Mutterschaft & Handicap: schön schwer

Kinder bereichern das Leben.
Ein Handicap ist kein Hindernis für Mutterschaft (marabou/pixelio.de)

Viele Frauen mit Handicap entscheiden sich für eine Mutterschaft. Mutter zu sein, ist nie leicht. Mit Handicap ist es noch ein Stückchen schwerer.

Kerstin Weiß ist seit 17 Jahren Mutter und trägt ein starkes Nervenkostüm. Kein Wunder bei vier Kindern. Kerstin Weiß ist Gründungsmitglied des Bundesverbands behinderter und chronisch kranker Eltern bbe e.V. Wie alle anderen Mitarbeiter ist Kerstin Weiß Selbstbetroffene.

Wunsch nach Mutterschaft

Die vierfache Mutter ist seit ihrer Querschnittslähmung Rollstuhlfahrerin. Mit 25 Jahren entschloss sie sich trotz ihrer Behinderung ein Kind zu bekommen. „Vor 17 Jahren, war das alles andere als selbstverständlich, dass eine Frau mit Behinderung ein Kind bekommt“, erzählt Weiß. Leider ist es das bis heute noch nicht.

Hürde Elternassistenz

Auch 2009 ist das Recht auf Elternassistenz gesetzlich nicht verankert. Es liegt in der Willkür des einzelnen Sachbearbeiters diese zu gewährleisten. „Das Durchsetzen der Finanzierung der nötigen Assistenzleistungen ist das größte Problem, dem Mütter mit Behinderung gegenüberstehen“, sagt Weiß. Auch die Finanzierung der nötigen Hilfsmittel ist gesetzlich nicht geregelt. Pflichtversicherungen sind lediglich für Hilfsmittel, die die pflegebedürftige Person selbst benötigt, zuständig.

Geschätzte Zahlen

Trotz all dieser finanziellen Schwierigkeiten, entscheiden sich in Deutschland und in der Schweiz viele Frauen mit Behinderung bewusst für eine Mutterschaft. „Mindestens 50.000 Mütter mit Behinderung müssen es in Deutschland nach unseren internen Schätzungen sein“, sagt Kerstin Weiß. Offizielle Zahlen gibt es nicht. Weder die Anzahl von Frauen mit Behinderung noch die der behinderten Mütter sind statistisch erfasst.

Situation in der Schweiz

In der Schweiz leben laut Angie Hagemann von Avanti Donne geschätzte 225.000  Frauen mit einschneidenden Beeinträchtigungen. Wie viele von ihnen Mütter sind, ist nicht bekannt. Über eine Kämpferinnennatur müssen Mütter mit Behinderung sowohl in Deutschland als auch in der Schweiz verfügen. „Der Versicherungsschutz ist insgesamt unbefriedigend. Insbesondere, da eine behinderte Frau durch eine Schwangerschaft unter Umständen finanziell schlechter gestellt wird. Hinzu kommt der psychosoziale Rechtfertigungsdruck“, erklärt Hagemann die Situation behinderter Mütter in der Schweiz.

Wie schafft frau das bloß?

Wie kann man all diese finanziellen und sozialen Hürden als Mutter mit Behinderung überhaupt bewältigen? „Man muss hartnäckig sein und immer wieder Widerspruch einlegen“, rät Kerstin Weiß. Bis ihr jüngstes Kind 12 Jahre alt ist, wird sie, dank viel Durchsetzungskraft, noch Assistenz für ihre Kinder finanziert bekommen. Und dann? „Dann sind die Kinder groß genug. Dann müssen sie alles selbst können“, sagt Weiß mit einem zynischen Unterton in der Stimme.

Recht so!

Missen möchte Kerstin Weiß ihre gut organisierte Großfamilie an keinem einzigen Tag. Jede Frau hat das Recht auf Mutterschaft. Jede Frau hat das Recht an der Erziehung ihres Kindes. Und jede Frau, die den Wunsch und die Möglichkeit hat Mutter zu sein, sollte dabei bestmöglich unterstützt werden. Rechtlich, finanziell und sozial. 


Tipp: Broschüre „Kinderanhänger für E-Rollstuhl gesucht“ vom bbe. e.v.

Bezugsstelle: Bundesministerium für Familien, Senioren, Frauen und Jugend

Telefon: 01 80 – 5 32 93 29

E-Mail: broschuerenstelle(at)bmfsfj.bund(dot)de


Text: MHA

Foto: geralt /pixelio.de

Sie haben noch Fragen? Stellen Sie diese gleich hier im Forum!