Die innere Einstellung im Leben mit Behinderung

Justin Black. (Bild: Claudia Buhl-Löwinger)
Justin Black arbeitet erfolgreich als selbstständiger Filmemacher und Jounalist. (Bild: Claudia Buhl-Löwinger)

Justin Black ist ein erfolgreicher Filmemacher und Journalist. Im MyHandicap-Jobherbst berichtete er bereits, dass sein Weg zum Erfolg nicht immer einfach war. Heute erzählt er, mit welcher inneren Einstellung er die großen und kleinen Herausforderungen im Leben mit Behinderung angeht.

"Wie machen Sie das?", ist eine Frage, die mir immer wieder gestellt wird. Denn es kommt öfters vor, dass Menschen über mich verwundert sind. Und das kann ich nachvollziehen. Nicht etwa, weil ich der Meinung bin, ich vollbringe etwas Unglaubliches.

Vielmehr weiß ich um die Vorstellungen, die die Leute häufig von uns Menschen mit Behinderung haben: Hilflos, traurig und den ganzen Tag damit beschäftigt "behindert zu sein". Das bringt mich auch gleich zu meinem ersten "Schlüssel" für ein erfolgreiches Leben mit Behinderung. Denn vieles steht und fällt mit der inneren Einstellung.

Sich selbst mehr glauben

Man sollte es grundsätzlich vermeiden, anderen mehr zu glauben als sich selbst. Zumindest, was die eigenen Möglichkeiten betrifft.

In diesem Zusammenhang muss ich an mein erstes Filmprojekt denken. Wir hatten ein 80seitiges Drehbuch (das reicht fast schon für einen abendfüllenden Spielfilm.) Außerdem drei Haupt- und sieben Nebenrollen, 15 Szenen mit Statisten, eine Szene mit einem Rettungswagen und ein Drittel des Films spielte außerhalb der Schule. Die war unser Hauptmotiv. Schließlich drehte ich meinen allerersten Spielfilm im Rahmen einer Schul-AG.   

Zugegeben, es war ein großes Vorhaben. Zumal es beim Start der Dreharbeiten nur noch sechs Wochen bis zu den Sommerferien waren. Mein damaliger Kunstlehrer hielt dieses Filmprojekt (nur das Projekt, nicht mich persönlich - darauf legte er großen Wert ;-)) für größenwahnsinnig. Und selbst die Lehrer, die in unserem Film in ihrer Freizeit mitspielten, glaubten nicht daran, dass der Film am Ende wirklich fertig wird. Doch ich wusste, dass wir es schaffen. Denn ich wollte es schaffen.

Drehort mit Justin Black, einem Auto und einem Kameramann. (Bild: BLACKFORCE.tv)
Justin Black überwacht die Dreharbeiten auf einem Monitor. (Bild: BLACKFORCE.tv)

Wo ein Wille ist...

Wenn man mich nach einem Lebensmotto fragt, antworte ich stets: "Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg - notfalls wird ein neuer angelegt!". Ich stehe zu diesem Motto. Da ich weiß, dass es stimmt.

Was viele Menschen hingegen leider nicht wissen, ist, was sie wirklich wollen. Und ich meine damit wirklich wollen. Nicht bloß, was sie ganz toll fänden.

Häufig behindern uns unsere Umwelt und die Menschen um uns herum. So verlieren wir aus den Augen, was uns wirklich wichtig ist. Wofür wir notfalls bereit wären, alles zu geben. Es lohnt daher, sich einmal die Zeit zu nehmen und in sich zu gehen - allein. Und uns einmal ehrlich einzugestehen, was wir wollen. Ohne, dass wir - oder gar jemand anderes - uns und unsere wahren Wünsche dabei bewerten und uns dadurch behindern.

Sie wollen eine gutaussehende Freundin? Okay! Sie wollen eine große Villa in den USA? Alles klar! Sie wollen eine barrierefreie Mietwohnung in der sie sich wohlfühlen und einfach nur ausreichend Geld haben, um zu leben - ohne Glanz und Glamour? Völlig in Ordnung! Sie wollen diesen neuen Rollstuhl, weil Sie damit besser zurrecht kommen? Absolut berechtigt!

