Gründen mit Behinderung

Das Foto zeigt einen jungen Mann mit Laptop und eine junge Frau Rücken an Rücken auf einer Wiese.
Flexibel Arbeiten als Selbstständiger. Foto: pixabay.com

Als Mensch mit Schwerbehinderung hat man es auf dem Arbeitsmarkt nicht leicht. Das liegt zum einen daran, dass es immer noch Zweifel daran gibt, ob sich die Herausforderungen des beruflichen Alltags mit einer Behinderung vereinbaren lassen. Auch wenn es mittlerweile nicht wenige Arbeitgeber gibt, die gezielt auf Inklusion setzen, gibt es auch immer noch solche, die dies nicht tun.

Zum anderen kann es Situationen geben, in denen man als Mensch mit Schwerbehinderung nicht einfach so in den Arbeitsalltag integriert werden kann, etwa wenn es einen barrierefreien Arbeitsplatz benötigt, der genau auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten ist. Viele Arbeitgeber können oder wollen diese besonderen Anforderungen trotz vieler vorhandener Unterstützungsangebote nicht erfüllen. Insbesondere dann, wenn die Behinderung erst im Lauf der Karriere erworben wird und die gelernte Tätigkeit nicht mehr ausgeübt werden kann, kann eine Weiterbeschäftigung nicht mehr ohne weiteres möglich sein.

Als Gründer eigene Rahmenbedingungen schaffen

Die Lösung heißt dann oft Selbstständigkeit. Immer mehr Menschen mit Behinderung setzen ihre eigene Geschäftsidee in die Tat um. Die Vorteile liegen auf der Hand: Bereits im Businessplan können die Rahmenbedingungen der Tätigkeit so festgelegt werden, dass man sie trotz der Behinderung unter Fokussierung auf die eigenen Stärken problemlos bewältigen kann. Zudem kann auch der Arbeitsplatz so gestaltet werden, dass alle anfallenden Aufgaben so leicht wie möglich von der Hand gehen.

Dank dieser Unabhängigkeit von festen Zeiten oder Orten haben schwerbehinderte Menschen beim Gründen ähnliche Möglichkeiten wie gesunde Menschen. Oft wird geglaubt, dass sich solche Existenzgründungen auf Branchen beschränken, in denen man zu Hause am PC arbeiten kann; dem ist jedoch nicht so. Vielmehr stehen auch Menschen mit Handicap sehr viele Türen offen, um ihre Fähigkeiten und Talente gewinnbringend einzusetzen. So gibt es mittlerweile eine blinde Strafverteidigerin und auch im Handwerk gibt es Selbstständige mit Schwerbehinderung.

Spezielle Fördermöglichkeiten nutzen

Genau wie jeder andere auch kann man bei der Gründung des eigenen Unternehmens bestimmte Förderungen nutzen, etwa den Gründerkredit der KfW. Als schwerbehinderter Mensch kann man aber auch in den Genuss anderer Hilfsprogramme kommen. Besonders ein Gang zum Integrationsamt kann sich lohnen. Denn dieses fördert die Existenzgründungen von Menschen mit Behinderung in besonderem Maße. Die Voraussetzungen für diese Gelder sehen wie folgt aus:

  • Es sind ausreichende fachliche Kenntnisse vorhanden.
  • Das Geschäftsmodell wird als tragfähig betrachtet.
  • Der Lebensunterhalt kann mit der Tätigkeit gesichert werden.
  • Die Tätigkeit ist im Rahmen des aktuellen Arbeitsmarkts zweckmäßig.
  • Die Arbeitslosigkeit kann beendet oder vermieden werden.

Um an diese Fördergelder zu gelangen, sollten sie unbedingt bereits im Businessplan darauf achten, dass diese Voraussetzungen erfüllt werden.

Zusätzliche Tipps für eine erfolgreiche Existenzgründung

  • Marktforschung ist im Vorfeld unerlässlich, um herauszufinden, wie gut das Produkt oder die Dienstleistung bei der Zielgruppe ankommt.
  • Ebenfalls wichtig ist es, die eigenen Kenntnisse und Fähigkeiten kritisch zu hinterfragen und sich gegebenenfalls weiter zu bilden.
  • Eine solide Finanzplanung hilft dabei, auch schwierige Phasen zu überstehen.
  • Die Buchhaltung muss von Anfang an korrekt und lückenlos erfolgen. Wer in diesem Bereich keine oder nur wenig Erfahrung hat, kann sich entweder vom Steuerberater helfen lassen oder eine Buchhaltungssoftware verwenden. Auch in anderen Bereichen der Unternehmensführung, etwa beim Schreiben von Rechnungen, kann eine spezielle Software helfen.
  • Kontakte aufzubauen und zu pflegen kann einen Selbstständigen enorm weiterbringen. Ein gutes Netzwerk hilft unter anderem bei der Kundenakquise.
  • Auch wenn es Rückschläge geben sollte: Wer hartnäckig am Ball bleibt, wird irgendwann die Früchte seiner Arbeit ernten.