Nicht selten werden aus Kindern behinderter Eltern(teile) offene, selbstbewusste Menschen. Auch wenn sich das gesellschaftliche Bewusstsein allmählich auf Menschen mit Behinderung zu bewegt, stoßen diese immer noch an Barrieren. Doch mancher Vater weiß: Es lohnt sich, dagegen zu kämpfen. Insbesondere, wenn man behinderten Nachwuchs hat.

Nie „um Unterstützung angesucht“

Meint Gunther. Allerdings können nicht alle behinderten Väter auf externe Unterstützung verzichten wie er. Manchmal sind es einfach die körperlichen Einschränkungen, die einen „normalen“ Alltag – wie zum Beispiel beim Windelwechseln oder beim Gang zum Kinderarzt – erschweren. Hierfür käme tatkräftige Unterstützung in Form einer Erziehungsassistenz in Frage. Nicht selten kommen konkrete Erziehungsfragen oder auch die eigene psychische Bewältigung hinzu, weswegen Verbände und Servicestellen Beratung anbieten. Weiterführendes zum Thema Erziehungshilfe finden Sie auf den Links unten.

Ein verdienter Tag für Papas

Jeder dieser Väter – Gunther, Edmund und Klaus – wird den Tag also auf seine eigene Art feiern: mit der Familie, auf einer Tour oder als Urlaubstag. Ihnen und allen anderen Vätern – besonders mit Behinderung – wünschen wir einen schönen Vatertag, eine schöne Christi Himmelfahrt oder einfach einen schönen 21. Mai!

* Name von der Redaktion geändert

Text: TMI

Fotos: pixelio.de

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