Jobs zu vergeben! Arbeitssuchende mit Behinderung gesucht!

Es ist schon verhext. Da will einer und kann nicht. MyHandicap erzählt heute die wahre Geschichte eines Unternehmers, der Menschen mit Behinderung einen Job geben will, aber keine findet. Helfen Sie ihm. Bewerben Sie sich!

Es ist nach wie vor eine boomende Branche. Doch auch hier gilt: langfristig überleben nur die, die auf Qualität setzen und sich an die Spielregeln halten. Die Rede ist von Callcentern.

Sie denken jetzt an Losverkauf, Zeitungsabos, die keiner will; Dumpinglöhne etc pp? Klar, gibt es auch. Nicht umsonst sind Callcenter in den letzten Jahren in Verruf geraten. Strengere gesetzliche Auflagen und ein Image, unter dem die Guten in der Branche leiden, sind die Konsequenzen aus den semiseriösen Machenschaften einiger weniger.

Alfons Bromkamp, Geschäftsführer der TAS Mülheim und der TAS Görlitz, runzelt die Stirn. Er möchte auf gar keinen Fall einen falschen Eindruck erwecken. In seinen Callcentern liefen keine unseriösen Dinge, versichert er. Im Gegenteil, „Seriosität und Freundlichkeit sowie eine gewissenhafte Arbeitsweise sichern erst den dauerhaften Erfolg“, weiß Bromkamp.

Die TAS-Gruppe ist ein Dienstleiter im Bereich Dialogmarketing und betreibt unter anderem Call Center in Mülheim an der Ruhr und in Görlitz. Hier wird für namhafte Kunden wie die Deutsche Telekom, die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, RWE, Brita Wasserfilter und viele weitere telefoniert. Dass das Unternehmen auf Qualität setzt und dadurch nachhaltigen Erfolg hat, beweise die nunmehr 28-jährige Unternehmensgeschichte.

Logo TAS (Foto: TAS)
Das Logo der TAS-Gruppe

Call-Center-Jobs bevorzugt an behinderte Menschen zu vergeben

MyHandicap besucht Alfons Bromkamp in seinem Callcenter in Mülheim an der Ruhr, um sich ein Bild von dem Unternehmen zu machen. Uns interessiert, wie er eigentlich auf die Idee gekommen ist, explizit behinderte Menschen einzustellen.

„Wesentlich auslösend dafür war ein Telefonat mit meinem Freund Joachim Schoss, der selbst eine Behinderung hat und mich auf das Thema aufmerksam gemacht hat. Klar, hab ich gedacht, wir haben schon mal darüber nachgedacht, dass wir uns dem Thema Integration von behinderten Menschen mehr widmen wollen, da wir ein Unternehmen sind, das mit ethischen Werten umzugehen weiß. Aber so wie alle anderen haben wir es auch bisher nicht durchdacht gemacht, nicht strategisch, sondern per Zufall jemanden eingestellt oder auch nicht“, erklärt Bromkamp.

"Dazu kommt noch eine sehr persönliche Erfahrung: Vor einigen Jahren bin ich bei einem sehr schweren Verkehrsunfall nur um Haaresbreite mit dem Leben davon gekommen und durch sehr viel Glück habe ich keine bleibenden Schäden davon getragen. Das alles zusammen“, so berichtet er, „hat mir gezeigt, hier müssen wir was machen!“

Gesagt, getan. Da die Unterstützung des Arbeitsamtes seine Erwartungen und Hoffnungen nicht erfüllt hatte, wandte sich Alfons Bromkamp an MyHandicap, um geeignete Mitarbeiter mir Schwerbehindertenausweis für seine Callcenter zu finden. Für MyHandicap-Geschäftsführer Robert Freumuth eine willkommene Anfrage: „In unserem Forum lesen wir täglich von Menschen, die dringend einen Job suchen. Wenn wir hier Arbeitgeber und Arbeitnehmer zusammenbringen können, haben wir schon viel geschafft!“

TAS-Geschäftsführer Alfons Bromkamp (rechts) mit Mitarbeiter Jörg Strassek (Foto: MyHandicap)
TAS-Geschäftsführer Alfons Bromkamp (rechts) mit Mitarbeiter Jörg Strassek (Foto: MyHandicap)

Vor Ort in Mülheim: Vielleicht schon bald Ihr neuer Arbeitsplatz?

Wer beim Gedanken an Call Center sterile, unpersönliche Großraumbüros im Kopf hat, darf beruhigt sein. Das TAS-Call-Center in Mülheim besteht zwar auch aus mehreren Großraumbüros, aber unpersönlich sind sie nicht. Im Gegenteil, jeder Mitarbeiter hat einen festen Arbeitsplatz, den er fast nach Lust und Laune mit Persönlichem schmücken kann. „Die Mitarbeiter sollen sich hier auch ein stückweit heimisch fühlen, das ist gut für die Atmosphäre und wirkt sich positiv auf die Qualität der Arbeit aus“, erklärt Bromkamp.

