Leistungen der Arbeitsagentur für behinderte Arbeitsuchende

Logoschild vor Haupteingang. (Bild: Bundesagentur für Arbeit)
Behinderte Menschen, die einen Job suchen, können Unterstützung von der Agentur für Arbeit erhalten. (Bild: Bundesagentur für Arbeit)

Die Arbeitsagentur vermittelt nicht nur arbeitsuchende Menschen, sondern unterstützt sie auch mit einer Reihe an Maßnahmen zur beruflichen Integration. Menschen mit Behinderung können spezielle Förderung erhalten.

Neben den Maßnahmen, die allen arbeitsuchenden Menschen – mit oder ohne Behinderung – offen stehen, bietet die Arbeitsagentur weitere Maßnahmen für behinderte Menschen, die einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz suchen, an. Klicken Sie auf die einzelnen Maßnahmen, um zu deren Beschreibungen zu gelangen:

Der Vermittlungsgutschein

Dies ist keine Förderung im gewöhnlichen Sinne. Trotzdem können mit so genannten Vermittlungsgutscheinen schwerbehinderte Menschen darin unterstützt werden, einen Job zu finden.

Seit 2002 kann die Arbeitsagentur Vermittlungsgutscheine (VGS) austeilen. Wenn Sie mindestens drei Monate lang arbeitslos sind, können Sie bei Ihrer Arbeitsagentur kostenlos einen Vermittlungsgutschein anfordern. Mit einem solchen können Sie sich dann von einer privaten Arbeitsvermittlung beraten und vermitteln lassen. Zu den privaten Arbeitsvermittlern gehören auch Integrationsfachdienste.

Diese sind auf schwerbehinderte und / oder chronisch kranke Arbeitssuchende spezialisierte Vermittler. Insofern kann man es so betrachten, dass die Agentur für Arbeit die Betreuung und Vermittlung schwerbehinderter Arbeitsuchender ausgelagert hat. Zu den Aufgaben eines Integrationsfachdienstes lesen Sie diesen Artikel.

Auf behinderte Arbeitsuchende spezialisiert

Private Arbeitsvermittlungen sind wirtschaftlich und daher erfolgsorientiert arbeitende Unternehmen. Im Falle einer erfolgten und nachhaltigen (d.h. länger als sechs Monate andauernden Anstellung) Vermittlung eines schwerbehinderten Menschen erhält der private Vermittler Geldprämien (sechs Wochen nach der Vermittlung 1000 Euro und nach sechs Monaten weitere 1000 bis 1500 Euro von der Arbeitsagentur).

Dieser Umstand erhöht also den Anreiz auf den privaten Arbeitsvermittler, einen arbeitsuchenden Menschen erfolgreich zu vermitteln. Damit jedoch keinem ein unpassender Job vermittelt wird, sind private Arbeitsvermittler an vorgegebene Qualitätsstandards gebunden – zum Beispiel werden Kenntnisse über Rechte von (schwerbehinderten) Arbeitnehmern sowie über Branchen- und Berufsprofile vorausgesetzt.

Im Normalfall erfolgt vom Integrationsfachdienst eine optimalere und individuell angepasste Beratung und Vermittlung von schwerbehinderten Arbeitsuchenden als von der Arbeitsagentur, da erstere wie erwähnt über relevante Kenntnisse im Zusammenhang mit behinderten Menschen verfügen.

Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben

Die Arbeitsagentur kann zudem Leistungen gewähren, die sicherstellen, dass der behinderte Arbeitnehmer seinem Job nachgehen kann. Es handelt sich um die im Neunten Sozialgesetzbuch verankerten Leistungen, welche zum Beispiel auch das Integrationsamt gewährt (siehe dazu diesen Artikel)

Zuständig ist die Arbeitsagentur jedoch nur, wenn weder Rentenversicherung noch Berufsgenossenschaft es sind. Und das Integrationsamt kommt nur dann ins Spiel, wenn sonst kein Träger zuständig ist. Eine Leistung wird also nie von zwei Trägern gleichzeitig gewährt.

Laut MyHandicap-Fachexperte Michael Graus kann es in der Praxis so gehandhabt werden, dass ein „neues Arbeitsverhältnis einige Monate von der Arbeitsagentur gefördert wird und nach Auslaufen der Förderung das Integrationsamt einspringt“. Oft wird jedoch im Einzelfall über die Zuständigkeit sowie über die Rahmenbedingungen entschieden.

Übernommen werden von der Arbeitsagentur: Kraftfahrzeughilfen, Kosten für nichtorthopädische Hilfsmittel oder technische Arbeitshilfen und Kosten für eine notwendige Arbeitsassistenz. Jedoch muss jede Aufwendung vorher beantragt und bewilligt werden. Das heißt für Sie konkret: Sprechen Sie zuerst mit Ihrem Berater bei der Agentur über Ihre Bedürfnisse, stellen Sie den Antrag und buchen / kaufen Sie die Leistungen erst bei Bewilligung.

