Autofahren mit auditiver Einschränkung

Autofahrer (pixabay.com)
Mobilität für mehr Selbstständigkeit: Auch Schwerhörige oder Gehörlose können Autofahren (pixabay.com)

Auch Schwerhörigen oder Gehörlosen ist es in der Regel erlaubt, ein Kraftfahrzeug unter Beachtung der gesetzlichen Vorschriften zu führen. Besondere Assistenzsysteme und Umbauten am Fahrzeug können dabei häufig das Fahren erheblich erleichtern. Außerdem können schwerbehinderte Menschen von Steuervergünstigungen und Autohersteller-Rabatten profitieren.

In Deutschland leben laut dem Statistischen Bundesamt rund  303.000 Menschen, die aufgrund ihres Schwerbehindertenausweises nachweislich schwerhörig oder gehörlos sind. Die Weltgesundheitsorganisation spricht hingegen sogar von 13 Millionen Deutschen, die schwerhörig sind. Jedoch werden hierbei auch leicht- bis mittelgradig Schwerhörige berücksichtigt, die zwar keinen Schwerbehindertenausweis besitzen, aber einen erheblichen Anteil in der Statistik ausmachen.

Insbesondere für Menschen mit Behinderung ist die Mobilität ein wichtiges Kriterium für mehr Freiheit und Selbstständigkeit.
Obgleich sowohl die Hörleistung als auch das Sehvermögen beim Fahren eines Kraftfahrzeugs entscheidend sind, bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass Personen mit auditiven Einschränkungen vom Autofahren ausgeschlossen werden.

Gesetzliche Regelungen beim Erwerb eines Führerscheins

Gemäß der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) können hochgradig Schwerhörige sowie Gehörlose zum Straßenverkehr zugelassen werden, wenn „nicht gleichzeitig andere schwerwiegende Mängel (z.B. Sehstörungen, Gleichgewichtsstörungen) vorliegen“. Üblicherweise benötigen Hörgeschädigte und Gehörlose eine ärztliche Bestätigung, die die auditive Beeinträchtigung verifiziert. Zusätzlich kann ebenso für den Erwerb des Führerscheins ein medizinisch-psychologisches Gutachten eingefordert werden, dass die Verkehrssicherheit des angehenden Verkehrsteilnehmers bescheinigt.

Bei der Wahl einer geeigneten Fahrschule spielt nicht nur die spezielle Schulung der Fahrlehrer_innen eine wichtige Rolle, sondern auch die Verfügbarkeit von angemessenen Lehrmaterialien. Im Idealfall beherrscht der Fahrlehrer oder die Fahrlehrerin die Gebärdensprache, um schwerhörigen bzw. gehörlosen Fahrschülern sowohl bei der Vorbereitung auf die Theorieprüfung als auch während der Fahrstunden behilflich sein zu können. Des Weiteren vermitteln zahlreiche Fahrschulen derweil ihre Theorieeinheiten auch per Videos, die besonders für Menschen mit auditiver Einschränkung nützlich sind. Das Informationsportal autoanpassung.de hat eine Liste zusammengestellt, in der Fahrschulen mit Angeboten für behinderte Fahrschüler/innen erfasst werden.

Mobilität mithilfe von Umbauten und Assistenzsystemen

Um behinderten Autofahrern ebenfalls eine weitgehend uneingeschränkte Teilnahme am Verkehr zu ermöglichen, haben sich einige Autohersteller und -umrüster auf den Einbau von Zusatzeinrichtungen für behinderte Menschen spezialisiert. Der ADAC sammelt in einer deutschlandweiten Liste Anbieter bzw. Umbaubetriebe von Zusatzeinrichtungen für körperbehinderte Kraftfahrer. Mit Umbaumaßnahmen können Neu- oder Gebrauchtwagen auf die individuellen Anforderungen umgerüstet werden. Die Verfügbarkeit von Assistenzsystemen oder Umrüstungsarten, von denen vor allem Schwerhörige oder Gehörlose profitieren können, sollten für den jeweiligen Einzelfall bei den spezialisierten Werkstätten erfragt werden.  

Beanspruchung von Steuervergünstigungen und Zuschüssen

Reparatur in einer Autowerkstatt (pixabay.com)
Spezialisierte Werkstätten bauen Autos behindertengerecht um (pixabay.com)

Menschen mit Behinderung erhalten bei vielen Autoherstellern einen Nachlass auf Neuwagen, sofern sie ihr Handicap mit einem Schwerbehindertenausweis nachweisen können. So bietet beispielsweise unserer Förderer Ford im MyHandicap-Mobilitätsclub
Prämien und Rabatte auf ausgewählte Neuwagen an.

Laut dem Zoll „sieht das Kraftfahrtsteuergesetz (KraftStG) Steuervergünstigungen […] in Form einer Steuerermäßigung von 50 Prozent vor“, was u.a. für Gehörlose (Gl) gilt. Neben der Ermäßigung bei der Kfz-Steuer kann darüber hinaus die Kraftfahrzeughilfe beansprucht werden. Die Kriterien zur Beantragung der Finanzierungshilfe können beim jeweiligen Rehabilitationsträger ausfindig gemacht werden.

Autofahren trotz Schwerhörigkeit im Alter

Es ist längst bekannt, dass die Hörleistung mit zunehmenden Alter abnimmt. Gemäß der aktuellsten Erhebung des Statistischen Bundesamts sind rund zwei Drittel aller Schwerhörigen in Deutschland, die einen Schwerbehindertenausweis mit sich führen, 65 Jahre alt oder älter. Dennoch zeigen verschiedene Statistiken, dass gerade im Alter ab 60 Jahren die Schwerhörigkeit teilweise unbehandelt bleibt und dringend notwendige Hörgeräte nicht getragen werden.

Deshalb empfiehlt der Präsident der Europäischen Union der Hörgerätakustiker e.V.: „Einmal im Jahr zum Hörgeräteakustiker und dort kostenlos das Gehör überprüfen lassen, am besten ab dem 60. Lebensjahr, denn ab dann lässt der Hörsinn ganz von selbst etwas nach“. Schwerhörigkeit im Alter kann besonders dann zum Problem beim Autofahren werden, wenn zusätzlich die Sehkraft oder die Reaktionsgeschwindigkeit beeinträchtigt sind. Es ist somit zu einer ärztlichen Untersuchung in regelmäßigen Abständen zu raten, um die eigene Sicherheit sowie die Sicherheit anderer Verkehrsteilnehmer_innen nicht zu gefährden.  

Text: Valentin Wyremba Bilder: pixabay.com