Ein Feldweg führt an einem blühendem Rapsfeld vorbei. In dem Feld steht ein Baum. (Bild: Megan/pixelio.de)
Nur wer Ziele hat, bewegt sich auch voran. (Bild: Megan/pixelio.de)

Menschen sind verschieden

Wir Menschen sind verschieden. Und genauso verschieden sind auch unsere Wünsche und Bedürfnisse. Doch diese müssen wir uns auch ehrlich eingestehen. Nur so können wir uns über unsere Ziele klar werden. Ziele sind wichtig! Denn nur, wenn wir ein Ziel haben, bewegen wir uns.

Seit dem Teenageralter setze ich mir meine Ziele selbst. Früher haben meine Eltern die Ziele für mich gesetzt. So war ich mental immer in Bewegung.

Wie bei meiner zweiten Rücken-Operation. Dabei lag ich acht Stunden im Operationssaal und man verbrauchte zwölf Blutkonserven für mich. Sieben Tage später wurde ich wieder aus der Klinik entlassen. Damals eine Rekordzeit. Die Ärzte konnten es kaum glauben. Was war passiert?

Ganz einfach! Ich hatte die richtige innere Einstellung. Meine Eltern hatten dafür gesorgt. Denn eine Woche, bevor ich ins Krankenhaus musste, bekamen wir ein Katzenbaby in die Familie. Zu dem wollte ich natürlich schnellstmöglich zurück. Also setzte mein Unterbewusstsein alles daran, dass ich schnell wieder fit wurde.

Ein mächtiges Werkzeug

Gerade für kranke Menschen ist das Unterbewusstsein ein mächtiges Werkzeug. Aber, um mit einem Werkzeug richtig gut umgehen zu können, bedarf es Übung. Man sollte sich daher unbedingt mit der Arbeitsweise des Unterbewusstseins befassen. Ich selbst habe viele Bücher zu diesem Thema gelesen und auch das eine oder andere Coaching bei erfahrenen Mental-Trainern besucht.

Doch das allein reicht nicht aus! Man muss auch bereit sein, an sich zu arbeiten. Wie gesagt, der Umgang mit einem Werkzeug will gelernt sein. Lernen braucht seine Zeit. Bei so einem mächtigen Werkzeug wie dem Unterbewusstsein durchaus auch mal ein paar Jahre.

Sonnenaufgang am See; man sieht die Silhouette eines Menschen, der ins Wasser springt. (Bild: Paulwip/pixelio.de)
Einfach Spass haben! Das Leben ist positiv. (Bild: Paulwip/pixelio.de)

Rückschläge gehören zum Leben

Doch alles Mentaltraining und alle Zielsetzung können einen nicht vor Rückschlägen bewahren. Sie gehören zum Leben, wie der Mond zur Nacht. Mal mehr, mal weniger. Auch ich bin keineswegs vor Rückschlägen sicher. Aber mittlerweile habe ich gelernt, dass in Rückschlägen etwas Positives steckt. In aller Regel lernen wir daraus nämlich etwas Wichtiges für das weitere Leben.

Trotzdem ist man natürlich erst einmal ein wenig niedergeschlagen. In so einem Fall nehme ich mir dann etwas Zeit für mich. Ich besinne mich auf all die Dinge, die in meinem Leben schon positiv waren. Egal, ob groß oder klein. Angefangen von den Standing-Ovations bei meiner ersten Filmpremiere bis hin zu der Tatsache, dass ich letzte Woche eine nette Begegnung im Supermarkt hatte. Danach ziehe ich los und unternehme etwas, das mir einfach nur Spaß macht. Denn ich weiß, dass das Leben grundsätzlich positiv ist. Manchmal kommt es dabei lediglich auf meine innere Einstellung an. Und die kann ich glücklicherweise selbst beeinflussen. Wenn ich es denn will...

Text: Justin Black - 09/2010
Bilder: Claudia Buhl-Löwinger, BLACKFORCE.tv, pixelio.de

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