Sehschwäche und Blindheit: Das muss man wissen

Das Foto zeigt eine Brille auf einer Buchseite.
Wer trotz Brille weniger als 30 Prozent Sehvermögen hat, gilt als Sehbehindert. Quelle: pixabay.com

In Deutschland leben rund 160.000 blinde und etwa eine Million sehbehinderte Menschen. Doch wann gilt man als Blind, was ist eine Sehbehinderung und welche Rechte haben Menschen mit eingeschränktem Sehvermögen? Ein Überblick.

In Deutschland tragen 40 Millionen Menschen eine Brille. Das sind fast zwei Drittel der Erwachsenen. Sie alle haben eine Sehschwäche. Doch sind sie deshalb sehbehindert? Es kommt darauf an. Als sehbehindert gelten Menschen, deren Sehkraft weniger als 30 Prozent beträgt. „Wesentlich sehbehindert“ ist, wer weniger als 10 Prozent Sehkraft hat, „hochgradig sehbehindert“, wessen Sehkraft weniger als fünf Prozent beträgt. Als „blind“ gelten Personen, deren Sehkraft geringer ist als zwei Prozent. Wichtig: Alle diese Werte beziehen sich auf eine Messung mit Brille. Wer also trotz Brille weniger als 30 Prozent Sehvermögen hat, gilt als Sehbehindert.

Sehbehinderung ist eine anerkannte Krankheit

Als Sehbehinderung anerkannt sind die Fälle, wenn Menschen trotz Brille weniger als 30 Prozent sehen. Sie erhalten in der Regel einen Zuschuss auf Brillengläser oder Kontaktlinsen von der Krankenkasse. Meist ist eine Sehbehinderung angeboren oder wird durch einen Umfall „erworben“. Kennzeichen für eine Sehbehinderung ist, dass die Beeinträchtigung trotz Brille nicht korrigiert werden kann. Häufig liegen Störungen im Bereich des Sehnervs, der Netzhaut, der Linse oder der Hornhaut vor. Dabei kann es vorkommen, dass sehbehinderte Menschen neben dem nicht korrigierbaren Anteil ihrer Sehschwäche auch eine Beeinträchtigung haben, die sich durch eine Brille korrigieren lässt – etwa Kurz- oder Weitsichtigkeit. Das ist der Grund dafür, dass Menschen mit einer Sehbehinderung trotzdem häufig eine Brille tragen.

Sehbehinderung tritt verstärkt im Alter auf

Eine Sehbehinderung tritt verstärkt im Alter auf. Rund 85 Prozent der Betroffenen sind älter als 60 Jahre, nur 4 Prozent jünger als 30 Jahre. Das liegt auch daran, dass die Sehleistung auch durch bestimmte Erkrankungen gemindert wird, die oft im höheren Alter auftreten (beispielsweise Glaukom, Katarakt und Hornhauteintrübungen).

Schwerbehindertenausweis und Nachteilsweisgleich für Blinde

Wenn man sich aufgrund des stark eingeschränkten Sehens in seiner verrauten Umgebung nicht ohne Hilfe zurechtfinden kann, gilt man als blind im Sinne des Schwerbehindertenrechts. Dabei darf die Sehkraft trotz Brille nicht mehr als fünf Prozent betragen, man muss also „hochgradig sehbehindert“ sein. Trifft dies zu, erhält man auf Antrag einen Schwerbehindertenausweis mit dem Merkzeichen „BI“. Mit dem Schwerbehindertenausweis erhält man eine ganze Reihe von Nachteilsausgleichen. Hierzu gehören: Die Befreiung von der Kfz-Steuer, ein erhöhter Einkommensteuer-Freibetrag (so genannter „Pauschbetrag),die Befreiung von der  Rundfunkgebührenpflicht, Parkerleichterungen, Portofreiheit bei Blindensendungen, und eine unentgeltliche Beförderung im öffentlichen Nahverkehr. Außerdem darf man meist eine Begleitperson und einen Blindenhund kostenfrei mitnehmen. In einigen Bundesländern erhalten Blinde zudem ein monatliches Blindengeld.

Hilfe und Austausch in der MyHandicap Community

Bei Fragen zum Thema Sehschwäche und Blindheit bietet die MyHandicap-Community wichtige Tipps und die Möglichkeit zum Erfahrungsaustausch. Zudem können Interessierte im Forum ihre Fragen an Fachexperten, darunter Experten unserer Partner von den Berufsförderungswerken, stellen von denen sie schnell, unabhängig und kostenlos Hilfe erhalten.

Text: Philipp Jauch – 08/2016