Barzahlung, Kredit, Finanzierung: Wie Sie Ihr umgebautes Auto bezahlen

Rotes Spielzeugauto auf Eurogeld
Bei einem Neuwagenkauf müssen Sie trotz Kfz-Hilfe für einen Teil selbst aufkommen. (Michael Staudinger/pixelio.de)

Menschen mit Behinderung, die auf ein Auto angewiesen sind, erhalten unter bestimmten Voraussetzungen Zuschüsse - jedoch nicht in voller Höhe. Für den Rest müssen sie selbst aufkommen. Hierfür gibt es verschiedene Finanzierungsmodelle.

Wenn Ihr Fahrzeug behindertengerechte Anpassungen benötigt, damit Sie es für den Weg zu Ihrer Arbeits- oder Bildungsstätte nutzen können, werden die Umbaukosten laut der Kraftfahrzeughilfe-Verordnung (KfzHV) in kompletter Höhe von Ihrem jeweiligen Rehabilitationsträger übernommen. Mehr zu den Möglichkeiten, ein Auto samt behindertengerechten Umbau zu erhalten, erfahren Sie hier.

Für das Fahrzeug an sich sieht die KfzHV allerdings in der Regel nur einen Zuschuss bis zu einem bestimmten Höchstbetrag vor - je nachdem, wie viel der Betroffene verdient. Die Ausnahme, um einen höheren Zuschuss zu erhalten, bildet der §5 Abs. 2 der KfzHV, der es ermöglicht, einen höheren Förderbetrag als behinderungsbedingten Mehraufwand bis zur Vollförderung zu bewilligen. Den Restbetrag müsste der Autokäufer ansonsten aus eigener Tasche bezahlen. Für diese Finanzierung gibt es verschiedene Möglichkeiten, die wir Ihnen hier vorstellen.

Vergünstigungen für behinderte Neuwagenkäufer

Von den Gesamtkosten eines Neuwagens wird zunächst, falls die Voraussetzungen vorliegen, der Behindertenrabatt vom jeweiligen Hersteller abgezogen. Die Ermäßigung beträgt in der Regel zwischen 15 und 20 Prozent und kann auch dann geltend gemacht werden, wenn Sie einen Zuschuss für den Autokauf erhalten. "Je nach Situation des Antragsstellers gibt es im Regelfall eine bestimmte Summe als Zuschuss, maximal jedoch 9.500 Euro", sagt Achim Neunzling vom Bund behinderter Autobesitzer e.V. (BbAB).

Wenn Sie mit einem Fahrzeugzuschuss rechnen, empfiehlt es sich, erst die Zusage vom Kostenträger einzuholen und dann beim Autohändler einzureichen. Dann wird der Teilzuschuss auf der Rechnung vermerkt und der Betrag wird in der Regel vom Kostenträger direkt an den Händler überwiesen. "Häufig wird, wenn vorhanden, das alte Auto in Zahlung gegeben", weiß Udo Späker vom Fahrzeugumrüster KADOMO.

Um für die Differenz des Neuwagens aufzukommen, stehen Ihnen einige Möglichkeiten zur Verfügung. Sie können bei ausreichender Liquidität bar zahlen - verhandeln Sie dazu mit dem Autoverkäufer um ein Skonto bei Sofortzahlung. Sie können aber auch bei der Bank Ihres Vertrauens einen Kredit für die Restsumme aufnehmen und damit das Auto sofort bezahlen. Den Kredit zahlen Sie dann in monatlichen Raten ab.

Finanzierung auch bei Autoumrüstungen

Oder Sie nutzen das Finanzierungsmodell, das mittlerweile jedes Autohaus im Angebot hat. Auch hier gilt der Behindertenrabatt der Hersteller. Außerdem können Sie in der Regel selbst über die Konditionen entscheiden: Laufzeit, Höhe der Anzahlung, monatliche Rate und Schlussrate. Je mehr Sie zum Beispiel anfangs anzahlen, umso billiger werden die monatlichen Raten und die Schlussrate, mit der das Fahrzeug endgültig in Ihr Eigentum übergeht. Sie können aber auch nach der Laufzeit auf den Wagen (samt Anpassungen) verzichten, indem Sie die Schlussrate nicht zahlen.

Ein elektrischer Dachlifter verlädt einen Faltrollstuhl automatisch in die Dachbox
Bei einem umgerüsteten Auto macht Leasing nur begrenzt Sinn, da der Wagen nach einigen Jahren zurückgegeben werden muss. (Foto: Ford-Werke GmbH)

Behindertengerechte Anpassungen werden dagegen vom Umrüster separat abgerechnet, die Kosten werden ebenfalls vom jeweiligen Kostenträger beglichen. Aber es gibt auch Kunden, die die Umrüstungskosten selbst teilweise oder in voller Höhe übernehmen: "Hier zahlen die meisten Kunden den Differenzbetrag aus eigener Tasche, indem sie entweder Geld gespart haben oder einen Kredit aufnehmen. Häufig kommt auch eine Teilzahlung über Stiftungen hinzu", so Späker.

Angebote, bei denen Neuwagen und Anpassungen aus einer Hand präsentiert werden, gibt es ebenfalls, weiß Späker: "Wir bieten es regelmäßig an. Je nachdem, wenn ein Hersteller einen besonderen Rabatt gewährt und wir gleichzeitig ein guten Umbaupreis anbieten können, dann bieten wir das als Paketlösung an." Die Gesamtkosten können dann beispielsweise über einen Kredit bei der Hausbank von KADOMO abgewickelt werden.

Leasing nicht ratsam, insbesondere bei Umbau

Leasingmodelle sind nur dann für Menschen mit Behinderung sinnvoll, wenn keine (größeren) Umbauten erforderlich sind. Denn beim Leasing wird der gemietete Wagen nach einer bestimmten Laufzeit - typischerweise drei oder vier Jahre - zurückgegeben. Wird ein neues Fahrzeug angeschafft, müsste er wieder umgerüstet werden. Die Kraftfahrzeughilfe-Verordnung sieht jedoch lediglich alle fünf Jahre eine Neuförderung vor, etwaige Umbaukosten müssten Sie aus eigener Tasche zahlen.

Falls Sie sich dennoch für Leasing entscheiden, gibt es bei einigen Herstellern "spezielle Leasingkonditionen für Fahrzeugkäufer mit Behindertenausweis und zwar über unsere Rahmenabkommen", so der BbAB-Vorsitzende. Hier erhält der behinderte Autoleaser einen um einige Prozentpunkte höheren Rabatt als bei einer Barzahlung oder einer Finanzierung.

Hier allerdings warnt Neunzling vor schön geredeten Leasingverträgen: Man müsse darauf achten, welche Fallen ein Leasingvertrag haben könne, insbesondere bezüglich Restwert-Schätzungen oder zum Zustand des Fahrzeugs.

 

Text: Thomas Mitterhuber - 07/2012

Fotos: pixelio.de, Ford-Werke GmbH

Sie haben noch Fragen? Stellen Sie diese gleich hier im Forum!