Globetrotter Outdoor-Unternehmen Hamburg

Aufnahme der Hamburger Globetrotter-Zentrale (Bild: Globetrotter)
Der Outdoor-Ausrüster Globetrotter wurde 2003 mit dem Hamburger Integrationspreis ausgezeichnet. (Bild: Globetrotter)

Das Hamburger Outdoor-Unternehmen Globetrotter beschäftigt seit Jahren motivierte Menschen mit Behinderung und will anderen Arbeitgebern ein Vorbild sein.

Immer mehr Unternehmen beschäftigen Menschen mit Behinderung. Der Outdoor-Ausstatter Globetrotter ist jedoch einer von den wenigen, die schon länger dabei sind. Von rund 1.400 Beschäftigten in den knapp ein Dutzend deutschen Globetrotter-Filialen sind aktuell insgesamt 35 behindert.

Die Handicaps sind verschiedenster Natur. „Das reicht vom Diabetiker über gehörlose Kollegen bis hin zu Mitarbeitern mit körperlichen Einschränkungen, Sehbehinderungen, psychischen Erkrankungen und Lernbehinderungen“, erzählt Katharina Benson von der Personalabteilung in der Globetrotter-Zentrale in Hamburg.

Mitarbeiter mit verschiedensten Behinderungen

Dominik Bekiel, 29, ist schon acht Jahre dabei und fühlt sich bei Globetrotter längst als gleichwertiger Mitarbeiter. Bekiel hat aufgrund einer Hemiparese eine rechtsseitige Lähmung. Das hindert ihn nicht bei seiner Arbeit als Lagerist. Er hat dabei viel Spaß und fühlt sich dem Unternehmen sehr verbunden.

„Durch einen Bekannten habe ich erfahren, dass Globetrotter behinderte Menschen einstellt“, erzählt Bekiel von den Anfängen bei seinem heutigen Arbeitgeber. „Wegen Schwierigkeiten wurde dann die Hamburger Arbeitsassistenz (HAA) eingeschaltet und hat mich drei Jahre lang begleitet und mich bei der Beschaffung von Hilfsmitteln unterstützt“, erzählt Beikel.

Dominik Bekiel bei seiner Arbeit im Lager (Bild: Globetrotter)
Dominik Bekiel ist schon seit acht Jahren zufriedener Mitarbeiter bei Globetrotter. (Bild: Globetrotter)

Unterstützung durch die Arbeitsassistenz

Bekiels Kollege im Kundendienst, Horst Reiter, hat ebenfalls eine Körperbehinderung. Reiter ist 41 und arbeitet in der Auftragsannahme. „Dort nehme ich telefonisch und schriftlich Aufträge von unseren Kunden entgegen, lege neue Kunden an, mache bei Bedarf am Telefon Produktberatung und kläre Fragen der Kunden, zum Beispiel im Zusammenhang mit ihren Rechnungen“, erklärt Reiter seine vielfältigen Aufgaben.

Auch Reiter wurde bei der Eingliederung ins Unternehmen von der HAA unterstützt. „Zuerst hatte ich ein vierwöchiges Praktikum gemacht und wurde dann als Vertretung einer Mitarbeiterin in Elternzeit für drei Jahre eingestellt. Mittlerweile habe ich einen unbefristeten Vertrag und gehe nun ins vierte Jahr“, sagt Reiter.

Dass bei einer Einstellung eines neuen Mitarbeiters nicht allein die Qualifikation entscheidend ist, zeigen Bekiel und Reiter. Sie beide haben keinerlei berufliche Ausbildung genossen – und fühlen sich bei Globetrotter als vollwertige Mitarbeiter. „Ich fühle mich weder benachteiligt noch bevorzugt“, bestätigt Reiter.

Sie werden auch als vollwertige Mitarbeiter angesehen. „Wir sind mit unseren behinderten Mitarbeitern genau so zufrieden oder unzufrieden wie man mit der Arbeit nichtbehinderter Mitarbeiter sein kann. Da gibt es keine Unterschiede“, sagt Benson.

Horst Reiter mit Headset an seinem PC (Bild: Globetrotter)
"Bei Globetrotter fühle ich mich weder benachteiligt noch bevorzugt", sagt Horst Reiter. (Bild: Globetrotter)

Zufriedenheit seitens Mitarbeiter und Vorgesetzten

„Natürlich gibt es hier und da einzelne Schwierigkeiten“, fügt Benson hinzu, „aber grundsätzlich versuchen wir in Gesprächen Probleme zu lösen. Und wir versuchen, den Mitarbeiter entsprechend seiner Fähigkeiten am richtigen Ort einzusetzen. So wie das für alle anderen Mitarbeiter auch gilt.“

„Ich finde es wichtig, dass man offen und ehrlich auf die Kollegen zugeht und authentisch bleibt“, sagt Reiter. Sein Kollege Bekiel rät, die eigenen Stärken kennen zu lernen, aber auch die Grenzen zu kennen. „Und man sollte an seinem Selbstbewusstsein arbeiten, denn man soll sich nicht ausgegrenzt fühlen, wenn es nicht beim ersten Mal klappt.“

Bei einer gelungenen betrieblichen Integration kann eine enge Zusammenarbeit mit einem Integrationsdienst viel bewirken: „Ein großer Teil unserer Mitarbeiter mit Handicap hat eine Arbeitsassistenz. Wir arbeiten seit vielen Jahren mit der HAA zusammen. Von der Zusammenarbeit und der Unterstützung profitieren alle – Mitarbeiter mit Behinderung, Kollegen, Vorgesetzte und die Geschäftsführung“, sagt Benson.

„Behinderte Menschen sind Bestandteil der Gesellschaft“

Globetrotter hat schon relativ früh erkannt, dass sich das Engagement für behinderte Menschen lohnt. Diese Ausrichtung hat sich bestätigt – mit zufriedenen, motivierten Mitarbeitern sowie 2003 mit dem Integrationspreis der Hamburger Schwerbehindertenvertretungen.

„Als Arbeitgeber tragen wir eine besondere Verantwortung für deren Integration, da wir Arbeitsplätze schaffen und diese auch wichtig für das Selbstwertgefühl eines Menschen sind“, sagt Globetrotter-Geschäftsführer Andreas Bartmann. „Wir möchten so weiter machen und ein Vorbild für andere Unternehmen sein, die noch Berührungsängste haben.“


Text: Thomas Mitterhuber – 04/2011

Fotos: Globetrotter

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