Elternzeit & Elterngeld mit Behinderung

Ein junges, fröhliches Pärchen liegt im sommerlichen Gras
Steht eine Schwangerschaft an, sind das Elterngeld sowie die Elternzeit rechtzeitig zu beantragen. (Foto: DAK-Egel)

Auch Menschen mit Behinderung werden Eltern und wollen sich um ihren Nachwuchs kümmern. Beim Elterngeld sowie bei der Elternzeit gibt es einige Ausnahmeregelungen. Hier erfahren Sie mehr darüber.

Sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin beginnt bei jeder schwangeren Frau der Mutterschutz, der bis zu acht Wochen nach der tatsächlichen Geburt anhält. Ausnahmslos. Das bedeutet aber auch, dass es für schwerbehinderte oder chronisch kranke Frauen keine generelle Sonderregelung gibt. Der behandelnde Arzt kann jedoch eine frühzeitige Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ausstellen, wenn der berufliche Alltag Risiken oder unverhältnismäßige Belastungen für Mutter und Kind in sich birgt.

Dem Mutterschutz wird nach zwei Monaten, nachdem das Kind geboren wurde, in der Regel nahtlos das Elterngeld angeknüpft (die Mutterschutz-Wochen werden aber verrechnet). Das Elterngeld ist eine Lohnersatzleistung, die seit 2007 Müttern und Vätern ermöglicht, sich maximal 14 Monate lang um das Kind zu kümmern. Ab dem 1. Januar 2013 haben sich die Bestimmungen so vereinfacht, dass fortan das Bruttogehalt die Berechnungsgrundlage des Elterngeldes darstellt – statt wie bisher das reale Nettogehalt.

Elterngeld: Behindertenpauschbetrag wird nicht berücksichtigt

Vom durchschnittlichen Bruttogehalt der letzten zwölf Monate werden dabei pauschale Abzüge für Steuern sowie Sozialausgaben abgezogen und von diesem fiktiven Nettogehalt werden dann 65 Prozent als monatliches Elterngeld ausgezahlt – jedoch mindestens 300 Euro und höchstens 1.800 Euro. Der Behindertenpauschbetrag, den schwerbehinderte Menschen bei der Einkommenssteuerberechnung geltend machen können, findet allerdings keine Berücksichtigung beim Elterngeld, bestätigt das Zentrum Bayern Familie und Soziales (ZBFS).

Das Bundeselterngeld- und Elternzeitgesetz (BEEG) sieht beim Elterngeld einen Bezugszeitraum von 12 bis 14 Monaten vor. Die Monate können beliebig zwischen den Elternteilen aufgeteilt werden, aber um die vollen 14 Monate zu beziehen, müssen beide Elternteile jeweils mindestens zwei Monate lang die Betreuung des Kindes übernehmen. Ausnahmen gelten für Alleinerziehende sowie wenn „der andere Elternteil wegen einer schweren Krankheit oder Behinderung sein Kind nicht betreuen kann und zugleich eine Einkommensminderung vorliegt“, so das ZBFS. Diesen stehen dann auch die vollen 14 Monate zu.

Ein Kleinkind gibt seiner telefonierenden Mutter im Businessdress ein Plastiktelefon, im Hintergrund der bügelnde Vater
Mit dem Elterngeld können Eltern eine berufliche Auszeit nehmen, um sich um das Kind zu kümmern. (Foto: DAK/Wigger)

Voller Elterngeldbezug bei schwerbehindertem Partner

Zudem sieht das BEEG die Möglichkeit vor, dass Verwandte dritten Grades – beispielsweise (Ur)Großeltern, Onkel und Tanten oder Geschwister – die Kindesbetreuung übernehmen und somit Elterngeld beziehen können. Auch hier muss eine ärztliche Bescheinigung der Betreuungsunfähigkeit (etwa aufgrund der Schwerbehinderung oder eines Todes) vorliegen.

Für nichtbehinderte Eltern, die ein behindertes Kind haben und sich ein weiteres Kind wünschen, ist diese Regelung interessant: Beim Geschwisterbonus, der dann gewährt wird, wenn das nächstältere Geschwisterkind zum Zeitpunkt der Geburt das vierte Lebensjahr noch nicht erreicht hat.

Konkret bedeutet der Geschwisterbonus eine Erhöhung des ausgezahlten Elterngeldes um 10 Prozent, mindestens jedoch um 75 Euro. „Die Altersgrenze zu dem Geschwisterbonus erhöht sich jedoch bei behinderten Geschwisterkindern auf 14 Jahre“, heißt es vom ZBFS.

Bonusregelung für behinderte Geschwisterkinder

Jedes Elternteil hat zudem einen Anspruch auf Elternzeit, die unbezahlte Beurlaubung von der Arbeit bis zu drei Jahre lang inklusive der gesetzlich sicheren Rückkehr in den Beruf. Falls sich inzwischen ein Härtefall ergibt – etwa eine schwere Behinderung beziehungsweise Erkrankung des Kindes oder des Partners –, kann die Elternzeit vorzeitig beendet oder verlängert werden und zwar innerhalb von vier Wochen vor dem regulären Ende. Hierfür muss allerdings der Arbeitgeber seine Zustimmung erteilen.

Mehr rund um das Elterngeld und die Elternzeit erfahren Sie in der Broschüre vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) „Elterngeld und Elternzeit“. Bei speziellen Fragen können Sie sich an unser Forum wenden.

 

Text: Thomas Mitterhuber

Fotos: DAK-Gesundheit

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