Echte Chancen statt formaler Gleichberechtigung - unser Thema zum Weltfrauentag 2019

Freitag, 8. März 2019

Auf der Welt leben derzeit 3,85 Milliarden Frauen. Um an ihre Situation zu erinnern und Themen, die die Frauen in besonderer Weise betreffen, ins Bewusstsein zu rücken, wird am 8. März der Weltfrauentag begangen.

Dass Frauen an Universitäten studieren ist völlig normal, in Unternehmen leisten sie einen wertvollen Beitrag, selbst bei der Bundeswehr – einer Männerdomäne – haben sie ihren festen Platz. Kurzum: Die Gleichberechtigung von Mann und Frau ist Realität. Warum also feiern wir ihn, den Weltfrauentag?  Ein Welttag, so sagen es die Vereinten Nationen, soll „an internationale Themen und aktuelle Weltprobleme“ erinnern. Doch welche Themen sind es, die Frauen besonders bewegen? Welche aktuellen Probleme müssen gelöst werden?

In Deutschland ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie eine der dringlichsten Fragen. Frauen haben es immer noch viel zu oft schwer, einen Betreuungsplatz für ihre Kinder zu erhalten. Viele arbeiten in Teilzeit oder bleiben Zuhause, weil die Bedingungen es nicht anders zulassen. Das hat gravierende Folgen: Frauen schaffen es seltener in Führungspositionen, auch weil sie aufgrund der Kinderbetreuung  weniger stark im Unternehmen verwurzelt sind. Sie verdienen im Durchschnitt weniger Geld und bekommen  im Alter eine geringere Renten. Und das alles, obwohl Frauen mindestens so gut qualifiziert sind, wie ihre männlichen Kollegen: Deutlich mehr Mädchen als Jungen besuchen das Gymnasium, ihr Anteil unter den Abiturienten ist höher, auch bei den Hochschulabschlüssen haben sie die Nase vorn.

Wie weit sind wir also gekommen mit der Gleichberechtigung? Diese Frage offenbart ein generelles Problem, das weit über die Situation der Frauen hinausreicht und ebenso gut auf Menschen mit Behinderung zutreffen könnte. Die Schwierigkeit beginnt bereits beim Begriff „Gleichberechtigung“, was nicht mehr heißt als „jedem die gleichen Rechte zugestehen“. Wenn das der Maßstab ist, sind wir alle gleichberechtigt: Männer, Frauen, Gesunde und Kranke, Behinderte sowieso. Aber reicht das aus?

Teilhabe stärken durch gute Rahmenbedingungen

Anstatt der gleichen Rechte, braucht es die gleichen Chancen. Jeder sollte in der Lage sein, sein Leben so zu gestalten, wie es ihm beliebt. Jeder sollte seine individuellen Stärken einbringen können und gemeinsam mit anderen leben und arbeiten. Damit das möglich ist, genügt es nicht, Menschen dieselben Rechte einzuräumen. Man muss auch Bedingungen schaffen, die es ermöglichen, das Recht in die Tat umzusetzen. Für Frauen bedeutet das gleiche Löhne für gleiche Arbeit, bessere Kinderbetreuungsmöglichkeiten und eine Anerkennung von Familienzeiten bei der Rente. Und für Menschen mit Behinderung?

Menschen mit einem Handicap erleben Gleichberechtigung dann, wenn sie tatsächlich in der Mitte der Gesellschaft stehen – in der Schule, im Verein und am Arbeitsplatz. Inklusion wird dann erfolgreich sein, wenn Teilhabe gelebt wird. Statt starrer Regeln braucht es echte Chancen. Das gilt für alle Menschen, am Weltfrauentag genauso wie an den restlichen 364 Tagen im Jahr.