Das Arbeitszeugnis: Kennen Sie die wichtigsten Codes

Ein Richtungsschild mit der Aufschrift "Bewerben" vor einer Blumnwiese (Bild: stellenanzeigen.de)
Ein gutes Arbeitszeugnis ist eine Art Empfehlungsschreiben für den Bewerber. (Bild: stellenanzeigen.de)

Ihr Arbeitsverhältnis wurde beendet, von wem auch immer? Machen Sie Ihren Anspruch auf ein entsprechendes Zeugnis geltend. Hier erfahren behinderte Arbeitnehmer, worauf man achten muss.

Immer mehr Menschen mit einer Behinderung finden eine Anstellung im so genannten ersten Arbeitsmarkt. Was aber passiert, wenn das Arbeitsverhältnis beendet wird - von welcher Seite aus und aus welchen Gründen auch immer?

Der Normallfall ist, dass der Arbeitgeber nach dem Ausscheiden des Arbeitnehmers eine angemessene Beurteilung zur gesamten Beschäftigungszeit abgibt - im so genannten Arbeitszeugnis. Darauf hat jeder Arbeitnehmer einen gesetzlichen Anspruch. Mit einem guten Arbeitszeugnis erhöhen Sie nämlich Ihre Bewerbungschancen.

Anspruch auf ein angemessenes Arbeitszeugnis

Das Arbeitszeugnis ist jedoch ein Thema für sich. Darin verstecken sich nämlich viele Codes und sprachliche Fallstricke. Vermeintlich positive Formulierungen könnten die Chancen bei künftigen Bewerbungen minimieren oder gar das Karriereaus bedeuten. Daher sollte sich jeder Arbeitnehmer das Arbeitszeugnis genauer ansehen und Unstimmigkeiten beanstanden.

Direkt zu Beginn des Arbeitszeugnisses werden Art, Dauer und Umfang der Beschäftigung angegeben. Manchmal kommt eine Kurzbeschreibung des Unternehmens, daraufhin folgt dann eine ausführliche Beschreibung der ausgeübten Tätigkeiten, meistens aufgelistet in Stichpunkten.

Typische Gliederung eines Zeugnisses

Dann folgt eine Beurteilung des Arbeitgebers, in dem sich der mitunter wichtigste Part des gesamten Zeugnisses befindet - und zwar in dem Teil "... zu unserer ... Zufriedenheit". Je nachdem, welche Begriffe sich in diesem Satz enthalten, kann das einer Schulnote von 1 bis 4 bedeuten.

Am Ende befindet sich in der Regel ein Absatz, in der für die Zusammenarbeit gedankt, das Ende selbiger bedauert und Gutes für die Zukunft gewünscht wird. Fehlt dieser Schlusssatz gänzlich, kann aus einem ansonsten gut geschriebenen Zeugnis eine generell schlechte Arbeitsleistung herausgelesen werden.

Ein junger Mann im Rollstuhl sieht sich Unterlagen an seinem Arbeitstisch an (Bild: stellenanzeigen.de)
Im Arbeitszeugnis hat die Behinderung grundsätzlich nichts zu suchen. (Bild: stellenanzeigen.de)

Formatierungen und Geheimsprache nicht zulässig

Die Sprache - dies haben Gerichte mehrfach bestätigt - in einem Arbeitszeugnis muss klar und wohlwollend sein. Hervorhebungen (etwa mit Ausruf- oder Ausführzeichen) sind ebenso verboten wie zweideutige Formulierungen oder Geheimzeichen. Hilfestellung zu den einzelnen sprachlichen Codes finden Sie im Internet zuhauf, etwa bei Bewerbungsratgebern oder Jobbörsen.

Üblicherweise umfasst ein Arbeitszeugnis ein bis zwei DIN A4-Seiten. War der Mitarbeiter aber langjährig angestellt, könnte ein kurzes Arbeitszeugnis als geringe Wertschätzung und somit als negativ interpretiert werden. Zudem kann das Weglassen von wesentlichen Schlüsselaufgaben (abhängig von Beruf und Position) eine negative Lesart bedeuten.

Worauf behinderte Arbeitnehmer achten sollten

Hat der gekündigte Mitarbeiter ein Handicap, darf die Behinderung oder chronische Erkrankung nicht im Arbeitszeugnis erwähnt werden. Das liegt daran, dass für jeden Arbeitnehmer ohnehin eine Offenbarungspflicht besteht, wenn aufgrund der Erkrankung die Tätigkeit, für die man sich bewirbt, nicht ordnungsgemäß ausgeübt werden kann.

Aber es gibt auch Ausnahmen. Wenn die Erkrankung prägend für das Arbeitsverhältnis war, zum Beispiel bei einem krankheitsbedingten Ausfall von 50 Prozent der Arbeitszeit, kann in diesem Fall ausnahmsweise der Grund für die Ausfallzeit angegeben werden. Dabei ist es irrelevant, ob Sie einen Schwerbehindertenausweis haben oder nicht.

Zudem kann die Behinderung auf ausdrücklichen Wunsch des Mitarbeiters ebenfalls erwähnt werden, etwa weil er auch mit seiner Behinderung sämtlichen Aufgaben in vollem Umfang nachkommen konnte. Ein derartiger Hinweis kann sich bei künftigen Bewerbungen nämlich als hilfreich erweisen.

 

Text: MyHandicap – 11/2013

Bilder: stellenanzeigen.de

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