Leistungen vom Integrationsamt für behinderte Arbeitnehmer

Behinderte Arbeitnehmer erhalten vom Integrationsamt Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben. Das kann auch für den Arbeitgeber interessant sein, denn so spart man viel Geld.

Es  gibt eine Vielzahl von Maßnahmen in verschiedenen Bereichen, zum Beispiel beim Arbeitsweg, Hilfsmittel am Arbeitsplatz oder Kostenübernahme von Weiterbildung, sogar Hilfestellungen für die eigene Wohnung gibt es. Klicken Sie auf die einzelnen Maßnahmen, um zu deren Beschreibungen zu gelangen:

Technische Arbeitshilfen

Wenn der behinderte Arbeitnehmer seine Arbeit nur mit technischen Hilfsmitteln ausüben kann, können die Kosten für die Beschaffung, für die Wartung / Instandhaltung sowie für die zur Bedienung des Hilfsmittels erforderliche Ausbildung in voller Höhe übernommen werden.

Technische Arbeitshilfen sind zum Beispiel Rampen für Rollstuhlfahrer, spezielle Computer für blinde Menschen, Sitzhilfen oder maßgefertigte orthopädische Sicherheitsschuhe. Der Zuschuss ist an die Voraussetzung gekoppelt, dass die Hilfen ausschließlich für die berufliche Tätigkeit genutzt werden.

Arbeitsassistenz

Eine notwendige Arbeitsassistenz kann in Anspruch genommen werden, wenn dadurch die berufliche Eingliederung ermöglicht werden kann. In erster Linie versteht man darunter etwa Vorlesekräfte für blinde Arbeitnehmer, Gebärdensprachdolmetscher oder Unterstützungskräfte für körperlich eingeschränkte Menschen.

Jedoch muss der Arbeitnehmer selbst die fachlichen Kompetenzen für die vereinbarte Arbeit mitbringen und die Unterstützung von der Arbeitsassistenz muss regelmäßig in Anspruch genommen werden. Konkret bedeutet das: Die Arbeitsassistenz darf die Arbeit des behinderten Arbeitnehmers nicht übernehmen, sondern ihn nur dabei unterstützen, seine Arbeit zu verrichten.

Kraftfahrzeughilfen

Auch für den Weg zur Arbeit stellt der Staat finanzielle Förderungen bereit. Beispielsweise, wenn die Anschaffung eines Kraftfahrzeugs beziehungsweise ein Umbau des bestehenden Fahrzeugs notwendig ist, damit der behinderte Arbeitnehmer seiner Arbeit nachgehen kann.

Ein Neuwagenkauf wird, abhängig vom Einkommen, bis maximal 9.500 Euro gefördert (Ausnahme bei größeren Fahrzeugen bedingt durch Art und Schwere der Behinderung). Bei einem Gebrauchtwagen gilt die Regel, dass dessen Verkaufswert mindestens halb so hoch wie der ursprüngliche Neukaufpreis sein muss. Ganz wichtig: Der Antrag muss vor Anschaffung des Fahrzeugs eingereicht werden.

Vor Anschaffung beantragen!

Eine erforderliche, behindertengerechte Zusatzausstattung wird jedoch in voller Höhe übernommen (inklusive Einbau und Reparatur). Selbst die Kosten für den Führerschein können übernommen werden – allerdings richtet sich auch hier die Förderhöhe nach dem Einkommen. Komplett übernommen werden aber Kosten für behinderungsspezifische Untersuchungen oder Ergänzungsprüfungen.

Wenn Sie aber den Führerschein wegen dem Arbeitsweg machen und Kosten für behinderungsspezifische Untersuchungen oder Ergänzungsprüfungen tragen müssen, werden diese komplett übernommen.

Taxis und Beförderungsdienste

In begründeten Härtefällen werden im Rahmen der Kfz-Förderung auch Taxis oder Beförderungsdienste bezahlt. Der Träger der Kfz-Förderung ist grundsätzlich die Agentur für Arbeit –  solange Sie als Arbeitnehmer weniger als 15 Jahre lang in die Rentenversicherung eingezahlt haben. Andernfalls ist der Rentenversicherungsträger zuständig.

Und nur wenn der schwerbehinderte Arbeitnehmer selbstständig oder Beamter ist, ist das Integrationsamt der Träger. Es handelt sich also um insgesamt drei mögliche Kostenträger für die Kfz-Hilfe. Eine Finanzierung erfolgt jedoch nur durch einen einzigen Kostenträger.

Der morgendliche Berufsverkehr auf einer deutschen Autobahn. (Bild: P.Kirchhoff/pixelio.de)
Zur beruflichen Integration gehört auch die Sicherstellung eines reibungslosen Arbeitsweges. (Bild: P.Kirchhoff/pixelio.de)

Wohnungshilfen

Obwohl hier kein direkter Zusammenhang mit Ihrer Arbeit besteht, können Sie auch für den Wohnraum eine Förderung in Anspruch nehmen. Entscheidend ist hierbei folgendes: Durch die gewährte Leistung muss Ihre berufliche Integration sichergestellt werden können. Abhängig von Ihrem Einkommen, können Sie Zuschüsse und / oder Darlehen erhalten. Die Wohnungshilfen teilen sich in folgende drei Bereiche auf:

Bei der Beschaffung von behindertengerechten Wohnraums können Sie also eine an Ihre Bedürfnisse angepasste Wohnung oder Haus bauen oder kaufen und erhalten hierfür einen Zuschuss oder ein zinsverbilligtes Darlehen.

