Ohne Behinderung in den Job: Kompetente Hilfe vom IFD

ein älterer Herr und eine Frau mit Down Syndrom im Gespräch (Foto: KVJS Ratgeber)
Bei Bedarf begleitet der IFD einen behinderten Menschen auch bei seiner Einarbeitung (Foto: KVJS Ratgeber)

Geht es um einen Job für einen behinderten Menschen, tauchen schnell viele Fragen auf – sowohl für den Arbeitsuchenden als auch für den Arbeitgeber. Beratung und Unterstützung finden diese bei den Integrationsfachdiensten (IFD).

Wie findet der behinderte Mensch einen den eigenen Fähigkeiten entsprechenden Job? Wo erhält man Unterstützung bei der Bewerbung oder beim Vorstellungsgespräch? Und wo beantragt man die Kostenübernahme der benötigten Hilfestellungen?

Nicht nur berufliche Neueinsteiger oder Arbeitslose, sondern auch Menschen, die aufgrund eines Unfalls oder einer Krankheit nach einer längeren Zeit in den Beruf zurückkehren wollen, haben viele offene Fragen. Eine weitere Zielgruppe: Arbeitnehmer, die im so genannten zweiten Arbeitsmarkt (z. B. in einer Werkstatt für behinderte Menschen) tätig sind, jedoch in den ersten Arbeitsmarkt wechseln möchten.

Auch Unternehmer stehen oft verunsichert da, wenn ihnen Bewerbungen behinderter Menschen vorliegen. Wird der behinderte Arbeitnehmer die gleiche Arbeit machen können? Muss man für weitere Kosten aufkommen, um den Arbeitsplatz nach seinen speziellen Bedürfnissen zu gestalten? Und sind behinderte Arbeitnehmer tatsächlich unkündbar?

Spezialisiert auf behinderte oder chronisch kranke Arbeitsuchende

„Das sollte doch alles die Arbeitsagentur beantworten können“, denkt da manch einer. Zwar ist diese grundsätzlich bei Fragen rund um Arbeit der richtige und erststellige Ansprechpartner. Aber bei behinderten Menschen haben die IFDe den Arbeitsagenturen einen entscheidenden Vorteil voraus: Die fachliche Kompetenz in Fragen rund um Behinderung.

Die Mitarbeiter in den Integrationsfachdiensten kennen sich mit den Belangen behinderter oder chronisch kranker Menschen deren rechtlichen Ansprüchen aus. Sie sind vertraut mit den Prozedure der benötigten Anträge. Und sie wissen um die typischen Fragestellungen von Arbeitsuchenden und Arbeitgebern Bescheid. 

Flächendeckendes Angebot für behinderte Arbeitsuchende

Nicht jeder Integrationsfachdienst bietet dieselbe Leistungspalette an. Es gibt IFDe, die sich beispielsweise auf psychisch kranke Arbeitsuchende oder auf Sinnesbehinderungen konzentrieren. Die meisten IFDe beraten und vermitteln jedoch Menschen aller Behinderungsarten. Dafür hat ein Strukturwechsel im Jahre 2005 gesorgt: Seitdem sind die Integrationsämter dafür verantwortlich, dass durch die insgesamt 238 IFDe bundesweit ein möglichst einheitliches und flächendeckendes Angebot sichergestellt werden soll.

Ein Hinweis: Der Integrationsfachdienst wird nicht selten mit dem Integrationsamt verwechselt – letzteres stellt nämlich die Integration behinderter Menschen ins Arbeitsleben sicher und ist somit einer der Kostenträger für etwaige Hilfeleistungen.

Das Logo der Landesarbeitsgemeinschaft Integrationsfachdienst Bayern (Foto: ifd)
Das Logo der Landesarbeitsgemeinschaft Integrationsfachdienst Bayern

Vermittlung und Unterstützung nur bei Auftrag

Streng genommen fängt die Arbeit eines Integrationsfachdienstes erst an, wenn dieser mit der Vermittlung eines schwerbehinderten Arbeitsuchenden beauftragt wird – etwa von der Arbeitsagentur, vom Integrationsamt, von den Berufsgenossenschaften oder den Rentenversicherungsträgern. Man muss übrigens nicht Träger eines Schwerbehindertenausweises sein, um deren Leistungen in Anspruch zu nehmen. Entscheidend ist allein der Vermittlungsauftrag.