Ein Mitarbeiter liegt Bromkamp besonders am Herzen. Es ist Jörg Strassek. Der junge Mann sitzt seit einem Motorradunfall im Rollstuhl. Vor drei Monaten stieß er durch Zufall zur TAS.

„Ich wurde hier sehr herzlich aufgenommen. Was ich hier schön fand ist, dass man hat mich hier nicht auf die Behinderung beschränkt hat. Es gefällt mir hier besser, als in dem anderen Call Center, in dem ich vorher gearbeitet habe“, erzählt Strassek.

„Ich fühl mich hier sauwohl“

Kein Wunder, denn der Chef höchst persönlich erkundigt sich in regelmäßigen Abständen nach dem Befinden des neuen Mitarbeiters. Dabei kommen auch Probleme zur Sprache. Beispielsweise ist die Auffahrt zum Büro nur für sehr fitte Rollstuhlfahrer zu bewältigen, die Bürotüren sind zwar breit, aber ohne Automatik nicht so leicht zu öffnen und auch die Toilettensituation ist noch nicht optimal.

„Das Gute ist, der Herr Bromkamp setzt sich dafür ein, dass das dann gemacht wird und bis es umgebaut ist, finden wir eine andere Lösung und die haben wir dann auch gefunden“, lacht Jörg Strassek zufrieden und ergänzt: „Ich fühl mich hier sauwohl. Auch mit den Kollegen, alle nett und die sehen in mir den Kollegen und nicht den Behinderten. Die Arbeitsanforderungen sind da, klar, wie überall, aber es macht Spaß, ich muss hier keinen Kunden am Telefon zu etwas überreden, was er nicht will!“

MyHandicap-Geschäftsführer Robert Freumuth im Gespräch mit Jörg Strassek (Foto: MyHandicap)
MyHandicap-Geschäftsführer Robert Freumuth im Gespräch mit Jörg Strassek (Foto: MyHandicap)

Sie wollen sich auch bewerben? Nur Mut!

Viele Menschen mit Behinderung haben Angst, auf Grund ihrer Behinderung im Arbeitsleben nicht als gleichberechtigt wahrgenommen zu werden. Diese Erfahrung musste Jörg Strassek auch schon in früheren Arbeitsverhältnissen machen. Daher freut er sich besonders, weitere behinderte Kollegen bei der TAS begrüßen zu können.

„Im Call Center muss man reden können, freundlich und kommunikativ sein, wenn man das kann, kann man den Job machen. Erfahrungen im Call Center braucht man auch nicht“, erläutert Jörg Strassek die Voraussetzungen für eine Beschäftigung bei der TAS. „Also einfach bewerben und probieren. Die beißen hier nicht!“, rät er anderen Arbeit suchenden Menschen mit körperlichen Handicaps.

Wer Lust und Interesse am Arbeiten im Call Center und bei der TAS-Gruppe bekommen hat, kann sich hier über die aktuellen Stellen informieren: Die MyHandicap-Jobbörse.

Die Bewerbung läuft über die Personal Recruiting Agentur Tollbox, die zur TAS-Gruppe gehört.

Es besteht die Möglichkeit, auch in den Bewerberpool der Toolbox aufgenommen zu werden. Die Toolbox kann Arbeitnehmer selbst anstellen und an andere Call Center weitervermitteln „Natürlich immer mit dem Ziel, von dem Unternehmen fest übernommen zu werden“, versichert Geschäftsführerin Astrid Vordenbäumen gegenüber MyHandicap.

Durch die Toolbox sind die Möglichkeiten groß, innerhalb der TAS-Gruppe und deren Umfeld eine Beschäftigung zu finden. Wer nicht außerhalb der TAS-Gruppe bei anderen Unternehmen arbeiten möchte, kann das in seine Bewerbung schreiben.

Auch für junge Menschen mit Behinderung, die einen Ausbildungsplatz suchen, ist die TAS-Gruppe ein interessanter Ansprechpartner, da jedes Jahr Auszubildende aufgenommen werden.

„Wenn wir es schaffen, nachhaltig behinderte Menschen in unsere Unternehmensgruppe zu integrieren, dann verbinden wir sehr sinnvoll unsere ethischen Werte mit betriebswirtschaftlichen Interessen“, bekräftigt Alfons Bromkamp sein Vorhaben und hofft auf viele interessierte Bewerberinnen und Bewerber mit Handicaps.

Und wann schicken Sie Ihre Bewerbung los?

Text: Iris Röder

Fotos: TAS-Gruppe, MyHandicap

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