Sie können aber auch Ihre bestehende Wohnung behindertengerecht umbauen oder ausstatten lassen, zum Beispiel mit einer Rampe oder einem Lichtsignalsystem. Wie bereits beschrieben, muss der Umbau oder die Anpassung den Zweck haben, dass Sie dadurch Ihrer Arbeit nachgehen können.

Beschaffung, Anpassung oder Umzug

Als dritte Möglichkeit kann ein Umzug in eine behindertengerechte Wohnung oder in eine für den Arbeitsweg erheblich verkehrsgünstigere Lage gefördert werden.

Bei den Wohnungshilfen gilt wie bei den Kraftfahrzeughilfen: Grundsätzlich ist der Rehabilitationsträger (z. B. Rentenversicherung, Unfallversicherung, Agentur für Arbeit oder Kriegsfürsorge) die zuständige Stelle. Wohnungshilfe für Selbstständige oder Beamten gewährt jedoch das Integrationsamt. Und ebenfalls muss hier der Antrag vor der Beschaffung gestellt werden. Die Fördervoraussetzungen richten sich hierbei nach dem (länderspezifischen) Wohnraumfördergesetz.

Selbstständigkeit

Sie sind behindert und wollen sich selbstständig machen? Nutzen Sie dazu die Fördermaßnahmen des Integrationsamts. Auch wenn Sie bereits selbstständig sind, gibt es Mittel zur Erhaltung der Selbstständigkeit.

Voraussetzung dafür ist, dass Sie die fachlichen Kenntnisse selbst mitbringen und Ihre berufliche Existenz von einer fachlichen Stelle – meist der Arbeitsagentur – als tragfähig begutachtet wurde. Weiter ist wichtig, dass durch die Selbstständigkeit Ihr Lebensunterhalt gesichert werden kann.

Sich selbstständig gemachte behinderte Menschen können verschiedene Mittel beantragen wie Gründungszuschuss oder Einstiegsgeld. Auch ein Coaching kann gefördert werden. Lassen Sie sich hierzu am besten vom Integrationsamt beraten.

Weiterbildung für behinderte Arbeitnehmer

Auch schwerbehinderte Menschen werden dazu geraten, sich fortzubilden, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern oder zu behalten – etwa wegen technischer Neuerungen. Bei den so genannten „Maßnahmen zur Erhaltung und Erweiterung beruflicher Kenntnisse und Fertigkeiten“ zahlt das Integrationsamt nämlich die behinderungsbedingten Mehraufwendungen.

Das heißt: Das Unternehmen, in dem Sie beschäftigt sind, finanziert die üblichen Fortbildungskosten. Und wenn zusätzliche Kosten aufgrund Ihrer Behinderung – beispielsweise für Dolmetscherkosten – auftreten, übernimmt diese das Integrationsamt.

Hilfen in besonderen Lebenslagen

Sollten Sie jedoch Hilfe am Arbeitsplatz benötigen, die zu keine der obigen Leistungen passt, greift diese Maßnahme. Es können also auch andere Leistungen als die, die die §§ 19 bis 24 des Schwerbehinderten-Ausgleichsgabeverordnungsgesetz beschreiben, gefördert werden, falls diese für eine erfolgreiche berufliche Integration notwendig sind.

Die Deutschlandkarte mit den Integrationsämtern in den jeweiligen Bundesländern. (Bild: BIH)
Auf der Seite des BIH gelangen Sie schnell zu Ihrem zuständigen Integrationsamt. (Bild: BIH)

Beantragung bei Ihrem Integrationsamt

Grundsätzlich muss der Antrag auf eine der oben beschriebenen Hilfen immer vor Beschaffung der Hilfen oder vor Beginn der zu fördernden Maßnahme gestellt werden. Dazu muss dem vollständigen Antragsformular eine Kopie Ihres Schwerbehindertenausweises sowie des Arbeitsvertrages beigelegt werden.

Je nach Hilfe müssen Sie Ihren Bedarf an der Fördermaßnahme belegen – beispielsweise mit einer Bestätigung des Arbeitgebers, dass diejenige Maßnahme notwendig ist. Weitere erforderliche Unterlagen sind ein Feststellungsbescheid des Versorgungsamts und bei den meisten Hilfen ein Kostenvoranschlag der zu fördernden Maßnahme.

Eine weitere grundsätzliche Voraussetzung aller hier beschriebenen Maßnahmen ist, dass der schwerbehinderte Arbeitnehmer seinen Beruf mindestens 15 Stunden in der Woche ausübt und dafür einen tariflichen beziehungsweise ortsüblichen Gehalt bezieht.

Fördermaßnahmen im Überblick

Stellvertretend für die Integrationsämter in ganz Deutschland sehen Sie hier eine Übersichtsseite zu den verschiedenen Maßnahmen für behinderte Arbeitnehmer: Begleitende Hilfen im Arbeitsleben. Dort finden Sie Beschreibungen zu den einzelnen Maßnahmen, die erforderlichen Voraussetzungen sowie die Antragsformulare zum Download (die Formulare sind jedoch nur für Antragssteller, die in Bayern wohnen).

Falls Sie aber in einem anderen Bundesland wohnen, finden Sie Ihr zuständiges Integrationsamt über diese Seite: Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter.


Text: TMI

Bilder: pixelio.de, BIH

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