Behinderung verhindert Liebe nicht

Annette Schwindt auf Schoß von Rollifahrer Thomas Reis
Die 2sames Initiatoren Annette Schwindt und Thomas Reis (Foto: 2sames)

Auf 2sames.de sind Beziehungen zwischen Partnern mit und ohne Behinderung dokumentiert. Ziel des Projektes ist es, Schwellenängste abbauen. Die unterhaltsamen Geschichten der Beziehungen zeigen, dass barrierefreie Beziehungen genauso sind wie auch die Fussgänger eine Beziehung erleben.

Annette (32) hat Rollifahrer Thomas (32) beim Chatten kennengelernt. Heute sind sie verheiratet und leben zusammen in Bonn. Nicht jeder kann verstehen, dass die beiden eine ganz normale Ehe führen.

Vorurteilen begegnen

Menschen, die mit dem Thema Behinderung kaum konfrontiert werden, reagieren mit Unsicherheit und Vorurteilen auf Menschen mit Behinderung. Dabei sind solche Beziehungen wie die zwischen Annette und Thomas nicht anders ist als die zwischen Nichtbehinderten.

Wie kann man den Menschen also Zugang zu diesem Thema verschaffen? Ein behinderter Freund, ebenfalls mit einer Fussgängerin verheiratet, gab den entscheidenden Anstoß: "Du musst keine Aktivistengruppe gründen, um etwas zu bewirken. Was glaubst Du, was Ihr schon allein dadurch bewirkt, dass die Leute Euch zusammen sehen?" Genau dieses Ziel verfolgt die Website 2sames.de (sprich: "Zweisames"). Sie erzählt rund 30 Geschichten von Paaren, die sich kennengelernt und verliebt haben und nun gemeinsam durchs Leben gehen.

Normal und doch besonders

Wer sich auf die Geschichten einlässt, lebt und freut sich mit den Paaren oder ärgert sich über eine verpasste Chance (die dann doch noch in das Happy-End mündet). Die Geschichten sind interessant und vermitteln Romantik pur. Manchmal kann man auch nur herzhaft lachen. 

Und mit jeder Geschichte wird deutlicher: Was da passiert, ist nicht anders als sonst. Eigentlich eine banale Schlussfolgerung. Und trotzdem sind die Liebesgeschichten etwas Besonderes, so besonders wie jede Liebesgeschichte eben.

Starke Menschen

Das Besondere der Liebesgeschichten zwischen nichtbehinderten und behinderten Menschen tritt hervor, wenn etwa Fußgänger Werner der Rollstuhlfahrerin Kerstin gesteht, dass eine Familie sicher gar kein Verständnis für die junge Liebe haben werde.

Und doch ist er überzeugt, dass ihre Liebe stärker ist als die Bedenken jener Menschen, die vielleicht nicht verstehen. Zum  Beispiel Werners Bruder, der nicht mehr mit ihm spricht.

Werner zieht daraus den richtigen Schluss: "Aber ich denke, es kommt darauf an, was wir beide füreinander empfinden, nicht, was andere darüber denken." Das Webprojekt 2sames.de lässt die Umwelt hinschauen und mitempfinden. Die Lesenden erhalten das, was behinderte Menschen ebenfalls wollen: Teilhabe. Das Projekt sucht noch weitere Paare und deren Geschichten.

Text: Dominik Feusi

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