Der Auftraggeber schließt in der Regel einen befristeten Vertrag mit dem IFD ab. Die IFDe beginnen ihre Arbeit dann auf Grundlage des Neunten Sozialen Gesetzbuchs. Deshalb sind die IFDe nicht etwa als verlängerter Arm der Arbeitsagentur zu verstehen – es handelt sich schließlich um unabhängige, wirtschaftlich arbeitende Unternehmen.

Wurden Sie zu einem IFD vermittelt, steht zu Beginn ein längeres Kennenlerngespräch mit Ihrem persönlichen Fachdienstberater an. Dadurch soll erreicht werden, dass alle Ihre Vorbildungen, Fähigkeiten, beruflichen Vorstellungen offengelegt, aber auch mögliche Schwierigkeiten ausgelotet werden – nur so kann die Stellenvermittlung auf Ihr individuelles Leistungsprofil abgestimmt und somit erfolgversprechender werden.

Individuell auf den behinderten Menschen abgestimmt

In der nächsten Phase wird das weitere Vorgehen gemeinsam mit Ihnen überlegt: Wie kann die Bewerbung optimiert werden? Könnten eventuelle Trainingsprogramme zur Erlangung von Schlüsselkompetenzen oder Vorstellungsgesprächcoachings die Erfolgschancen steigern? Welche Hilfsleistungen würden am Arbeitsplatz infrage kommen? Ist eine psychosoziale Betreuung oder gar eine berufliche Neuorientierung in Erwägung zu ziehen?

Oft haben die IFDe Kontakte zu Unternehmen in der näheren Gegend und probieren, Praktika zu vermitteln. Denn sie wissen: Immer noch stehen viele Arbeitgeber Menschen mit Handicap skeptisch gegenüber. Mit einem Praktikum wird versucht, denen diese Skepsis zu nehmen und gleichzeitig erhält der Arbeitsuchende die Chance, Arbeitsalltag zu schnuppern und sich zu bewähren.

Bewährte Strategie: Praktika vermitteln

Auf diese Weise konnten schon eine Vielzahl behinderter Menschen schlussendlich in eine Festanstellung vermittelt werden, wie diese Praxisbeispiele hier zeigen. Laut der Bundesarbeitsgemeinschaft der Integrationsämter und Hauptfürsorgestellen wurden 2008 insgesamt 96.000 Menschen von den IFDen unterstützt.

Auch nach einer erfolgreichen Vermittlung muss die Tätigkeit des IFD nicht unbedingt enden. Der IFD kann ebenfalls bei der behindertengerechten Arbeitsplatzgestaltung helfen, den Arbeitgeber beziehungsweise die direkten Vorgesetzten beraten oder Einführungsseminare für die Kollegen organisieren.

Und falls Bedarf besteht, kann der Fachdienstberater den behinderten Arbeitnehmer während der Einarbeitungszeit und sogar auch darüber hinaus begleiten. Beispielsweise bespricht der IFD regelmäßig mit dem behinderten Menschen dessen Arbeitsalltag und arbeitet Lösungen für eventuelle Probleme heraus. Ziel ist immer ein nachhaltiges, für Arbeitgeber und –nehmer zufriedenstellendes Arbeitsverhältnis.

Beratung für (potentielle) Unternehmen mit behinderten Arbeitnehmern

Arbeitgeber müssen jedoch nicht erst abwarten, bis ihnen die Bewerbung eines behinderten Menschen vorliegt, um dann in den Genuss einer Beratung und Unterstützung des IFD kommen zu können. Sie können sich selbstverständlich von sich heraus an diese wenden und sich kostenfrei informieren lassen. Nicht unwahrscheinlich wird dann auch eine baldige Vermittlung erfolgen. Schließlich gibt es etliche – nicht nur finanzielle – Vorteile, die die Anstellung eines Arbeitnehmers mit Handicap mit sich bringt.

Welcher Ihr örtlicher Integrationsfachdienst ist, können Sie schnell herausfinden. Klicken Sie auf diesen Link. Dann sehen Sie eine Auflistung der dortigen IFDe samt Kontaktdaten.

Text: TMI - 04/2010

Fotos: IFD Bayern

Sie haben noch Fragen? Stellen Sie diese gleich hier im Forum!