Mehr Infos zu den Maßnahmen zur Teilhabe am Arbeitsleben finden Sie hier.

Selbstständige berufliche Existenz

Schwerbehinderte Arbeitsuchende, die sich selbstständig machen wollen, können ebenfalls den Gründungszuschuss nach SGB III § 57 in Anspruch nehmen – zur Sicherung ihres Lebensunterhalts sowie zur sozialen Sicherung nach der Existenzgründung. Wichtig ist hierbei, dass durch die Selbstständigkeit eine Arbeitslosigkeit vermieden oder beendet werden kann.

Zwei Mädchen sind am backen. (Bild: pqm/pixelio.de)
Für jugendliche Menschen mit Handicap gibt es wiederum spezielle Maßnahmen. (Bild: pqm/pixelio.de)

Leistungen für schwerbehinderte Jugendliche

Die Agentur für Arbeit unterstützt Jugendlichen mit Handicap, die eine Ausbildung anstreben oder sich in einer befinden, mit verschiedenen Fördermöglichkeiten. Diese Maßnahmen werden Ihnen in diesem Artikel „Verunsichert, behindert, jung sucht einen Job...“ vorgestellt.

Unterstützung bei Weiterbildung

Sie sind schwerbehindert und möchten sich weiterbilden, um Ihre Chancen auf eine Anstellung zu verbessern? Die Arbeitsagentur übernimmt Kosten wie zum Beispiel Prüfungsgebühren, Lehrgangskosten, Kosten für Lernmittel oder für Arbeitskleidung, aber auch (notwendige) Kosten für Unterbringung / Verpflegung oder Anreisekosten.

Selbst wenn Sie während Ihrer Abwesenheit eine Haushaltshilfe und / oder eine Betreuung für Ihre Kinder benötigen, können diese ebenfalls bezuschusst werden. Des Weiteren werden grundsätzlich sämtliche Sozialversicherungsbeiträge während einer Maßnahme zur Teilhabe am Arbeitsleben von der Arbeitsagentur übernommen.

Ob in Ihrem Falle eine Weiterbildung gefördert wird, wird im Einzelfall entschieden. Prinzipiell ist es von Bedeutung, dass Sie sich motiviert für eine solche Maßnahme zeigen, Sie persönliche Eignungen mitbringen und eingeschätzt wird, dass sich durch die Weiterbildung Ihre Chancen zur beruflichen Integration realistisch verbessern könnten.

Durch Weiterbildung mehr Chancen am Markt

Wenn bei Ihnen die Voraussetzungen gegeben sind, bekommen Sie dann einen Bildungsgutschein, mit dem Ihnen die Übernahme der Weiterbildungskosten zugesichert wird. Wie jedoch die genauen Voraussetzungen und Rahmenbedingen sind, lesen Sie am besten in diesem Merkblatt von der Agentur für Arbeit nach.

Wenn Sie sich also weiterbilden möchten, suchen Sie das Gespräch mit Ihrem Berater von der Arbeitsagentur. Dieser wird Sie dann umfassend beraten und mit Ihnen über die Voraussetzungen und Möglichkeiten sprechen.

Übergangsgeld

Wenn Sie in den letzten drei Jahren mindestens zwölf Monate sozialversicherungspflichtig beschäftigt waren und jetzt als behinderter Arbeitsuchender an einer beruflichen Bildungsmaßnahme teilnehmen (Sie sich also weiterbilden), haben Sie Anspruch auf das so genannte Übergangsgeld. Unter bestimmten Voraussetzungen (etwa bei Rückkehr aus dem Elternschaftsurlaub) fällt die Voraussetzung der Vorbeschäftigung gar weg.

Entscheidend ist jedoch, dass Sie einen Anspruch auf Arbeitslosengeld haben müssen. Wenn Sie also an einer Bildungsmaßnahme teilnehmen und bislang ALG I beziehungsweise ALG II (d.h. auch Empfänger der Grundsicherung) bezogen haben, erhalten Sie für die Dauer der Bildungsmaßnahme stattdessen Übergangsgeld. Als Richtwert kann in etwa zwei Drittel vom letzten Nettodurchschnittseinkommen betrachtet werden. Falls Sie weiter Einkommen beziehen, wird dieses angerechnet.

Das Übergangsgeld ist also eine Entgeltersatzleistung, mit der ein Anteil des Regelentgelts weitergezahlt und so der Lebensunterhalt gesichert wird. Weil hier die Höhe von vielen Faktoren abhängt, wenden Sie sich am besten an Ihren Berater bei der Arbeitsagentur. Hier und hier finden Sie zudem grundlegende Informationen zum Übergangsgeld.

Wenn Sie sich für eine bestimmte Maßnahme interessieren, so sprechen Sie Ihren persönlichen Berater bei der Arbeitsagentur darauf an.


Text: TMI

Bilder: Bundesagentur für Arbeit, pixelio.de

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