Bedeutung von Führung für den Erhalt der Arbeitsfähigkeit

Junger Businessman sitzt am Schreibtisch über Papieren. (Bild: Benjamin Thorn/pixelio.de)
Arbeitsgeber müssen ihre Unternehmen älteren Arbeitsnehmern anpassen. (Bild: Benjamin Thorn/pixelio.de)

Die Gesellschaft wird immer älter und Arbeitsnehmer arbeiten länger. Unternehmen müssen sich diesen Veränderungen anpassen, wenn sie nicht wichtige Arbeitskräfte verlieren wollen. Untersuchungen am CDI-HSG haben ergeben, dass durch gezielte Führung die Arbeitsfähigkeit bis ins höhere Alter erhalten werden kann.

Das Center for Disability and Integration (CDI) an der Schweizer Hochschule St. Gallen forscht zur Integration von Menschen mit Behinderung für eine inklusive Gesellschaft und berichtet, dass sich der Arbeitsmarkt in Deutschland in den kommenden Jahren nachhaltig verändern wird.

Alternde Arbeitsgesellschaft

Anhand von Erhebungen geht das Deutsche Statistische Bundesamt (2009) davon aus, dass sich die Anzahl der Menschen im erwerbstätigen Alter von knapp 50 Millionen im Jahr 2010 auf circa 36 Millionen im Jahr 2060 verringern wird.

Gleichzeitig wird sich das Durchschnittsalter der Menschen erhöhen. Das heißt, es wird mehr sehr viel mehr ältere erwerbslose Menschen geben. „Diese demographischen Veränderungen stellen Unternehmen vor schwierige Herausforderungen“, prophezeien Stephan Böhm, Direktor des CDI und seine Forschungskollegen.

Länger gesünder arbeiten

Viele Unternehmen stellen häufig bevorzugt junge Arbeitnehmer ein. So haben 2001 mehr als 50 Prozent der deutschen Unternehmen keine Arbeitnehmer über 50 Jahren beschäftigt, wie aus einer Studie hervorgeht. Diese Praxis wird aber nicht so weiterbestehen können, denn durch die genannten Veränderungen in der demographischen Zusammensetzung der Gesellschaft sowie das steigende Renteneintrittsalter werden Unternehmen zunehmend auch auf ältere Arbeitnehmer angewiesen sein.

Somit wird die möglichst lange Erhaltung der Arbeitsfähigkeit zu einem zentralen Thema. In einer umfassenden Studie wurde der Einfluss von Führung auf die Entwicklung der Arbeitsfähigkeit über die Zeit hinweg untersucht. Dabei zeigten sich große Unterschiede zwischen Unternehmen, die ein Gesamtkonzept mit individueller Gesundheitsförderung, ergonomischen Massnahmen und verbessertem Führungsverhalten hatten, Unternehmen, die nur individuelle Gesundheitsförderung anboten und Unternehmen, die keinerlei Maßnahmen ergriffen.

Anpassungen ab 50

Bei Arbeitnehmern im Alter von 45 Jahren schienen sich diese Maßnahmen noch nicht gross auszuwirken, ab einem Alter von circa 53 Jahren zahlte sich ein Gesamtkonzept stark aus. Ohne Maßnahmen fiel die Arbeitsfähigkeit rapide ab und auch bei individuellem Gesundheitsmanagement ergaben sich noch deutlich schlechtere Ergebnisse als bei einer Kombination aus individueller Gesundheitsförderung, ergonomischen Maßnahmen und an gepasstem Führungsverhalten.

Silhouette eines Geschäftsmannes vor Kreisen mit dem Wort "Entwicklung". (Bild: Gerd Altmann/Shapes:AllSilhouettes.com/pixelio.de)
Durch Entwicklung können Arbeitnehmer dem Unternehmen länger erhalten bleiben. (Bild: Gerd Altmann/Shapes:AllSilhouettes.com/pixelio.de)

„Gutes Führungsverhalten und gute Arbeit von Vorgesetzten ist der einzige hochsignifikante Faktor, für den eine Verbesserung der Arbeitsfähigkeit zwischen dem 51. und dem 62. Lebensjahr nachgewiesen wurde“, schlussfolgert die Forschung.

Altersgerechter Arbeitsplatz

Doch wie kann eine solche alter(n)sgerechte Führung aussehen? Zunächst sollen Führungskräfte realistische und vorurteilsfreie Einschätzungen des Leistungsvermögens älterer Arbeitnehmer vornehmen, was durch Zielvereinbarungsgespräche erreicht werden kann, in denen gegebenenfalls auch Leistungseinschränkungen thematisiert werden sollen.

Führungskräfte sollen die Leistung fair bewerten und Anerkennung für Erreichtes aussprechen. Dies zeigt dem Arbeitsnehmer Wertschätzung. Sinnvoll kann es zudem sein, auf gewisse generationale Besonderheiten einzugehen und zum Beispiel das eigene Kommunikationsverhalten entsprechend anzupassen. Gerade ältere Mitarbeiter schätzen eher das persönliche Gespräch und verzichten gerne auf eine ausschließlich elektronische Kommunikation.

Auch alter(n)sgerechte Erwerbsverläufe, also beispielsweise durch veränderte Aufgaben im Laufe der Zeit, können zur Erhaltung der Motivation und Leistungsfähigkeit von älteren Arbeitnehmern beitragen. Dazu braucht es hohe Flexibilität in Bezug auf Arbeitszeitmodelle, die Teilzeitarbeit oder sogenannte „Sabbaticals“ (bezahlte oder unbezahlte Freistellungen für einen längeren Zeitraum) ermöglichen.

Dialog und Austausch

Durch aktive Dialoge können nicht nur generelle Schwierigkeiten vermieden werden, sondern auch mögliche Spannungen zwischen verschiedenen Altersgruppen können so und durch Erfahrungsaustausch zwischen älteren und jüngeren Arbeitnehmern vermieden werden.

Auch die bewusste Zusammenstellung altersgemischter Teams können Führungskräfte forcieren. Zuletzt spielen Weiterbildungsmaßnahmen auch bei älteren Arbeitnehmern eine wichtige Rolle, um sich an die stetig verändernde Anforderungen anpassen zu können. Mit Hilfe all dieser Maßnahmen können Führungskräfte einen entscheidenden Beitrag zur Erhaltung der Arbeitsfähigkeit bei älteren Mitarbeitern leisten.

 

Text: M. Plattner/hcp-journal.de - 02/2012

Bilder: pixelio.de

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