Barrierefreie Spielplätze für alle

Der barrierefreie Vorzeigespielplatz im Tierpark Hellabrunn in München begeistert Jung und Alt. (Foto: Lothar Köppel)

Kinder mit Behinderung wollen spielen wie alle Kinder. Barrierefreie Spielplätze fördern nicht nur ihren Spieltrieb, sondern auch ihre Fähigkeiten.

Max ist neun Jahre alt. Er ist seit seiner Geburt im Rollstuhl unterwegs. Nicht immer. Max liebt es sich mit einem Fuß durch die Wohnung zu schieben und noch viel mehr liebt er Spielplätze.

Schon allein das Wort „Spielplatz“ bringt Max zum Strahlen. Nichts macht ihn glücklicher, als mit anderen Kindern die vielfältige barrierefreie Spielplatzwelt zu erobern. Dass Max und viele andere Kinder mit Behinderung auf dieses Vergnügen nicht verzichten müssen, dafür sorgen immer mehr barrierefreie Spielplätze in Deutschland.

Max kennt sich besonders auf den barrierefreien Spielplätzen in München gut aus. Sein Lieblingsspielplatz befindet sich im Tierpark Hellabrunn am Streichelzoo.

Barrierefreie Vorzeigespielplätze

Lothar Köppel hat diesen barrierefreien Spielplatz entworfen. Der Landschaftsarchitekt weiß, wovon Kinder mit Behinderung träumen. Seit Anfang der 80er Jahre setzt sich Köppel mit den Themen Barrierefreiheit und barrierefreier Spielplatz auseinander.

„Ein barrierefreier Spielplatz muss die ganze Vielfalt abdecken. Eine ebene Fläche mit fünf behindertengerechten Spielgeräten ist kein lustvoller Spielort“, weiß der Experte aus Mühldorf am Inn.  Dem Landschaftsarchitekten ist wichtig, dass seine Spielplätze als „normale“ Spielplätze wahrgenommen werden und von allen Menschen genutzt werden können.

Ja richtig, „Menschen“! Lothar Köppel möchte mit seinen Spielplätzen Jung und Alt zum Mitmachen animieren, Menschen mit und ohne Behinderung. Altersbeschränkungen gibt es bei seinen barrierefreien Spielplätzen ganz bewusst keine. „Je nach Fähigkeiten sollen Möglichkeiten zum Spielen bereit gestellt werden“, erklärt der Landschaftsarchitekt.

Barrierefreie Spielplätze erfreuen sich immer größerer Beliebtheit. Ein gesammeltes Verzeichnis aller barrierefreien Spielplätze Deutschlands ist in Planung. (Foto: Lothar Köppel)

Mit Knowhow zum Trendsetter

Ende der 80er Jahre leistete Köppel Pionierarbeit. Er realisierte den ersten barrierefreien Spielplatz Deutschlands in München. Ein Spielplatz dieser Art passte nicht in die bestehenden gesetzlichen Normen eines Spielplatzes. Ein Normenausschuss wurde gegründet und entsprechende Normen für barrierefreie Spielplätze entwickelt, die alle fünf Jahre aktualisiert werden.

Heute boomen Spielplätze, die keinen Mensch beim Mitmachen behindern. „Endlich, nach fast zwanzig, dreißig Jahren geht der Trend eindeutig zu barrierefreien Spielplätzen“, freut sich Lothar Köppel.

Ein Grund für diesen Trend ist sicher das attraktive Erscheinungsbild der meisten barrierefreien Spielorte. Dafür bedarf es fachmännischem Knowhow. „Barrierefreie Spielplätze sind nicht teurer als nicht barrierefreie. Man muss das Projekt nur von Anfang an richtig anpacken und mit Fachleuten kooperieren“, rät Lothar Köppel und weist auf die Fördermöglichkeiten hin, die bei Einreichung eines gut geplanten Projektes gewährleistet werden.

Alle Kinder lieben das Karussell. Auch auf dem barrierefreien Spielplatz darf es nicht fehlen. (Foto: Lothar Köppel)

Vielfalt für Spielspaß

Max begeistert sich am Spielplatz Hellabrunn immer wieder für andere Spielgeräte. Im Moment hat es ihm der 12 Meter hohe Kletterturm besonders angetan. Der behinderte Bub kann zwar nicht bis zur Spitze klettern, aber dass er immer ein bisschen weiter hinauf kommt, motiviert ihn unheimlich.

Kletter-, Rutsch- und Schaukelelemente dürfen auf keinem Spielplatz fehlen. In der Regel spielt sich das Geschehen auf zwei Ebenen mit Unter- und Überfahrungen ab. Die Vielfalt macht den Reiz aus. Die Einbindung der Natur und Landschaft durch Baumhäuser, Heckenlabyrinth, Sinnesparcours, Sand- und Wasserspiel ist bei der Planung eines barrierefreien Spielplatzes elementar. Behindertengerechte Spielgeräte gibt es bereits serienmäßig zum Beispiel bei der Firma Kinderland.

Barrierefreiheit beginnt in den Köpfen

Wesentlich ist, dass nicht nur der Spielplatz selbst barrierefrei gestaltet ist, sondern das gesamte Umfeld, sprich der Eingangsbereich, der Anreiseweg von der Wohnung und die Köpfe der Menschen. „Bei Kindern fällt die Hemmschwelle gegenüber Kindern mit Behinderung sofort“, sagt Köppel.

In Arbeitsgruppen mit Nutzerbeteiligung hat der Landschaftsarchitekt beobachtet, dass Kinder mit Behinderung oft besonders kreativ spielen und ihnen ihr Handicap spezielle Fähigkeiten verleiht, von denen nicht behinderte Kinder profitieren können.

Spielplätze sind Begegnungsorte. Hier treffen sich Menschen unterschiedlichen Alters, aus verschiedenen Gesellschaftsschichten, Menschen mit und ohne Behinderung. „Durch das Spiel liegen unsere Herzen offen dar“, sagt Ovid. Wer Max und alle anderen Kinder und Erwachsenen mit und ohne Behinderung auf einem barrierefreien Spielplatz in ihrem Element beobachtet, wird dem römischen Dichter Recht geben.  

 

Text: Michaela Hawlik - 03/2010

Fotos: Köppel

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