Hier stimmt alles: Mit Behinderung fest im Job

Das Logo des NCC (Foto: NCC)
Der NÜRNBERGER CommunicationCenter ist eines der führenden Unternehmen in der Branche (Foto: NCC)

Die NÜRNBERGER CommunicationCenter (NCC) GmbH, eines der führenden Unternehmen der Call Center Branche, beschäftigt schwerbehinderte Menschen. Lesen Sie, welche Faktoren zu einer gelungenen Integration beitragen können.

Menschen mit Behinderung – ein gesundheitliches und somit „wirtschaftliches Risiko“ für Unternehmen? Diese Diskussion kann Jens Christian Ammermann, Geschäftsführer der NCC GmbH, nicht nachvollziehen.

Christian Ammermann ist fest überzeugt: „Behinderte Menschen leisten gleichwertige Arbeit.“ Deshalb sollte „jeder Arbeitgeber soziale Aspekte bei seiner Mitarbeiterauswahl berücksichtigen“ und meint damit auch, dass Unternehmen mehr behinderte Mitarbeiter einstellen sollten.

Finanzielle Anreize spielen keine Rolle

Von den 211 Mitarbeitern seiner Belegschaft sind 13 schwerbehindert, davon zwei Gleichgestellte. Die Behindertenquote beträgt 6,2% und liegt somit über der gesetzlich vorgegebenen Quote von 5%. NCC ist daher von der Ausgleichsabgabe befreit.

Finanzielle Anreize spielen jedoch keine Rolle, findet Ammermann. Diese seien „niemals originärer Auslöser“ bei der Einstellung von Menschen mit Behinderung. Die Arbeitgeber müssten also eine „bereits vorhandene Bereitschaft zur Integration behinderter Mitarbeiter“ besitzen, damit solche finanziellen Anreize wirken. Die Bereitschaft dazu bringt Ammermann nicht zuletzt aus seinem früheren „Leben“ als studierter Theologe und evangelischer Pfarrer mit.

Gerd Zarstek mit Headset am Arbeitsplatz (Foto: NCC)
Gerd Zarstek ist seit neun Jahren zufriedener NCC-Angestellter (Foto: NCC)

Gleichwertige Arbeitsleistung

„In meinem persönlichen Arbeitsalltag empfinde ich keinen Unterschied in der Arbeitsqualität und –leistung von behinderten und nichtbehinderten Mitarbeitern“, lobt Ammermann unter anderem seinen Mitarbeiter Gerd Zarstek. Dessen direkte Vorgesetzte Barbara Rupp pflichtet ihm bei: „Herr Zarstek leistet jederzeit gute und absolut vergleichbare Arbeit“.

Gerd Zarstek ist blind und arbeitet seit April 2001 für NCC. Er erledigt dieselbe Arbeit wie alle seine Kollegen im telefonischen Kundenservice. Zu seinem Job kam er durch eine Veranstaltung, auf der sich verschiedene Call Center Unternehmen präsentierten. Da „bin ich aktiv auf die jeweiligen Repräsentanten der Unternehmen zugegangen und habe mich vorgestellt“, erzählt Zarstek.

Auf die Frage, wie er das Betriebsklima und den Umgang mit den Mitarbeitern empfinde, antwortet er schlicht mit einem Wort: „Perfekt!“ Jederzeit fühle er sich auf gleicher Augenhöhe mit seinen nichtbehinderten Kollegen.

Faktoren für eine gelungene Integration

Die Weichen für ein derart kollegiales Verhältnis werden schon im Bewerbungsverfahren gestellt, erklären Ammermann und Rupp. In der Personalauswahl werde „auf soziale Kompetenz sehr großer Wert gelegt“ und die Behinderung spiele bei diesem Auswahlkriterium keine Rolle, betont Barbara Rupp.

Auch die technischen Gegebenheiten passen. „Alle Hard- und Softwarelösungen“ kommen in Frage, solange es der Integration des behinderten Mitarbeiters dient. Diese Maßnahmen – etwa spezielle Stühle oder Tastaturen – werden „in Zusammenarbeit mit den jeweiligen Leistungsträgern“ bereitgestellt, erklärt Rupp.

Jens Christian Ammermann und Barbara Rupp (Foto: NCC)
NCC-Geschäftsführer Ammermann und Barbara Rupp nehmen die Integration behinderter Mitarbeiter ernst (Foto: NCC)

Individuelle technische Maßnahmen

Zarstek etwa arbeitet mit einer Sprachausgabesoftware und Braillezeilen, mit deren Hilfe er Texte auf dem Bildschirm ertastet. Darüber hinaus ist jeder NCC-Arbeitstisch per Knopfdruck höhenverstellbar. Auf Wunsch könne man „auch im Stehen“ arbeiten und auch für den Rollstuhl die gewünschte Höhe einstellen.

Nicht zuletzt ist die persönliche Einstellung des behinderten Mitarbeiters ebenso ausschlaggebend. Zarstek rät arbeitsuchenden Menschen daher, ihre Behinderung nicht zu verschweigen. Man solle „offen mit seiner Behinderung umgehen“ und die „eigenen Stärken herausstellen“. Sein eigenes Beispiel gibt ihm recht.

Tatsächliche Integration muss gelebte Realität werden

Seinem Chef Ammermann ist es ein persönliches Anliegen, dass Behinderung immer weniger als „trennendes Element“ angesehen wird. Selbstverständlich „müssen besondere Aspekte der jeweiligen Behinderung“ berücksichtigt werden, aber echte Integration „kann nur erreicht werden, wenn man nicht nur darüber nachdenkt, sondern sie gelebte Realität werden lässt.“

 

Text: TMI – 07/2010

Fotos: NCC

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